Ritterspektakel lockt Publikum in Scharen

Das Gute siegt unter lautem Handgeklapper

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Osterspiele hoch zu Ross präsentierten das European Horse Show-Team auf dem Gelände des Reit- und Fahrvereins.

Gross-Zimmern - Osterspiele sind sowohl im christlichen als auch heidnischen Brauchtum geschichtlich dokumentiert. Während der Osterfeiertage wurde dieser Brauch auf der Sportanlage des Reit- und Fahrvereins zelebriert. Von Ursula Friedrich 

Mittelalterfans feierten drei Tage lang ein tolles Spektakel. Die Zeit wurde zurück ins dunkle Mittelalter gedreht. Als Elektrizität als Hexerei gegolten hätte, Tempelritter, Gaukler, Falkner, fahrendes Volk, irdische Helden und höllische Dämonen die Welt bevölkerten. Herzstück des vierten Zimmerner Ritterspektakels „Lux et Umbra“ war der Vorplatz einer trutzigen Burg. Hier war der Höllenfürst mit seinen schrecklichen Dämonen leibhaftig auferstanden, um ein Gefecht mit den Vertretern der himmlischen Seite auszutragen: Erzengel Michael, diverse Himmelsboten im Gefolge. Acht berittene Akteure zogen vor tosendem „Zimmerner Volk“ in die Schlacht – letztere johlten, pfiffen und sparten an drei Veranstaltungstagen nicht mit „Handgeklapper“.

Das EHS-Team (European Horse Show) aus Dieburg, zeigte rasante Ritte, präsentierte feurige Rösser, riskante Stunts, Feuer und Showeffekte. EHS-Chef Horst Bulheller aus Dieburg und sein Groß-Umstädter Partner Manuel Zinnecker lieferten sich als Erzengel und Höllenfürst feurige Duelle mit Lanzen, Spießen und Schwertern.

Im himmlisch-höllischen Gemetzel der Stuntreiter hatte diesmal ein Recke sein Ross gesattelt, der erst vor wenigen Wochen im EHS-Ausbildungsstall in die Lehre ging: Christian Wack aus Dorndiel.

Lampenfieber und schlaflose Nächte

„Er hatte Lampenfieber und schlaflose Nächte!“, kündigte Bulheller den Ritt seines Zöglings an, der Dank eines Gewinnspiels eines Anzeigenblattes unseres Verlages ins Kader stieß. Mutig zog Ritter Christian auf Warmblutstute Basia in die Schlacht, ritt durch Feuer, spießte in vollem Gallopp Ballons auf, und entfachte Strohpuppen.

„Putin hat eurem Höllenfeurer das Gas abgedreht“, geizte der Recke auch nicht mit Verbalattacken wider den dunklen Fürsten – dass zum Schluss die Himmelsstreiter Teufel und Dämonen bezwangen, ist selbstverständlich.

„Ich reite erst seit drei Jahren“, schmunzelte der Dorndieler Geschäftsmann nach seiner Premiere, die Knie noch weich, doch überglücklich. Das Volk, bei herrlichem Osterwetter zu Tausenden herbeigeströmt, zog bereits weiter, um Handwerker, Falkner, mittelalterliches Lagerleben und Küche hautnah zu studieren. Aus dem Bauchladen der Marketenderin gab es Hochprozentiges, am Stand vis a vis die passenden Trinkhörner und in Monis Gewandstube sogar die passende Kleidung.

Ritterspektakel in Groß-Zimmern

Ritterspektakel in Groß-Zimmern

Rund 150 Akteure machten das Osterspektakel zu einem authentischen Erlebnis. Bei Metbier, Schmachtfladen, mittelalterlichem Tanz und Live-Musik vergingen die Stunden im Nu. Hinter den Pforten der Burgkulisse rüsteten sich die zehn Stuntreiter für die finale Show: das Feuerspektakel. „Wir kaufen unsere Pferde ganz jung und bilden sie zunächst in klassischer Dressur aus“, verriet Manuel Zinnecker das Geheimnis seiner Kunstreiterei. Denn spektakuläre Stuntszenen auf rasenden Rössern zu zeigen ist eines.

Die ängstlichen Vierbeiner zu furchtlosen Partnern auszubilden, die weder Schlachtgetümmel, Feuer und Funken, noch Lärm scheuen, ein Zweites. Das Spektakel zu Pferde ist kein Hexenwerk: Viele Jahre vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Pferden stecken dahinter.

Das Publikum feierte die EHS-Reiter, die ihre Feuershow zu später Stunde durch brennende Feuerwände, mit Funken speienden Feuerwerkskörpern und wilden Stunts präsentierten. Trugen sie beim Ritterturnier noch ihre himmlischen Gewänder, ritt nun auch der passionierteste Engel schlichtweg wie der Teufel.

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