Gute Betreuung für die Katz’

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Wilden Tieren im Messeler Hügelland auf der Spur: Kontrolleure sammeln am Lockstock herbeigezogene Haare.

Groß-Zimmern - Lautlos schleichen Wildkatzen durch den Wald, verstecken sich scheu in Baumhöhlen und gehen überwiegend nachts auf Mäusejagd. Kaum jemand hat sie in unseren Breitengraden je gesehen. Von Gudrun Fritsch

Ob es die heimlichen Bewohner im Messeler Hügelland tatsächlich gibt, das soll nun über einen längeren Zeitraum mit Hilfe ehrenamtlicher „Lockstockbetreuer“ untersucht und eventuell belegt werden. Zur Auftaktveranstaltung trafen sich am Mittwoch rund 60 potenzielle Wildkatzenretter in der Groß-Zimmerner Waldschule.

Zufrieden begrüßte Dr. Wolfgang Heimer von der Unteren Naturschutzbehörde die Teilnehmer, darunter drei Revierförster, etliche Jagdpächter und Mitglieder des Fördervereins Waldschule. Eingeladen hatte der „Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland“ (BUND) gemeinsam mit Hessen-Forst und dem Landkreis Darmstadt-Dieburg.

Keine natürlichen Feinde

Die bedrohte europäische Wildkatze breitet sich auch in Hessen weiter aus. Das zeigen Ergebnisse einer auf mehrere Jahre ausgelegten Studie des BUND. „Genetische Untersuchungen belegen Vorkommen in Wäldern, die lange als unbesiedelt galten. Im Sommer wurden Tiere bei Brensbach im Odenwald nachgewiesen und wir vermuten, dass es auch im Zimmerner Wald Wildkatzen gibt“, berichtete Sarah Friedrichsdorf von der BUND-Projektleitung Hessen. In einem spannenden Vortrag erläuterte sie den Lebenbsraum und das Verhalten der scheuen Raubtiere, die mit unserer Hauskatze zwar verwandt sind, aber nur in freier Wildbahn vorkommen. Natürliche Feinde gebe es für die Einzelgänger nicht viele. Jungtiere können Raubvögeln zum Opfer fallen. Aber gefährdet wird die Art, die in Bayern mittels Auswilderung wieder angesiedelt wurde, durch Landschaftszerschneidung, Straßen und strukturarme Felder. In den zurückgebliebenen kleinen, isolierten Vorkommen werden viele der seltenen Katzen auf ihren Wanderungen überfahren.

Um der Wildkatze und anderen Arten langfristig eine Überlebenschance einzuräumen, müssten Wälder zu einer Biotopvernetzung miteinander verbunden werden.

Seit 2004 arbeitet der BUND-Hessen deshalb an seinem Wildkatzenwegeplan, einem Netz aus Büschen und Bäumen. Der erste grüne Korridor entsteht in der wichtigen Verbindung vom Taunus zum Knüll. Dabei ist auch die Mithilfe von Menschen gefragt, die sich für den Artenschutz interessieren.

Von Januar bis Mai sollen mit Baldrian besprühte Holzpflöcke umherstreifende Tiere anlocken. Beim Reiben an dem aufgerauten Birkenholz hinterlassen sie Haare. Mit einer genetischen Analyse lässt sich dann feststellen, ob tatsächlich Wildkatzen an dem Lockstock waren.

Wie Spurensicherer an einem Tatort

Zuständig im Kreishaus ist Karsten Heinrich für das Projekt. „Sieben Gebiete sollen in diesem Winter in Hessen hinzukommen“, berichtete er und präsentierte eine vorläufige Karte für das Messeler Hügelland, in dem an zehn Stellen insgesamt 20 dieser Lockstöcke aufgestellt werden sollen. Die Standorte würden noch genau ausgespäht, denn sie sollten günstig für die Katzen liegen und – da diese nach der genussvollen Schmusepartie leicht benommen sind – die erforderliche Ruhe bieten. Alle sieben bis 14 Tage müssen die Lockstöcke untersucht werden.

Die hierfür notwendigen Utensilien holte Friedrichsdorf aus einem kleinen Materialeimer. Ähnlich wie Spurensicherer an einem Tatort werden die „Kontrolleure“ ausgestattet mit Leuchte, Lupe, Handschuhen, Pinzette, Probenbeutel, Bunsenbrenner und Sprühflasche.

Eine erste Einweisung in die Methode erhielten die Besucher bereits beim Treffen in der Zimmerner Waldschule. Anschließend konnten sich Bewerber in eine Liste eintragen.

Für die Lockstockbetreuer und ihre Stellvertreter sollen nun Termine folgen, bei denen sie lernen, wie das Holz zu reinigen und zu präparieren ist, aber auch, was mit den erbeuteten Haaren geschieht.

Mehr als voll wurde die Bewerberliste, denn anscheinend sind viele fasziniert von dem Jahrtausende alten kuschelweichen Kätzchen, das in freier Wildbahn überlebt hat. „Allein die Förster und Jagdpächter hätten wohl schon ausgereicht“, berichtete eine BUND-Mitarbeiterin. Aber wichtig ist den Aktiven auch die Teilnahme der Bevölkerung an dem Projekt.

Als einer der Ersten meldete sich der NABU-Vorsitzende Lothar Jacob als Betreuer. „So können wir das Wildkatzenprojekt in Kooperation auch mit Kindergruppen der Waldschule begleiten“, freute sich die ehrenamtliche Waldschul-Mitarbeiterin Claudia Wiedling.

‹ Wer sich für das Projekt interessiert kann sich melden bei Karsten Heinrich, Untere Naturschutzbehörde, s  06151 8812219, k.heinrich@ladadi.de. Mehr Infos unter: www.wildkatze.info.

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