„Häkeln gegen die ödipale Welt“

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Vom heiligen Stuhl bis zum Selbsterfahrungskurs „Augen auf beim Partnertausch“ entführte Kabarettist Thomas Klumb (links) sein Publikum im Pfarrzentrum.

Groß-Zimmern - Hat Papst Benedikt den Stinkefinger gezeigt? Wurde der FDP im Parlament die letzte Ölung verabreicht? Schenkten Bayerns Madeln auf dem Oktoberfest Ratzingerbräu aus?  Von Ursula Friedrich

Mit Thomas Klumb wurden am Freitag Abend im katholischen Pfarrzentrum weltliche, vor allem jedoch religiöse Themen aufgearbeitet und kräftig durch den Kakao gezogen. Mit seinem Programm „Der heilige Bimbam“ traf der Gast im vollbesetzten Saal den Nerv des Publikums, dessen Lachmuskeln ordentlich ins Vibrieren kamen.

Keine Veranstaltung des Orgelfördervereins, der auf diese Weise das Spendenkonto zu Gunsten des neuen Instruments für St. Bartholomäus aufbesserte, hatte bislang eine derartige Lachwelle hervorgerufen.

Klumb begeisterte mit einer waghalsigen Gradwanderung provokativer Gesellschafts- und Kirchenkritik und herzerfrischender Menschlichkeit. „Ich wollte auch mal Atheist werden – dann fiel mir auf: Da hat man ja gar keine Feiertage!“ flaxte er. Symptomatisch für die Karriere als Theologe und Kabarettist ist die zarte Jugend des gebürtigen Biblissers. Obwohl er sich erfolgreich den Bemühungen seiner Eltern widersetzt habe, einen katholischen Kindergarten zu besuchen, begann er 1975 das Studium der katholischen Theologie sowie „weiterer Disziplinen in folgender Reihenfolge: Wein, Weib, Gesang, Thoelogie.“

Vom heiligen Stuhl bis zum Selbsterfahrungskurs „Augen auf beim Partnertausch“ entführte Kabarettist Thomas Klumb (links) sein Publikum im Pfarrzentrum.

In seiner Person vereinen sich vermeintliche Gegensätze. Kein Wunder, dass Klumb im Bistum Mainz beruflich Fuß fasste, privat auf Fastnachtsbühnen und im Kirchenkabarett zu Hause ist. Trotz aller Seitenhiebe und bissiger Kommentare gegen die Kirche, versprach er vor dem Zimmner Publikum: „Wer mein Programm übersteht, gilt als getauft – hier geht niemand mehr als Heide raus.“ Mit schwarzem Humor und dem Vermögen, Menschen mitzureißen, führte er selbst Ungläubige auf den rechten Weg. Schließlich, welche Alternativen böten sich auf der heilsbringenden „Sinn-Suche“ der Menschheit? Selbsterfahrungs-Crash-Kurse wie Häkeln gegen die ödipale Welt? Lasagnekochkurs mit freikriechenden Mehlwürmern? Oder sexuelle Ausschweifungen unter der Prämisse „Augen auf beim Partnertausch?“ Freilich müssten katholische Geistliche angesichts gesellschaftlicher Entwicklungen wie der deutschen „Quizomanie“ hin und wieder ein Auge zudrücken. So müsse Pfarrer Christian Rauch gegebenenfalls mit dem Telefonjoker punkten, wenn der Bräutigam während der Trauungszeremonie beim Eheversprechen zunächst die möglichen vier Antworten erfahren möchte.

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