Grundlegendes Gesetz, das alle unterschreiben

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Guter Ort: Lehrerin Diana Kobe-Bitsch (links) bewertet mit Ketteler-Schülern den Pausenhof.

Groß-Zimmern - Jetzt - nämlich in den Osterferien - über die Projektwoche der Bischof-Ketteler-Schule (BKS) in Klein-Zimmern zu berichten, ist weder zu früh noch zu spät. Von Jens Dörr

Vielmehr markieren die zwei Wochen Auszeit in diesem Jahr die Mitte, denn aus einer Projektwoche wurden kurzerhand zwei: Man habe wegen des umfangreichen Vorhabens erweitert, erläutern Schulleiterin Anna Meißner und Lehrer Andreas Collin. Denn ein Grundgesetz gibt man sich schließlich nicht alle Tage.

Stimmung im grünen Bereich: Dieses Stimmungsbarometer entstand in der ersten von zwei Projektwochen an der BKS. Jeder Schüler gibt dort an, wie er sich gerade fühlt. Bei Ausreißern nach unten beginnt die Ursachenforschung.

Ein Grundgesetz? Richtig: Nicht weniger als ein solches hat sich die BKS in diesem Jahr für die zwei Schulwochen vorgenommen, in denen Rechnen, Lesen und Schreiben einmal eine untergeordnete Rolle spielen. Unter Mithilfe der Schüler wolle man gemeinsam ein solches, dann für Schüler, Lehrer und Schulleitung verbindliches Gesetz schaffen, das die bestehende Schuldordnung zugleich nicht außer Kraft setzen, sondern erweitern soll.

Bevor Meißner erläutert, was es im Detail mit dem Vorhaben auf sich hat, betont sie, dass es kein exklusives Ding der BKS sei: An der Eduard-Flanagan-Schule in Babenhausen, wo Meißner zuvor als Konrektorin tätig war, gaben sich die Schüler ebenfalls selbst schriftliche Leitsätze für ihr Verhalten in der Bildungsstätte und auch an anderen Einrichtungen ist das Konzept so geprägt. „Wir sind froh, dass wir das übernehmen konnten“, sagt Meißner.

Kein gut gemeinter, aber wirkungsloser Ansatz sei die Erstellung eines Grundgesetzes, betont sie. „In Babenhausen war das ein Riesenerfolg. Man hat danach tatsächlich konkrete Verbesserungen im Verhalten der Schüler festgestellt“, sagt Meißner.

Als Grundlage dienen Sätze wie „Ich vermeide Konflikte und löse sie angemessen und gewaltfrei“. Sie werden dann in den beiden Projektwochen - eine direkt vor und eine gleich nach den Osterferien - von den Schülern diskutiert und mit Leben gefüllt.

Das geschieht zum Beispiel gemeinsam mit Karatemeister Mohammed Wahib oder Polizistin Kerstin Neumann. Im Umgang mit Konflikten schulen sie derweil regelmäßig und nicht nur in der Projektwoche. Jetzt gehen die Schüler aber nochmals mit einer anderen Intensität an die Aufgaben heran.

Nicht optimal strukturierter Außenbereich

Ein anderes Gesetz, das am Ende der Woche stehen könnte, lautet in seiner zunächst vorgeschlagenen Fassung „Die Pause nutze ich zum Entspannen, Spielen und Chillen“.

Das sei für Kinder etwa mit Aufmerksamkeitsdefizit- beziehungsweise Hyperaktivitätsstörung (ADHS) nicht selbstverständlich, beschreiben Meißner und Collin. Womöglich trägt aber auch ein nicht optimal strukturierter Außenbereich dazu bei, dass die Pause manchmal kaum zur Regeneration beiträgt.

Das untersuchte mit einer Gruppe von Schülern etwa Lehrerin Diana Kobe-Bitsch. Sie schritt mit Schülern den Pausenhof ab. Die Jugendlichen bewerteten unter anderem, in welchem Bereich sie sich wie wohl fühlen. Am Ende könnte eine Einrichtung etwa bestimmter Ruhezonen stehen, in denen bestimmte Pausenaktivitäten nicht gestattet sind und in denen es ruhiger als andernorts zugehen könnte.

Höhepunkt der beiden Projektwochen wird der letzte Tag sein, wenn alle Schüler und Lehrer das gemeinsam erarbeitete Grundgesetz der BKS bei einem feierlichen Festakt unterschreiben und sich damit schwarz auf weiß verpflichten, sich entsprechend zu verhalten.

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