Tilli Held sammelt Unterschriften für den Erhalt der Sportstätte

Das Hallenbad darf nicht schließen

Dank Wassergymnastik fit bis ins hohe Alter! Tilli Held (vorne) mit ihrer Trainingsgruppe im Zimmerner Hallenbad. Foto: Friedrich

Groß-Zimmern - „Ich brauche keine Reha, das kann ich auch daheim!“, hatte die resolute ältere Dame ihrem Arzt nach einem folgenschweren Fahrradunfall erklärt. Tilli Held (81) brach sich im vergangenen Jahr Becken und Schambein. Von Ursula Friedrich

„Man konnte nichts operieren“, erinnert sich die gebürtige Zimmernerin – daher kehrte sie nach drei Tagen dem Umstädter Krankenhaus den Rücken.

Mit ihrer eigenen Therapie gelang es ihr, nicht nur wieder zu genesen und dem Rollstuhl ade zu sagen. Sie trainiert auch wieder ihre Gymnastikgruppe, regelmäßig zweimal die Woche im Hallenbad. Wie sie es bereits seit 30 Jahren ehrenamtlich tut.

Aus Zimmern und Umgebung sind durchschnittlich 25 bis 30 Wasserratten früh morgens mit von Partie. „Wir trainieren mittwochs und freitags von 7.45 bis 8.30 Uhr“, wirbt die Trainerin um neue Mitstreiter.

Trotz ihres Alters ist Tilli Held ein Energiebündel. Für ältere Menschen bietet sie im Seniorendienstleistungszentrum Gersprenz gemeinsam mit TV-Übungsleiterin Elfriede Burger ebenfalls Gymnastikunterricht an. Und Protestanten ist sie auch durch ihre Tätigkeit als Küsterin der evangelischen Kirchengemeinde bekannt.

„Bewegung ist das A und O“, ist die Philosophie Helds – und das am besten im Wasser. So ließ sie sich in ihrer Rekonvaleszensphase per Rollstuhl ins Hallenbad fahren – dort trainierte sie ihren Körper von neuem auf. Viele Menschen waren ihr in dieser harten Zeit eine Stütze, erzählt sie dankbar.

Im Wasser des Hallenbads, wo sie seit 30 Jahren zur frühen Morgenstund´ ihre Gymnastikgruppen fit macht, fühlt sie sich wohl. Da sie die Sorge vieler Bürger teilt, das Bad könne angesichts der finanziellen Situation der Gemeinde geschlossen werden, sammelt sie nun rührig Unterschriften. Denn eine Schließung wäre eine Katastrophe. „Es gibt nichts besseres, als hier zu trainieren. Ich bin der beste Beweis“, sagt sie überzeugt. Das Bad sichert bewegungsbewussten Menschen, Freizeitsportlern und ehrgeizigen Wettkampfschwimmern sowie Schulen über die Ortsgrenzen hinaus Sportmöglichkeit, Kommunikation, Spaß, kurzum ein Stück Lebensqualität.

In den Diskussionen, wie der defizitäre Gemeindehaushalt aus den roten Zahlen manövriert werden kann, taucht häufig der kostenintensive Unterhalt des Schwimmbads auf. Denn: 500 000 Euro minus verursacht dieses von vielen Zimmernern geliebte Bad jährlich. „3 200 Euro reine Energiekosten pro Woche“, macht Bürgermeister Achim Grimm die Rechnung auf. Seit November dieses Jahres beschäftigt sich eine Kommission mit der Zukunft des Bades. Im Januar soll erneut getagt werden. Eine komplette Schließung des Hallenbades stehe dabei aber nicht auf der Tagesordnung, versprach der Bürgermeister.

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