Hand in Hand für die Kinder

Rund 60 Bürger informierten sich über die Zukunft der Betreuung in der Gemeinde. Foto: Friedrich

Groß-Zimmern - Der große Knall blieb aus. Fast schien es, als sei in Sachen Kinderbetreuung alles eitel Sonnenschein, als rund 60 Gäste der Bürgerversammlung im Feuerwehrgerätehaus Klein-Zimmern andächtig den Ausführungen von Bürgermeister Achim Grimm lauschten. Von Ursula Friedrich

Trotz des Defizits bei den Betreuungsplätzen für Kindergartenkinder, der fehlenden Einrichtungen für die Kleineren unter drei Jahren und haarsträubenden Bedingungen bei der räumlichen Situation zur Betreuung in der Albert-Schweitzer-Schule (ASS) gab es nur verhaltene und durchweg sachliche Fragen und Einwände aus dem Publikum.

Grimm nannte zwar keine Zahlen, beschönigte jedoch nichts: „Als sich die Betreuungskonferenz 2010 zusammensetzte, haben viele Kinder, besonders im Ü-3-Bereich (über Dreijährige) keinen Kindergartenplatz bekommen – U3 (Betreuung für unter Dreijährige) steckte noch in den Kinderschuhen.“

Jugendpfleger Tom Hicking erbrachte in seiner Vorstellung des kommunalen Betreuungskonzeptes den Nachweis, dass Vertreter aller Betreuungseinrichtungen im Schulterschluss mit engagierten Bürgern und Kommunalpolitikern angesichts dieses Mankos um zukunftsträchtige Lösungen ringen. Immerhin: Die kürzlich aufgestellten Wohncontainer am Kindergarten Blumenstraße bieten 25 weitere Plätze für Kinder ab drei Jahren. Und: Der Sozial-, Sport- und Kulturausschuss beschloss den Neubau einer Kindertagesstätte auf dem Festplatz für insgesamt 90 Kinder mit ausgedehnten Öffnungszeiten bis 17 Uhr (wir berichteten).

Die nachschulische Betreuung, bislang unter Trägerschaft der privaten Elterninitiative Pfiffikus, ging in die Trägerschaft des Arbeitersamariterbunds (ASB) über. Das Erfolgsmodell Pfiffikus plus ASB bietet 100 Grundschülern Betreuungsplätze.

Wenig befriedigend, jedoch originäre Angelegenheit des Schulträgers und damit des Kreises Darmstadt-Dieburg ist die Infrastruktur der nachschulischen Betreuung im Rahmen der familienfreundlichen Schule an der ASS. Hier drängen sich derzeit 40 Kids in einem rund 30 Quadratmeter großen Raum, Der Bedarf liegt weitaus höher, das Angebot kann wegen des fehlenden Platzes aber nicht ausgedehnt werden. Wiederholte Apelle des Schulleiters an den Landkreis verhallten bislang ohne Resultat.

Hicking brachte die gesellschaftspolitische Situation in der Gemeinde auf den Punkt: In vielen Familien müssen beide Eltern arbeiten. Da viele Bürger zugezogen sind, ist ein Zugriff auf Angehörige bei der Betreuung problematisch. Und: „Die zu betreuenden Kinder werden immer intensiver und komplizierter.“ Daneben stellt die gesetzlich verordnete „Inklusion“ alle Pädagogen vor eine große Aufgabe, da behinderte, lernschwache oder verhaltensauffällige junge Menschen in Regeleinrichtungen „inkludiert“ werden, Sonderschulen sind abgeschafft.

„Vernetzt arbeiten!“ ist eine Formel, die Hicking stets aufs neue aussprach. Nur durch Kooperation von der Kinderkrippe bis zur weiterführenden Schule, von der Erzieherin bis zum Jugendamt könne erfolgreich im Sinne der jungen Menschen gearbeitet werden. Und dies, so eine Mutter, müsste stets die Prämisse jeden Handelns sein: „Zu Gunsten der Kinder handeln, bitte ohne parteiliches Kalkül!“

Berufstätige Eltern beklagten insbesondere das fehlende Angebot an Kindertagesstätten. „Warum kann der Kindergarten Blumenstraße keine Kindertagesstätte werden?“, fragte eine Mutter, die wegen des fehlenden Angebots zur Mittagszeit ihren Nachwuchs privat und teuer unterbringen muss.

„Die geplante Gebührenerhöhung ist nicht sozial verträglich!“, kritisierte ein Vater. Grimm hielt dagegen: Niemand müsse wegen der ansteigenden Kindergartengebühren im kommenden Jahr sein Kind zu Hause lassen. Die Kosten für 25 bis 30 Prozent der Kindergartenkinder werden bereits jetzt vom Sozialamt gezahlt.

Derzeit beschäftige die Gemeinde 40 Erzieherinnen und lege jährlich für die Kinderbetreuung 1,9 Millionen Euro drauf. Die neue Gesetzeslage ab 1.1.2012 wird teuer, denn der Betreuungsschlüssel für eine Ü3-Kindergartengruppe wird dann von 1,5 auf 1,75 Erzieher hoch gefahren. Hicking zur Marschroute der Gemeinde: „Wir arbeiten am Ausbau der Kindertagesstätten können finanziell aber nicht alles auf einmal stemmen.“

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