Lehrer und Flüchtlinge als Volleyballteam

„Die haben generell viel Ballgefühl“

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Gemeinsam am Netz: die Volleyball-Gruppe ehemaliger Lehrer von ASS und Dieburger Goetheschule mit einigen der mitspielenden Flüchtlinge.

Groß-Zimmern - Eine Mannschaft beim Volleyball besteht normalerweise aus sechs Spielern – vom immer mehr gehypten Beach-Volleyball einmal zu schweigen. Ein rundes Dutzend Akteure also sind nötig, um eine Partie durchzuführen. Von Jens Dörr 

Eine Zahl, der sich jene Gruppe ehemaliger Lehrer zumindest am vergangenen Dienstag nicht einmal angenähert hätte - hätten sie in der Sporthalle der Albert-Schweitzer-Schule keine externe Verstärkung erhalten. Einmal wöchentlich spielen einstige Lehrer der ASS sowie der Dieburger Goetheschule dort anderthalb Stunden ihres sportlichen Favoriten – und tun dies seit Oktober gemeinsam mit Flüchtlingen. Vier Lehrer, ASS-Hausmeister Armin Schumann und ein Jugendlicher: Das wäre es vergangene Woche personell gewesen für die 90 Minuten auf dem Parkett. Wäre da nicht eine Handvoll junger Männer gewesen, größtenteils aus Afghanistan stammend, die ein „richtiges“ Spiel erst möglich machte. Einer von ihnen musste zwar etwas früher weg – zum Fußball-Training – und einer kam erst deutlich später hinzu. Trotzdem agierten immer mindestens zehn Spieler auf dem Feld, womit die wünschenswerte Gesamtzahl nahezu erreicht war.

Ein gewisser Ehrgeiz fehlt der Runde zwar nicht, ums Punkten geht es bei der wöchentlichen Einheit trotzdem erst in zweiter oder dritter Linie. Das Zeichen der Lehrergruppe, gegenüber den aus ihrer Heimat geflüchteten Menschen offen zu sein, sie mitmachen zu lassen und sich dabei (meist noch auf Englisch, manchmal mit Gesten, teils aber auch schon auf Deutsch) in lockerer Atmosphäre näherzukommen, ist entscheidend.

Nicht zum ersten Mal offenbart sich der Sport als bestens geeignetes Medium für die Verständigung über sprachliche, soziale und kulturelle Grenzen hinaus. Initiiert hat das gemeinsame Spiel Pfarrer Michael Fornoff, der der Gruppe auch weiterhin angehört. Solche gemeinsamen Aktionen gibt es in Groß-Zimmern nicht nur beim Volleyball oder (wie berichtet) beim Fußball. Auch beim Schachspiel und bei Taekwando-Einheiten haben sich inzwischen gemischte Gruppen etabliert. Im Hallenbad legten jüngst neun junge männliche Flüchtlinge ihr Bronze-Schwimmabzeichen ab und eine junge Frau machte ihr Seepferdchen. Und mit den routinierten Volleyballern der Groß-Zimmerner Lehrerrunde halten die Asylsuchenden immer besser mit: „Die haben generell viel Ballgefühl“, hat Armin Schumann nicht ohne Bewunderung festgestellt. Zumal gerade in Afghanistan, was hierzulande wenig bekannt ist, Volleyball eine der beliebtesten Sportarten ist. „Das wird dort schon viel in den Schulen gespielt.“

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