Die Post geht ab bei der Ausstellung „Farb/Ver/Sch/Wendung“ im Glöckelchen

Handanlegen mit und ohne Köpfchen

Wer weiß hier noch, wo ihm der Kopf steht? Die Teilnehmerinnen der Kreativwerkstatt in Groß-Zimmern stellen aus.  J Foto: sr

groß-zimmern J Andächtige Stille herrschte gestern im Vorraum des Glöckelchen. Wie zur weihnachtlichen Bescherung warteten die Besucher der Vernissage auf den Einlass. Die Überraschung, rhythmisch inszeniert mit Balafon-Klängen von Ela Bell, war gelungen. Von Gudrun Fritsch

Unter dem Titel „Farb/Ver/Sch/Wendung - Ist das Kunst oder kann das weg?“ stellt die Kreativwerkstatt zu ihrem zehnjährigen Bestehen unterschiedliche Werke im Glöckelchen aus. Zu sehen sind Malerei, Collagen, Objekte und Installationen.

„Nicht Kunst ist das Stichwort, sondern Kreativität“, erläutert Rüdiger Michel, der „Quotenmann“ im Atelier am RotenMorgen, der neben Bürgermeister Achim Grimm und Ursula Burgdorf (Porträt auf Seite 3) die Besucher begrüßt. Roman Polanski habe bei einem seiner Filme nach Kunst befragt entgegnet „das ist, wenn man die Botschaft mit der Post schicken kann“, zitiert Michel und fragt sich sogleich angesichts der vielen Köpfe, die die Gäste auch mal kopflos nur als Büste von der Bühne herunter anstarren: „Was stellen wir da aus?“

Die Selbstporträts wurden von den 27 Gruppenmitgliedern und Burgdorf her- und aufgestellt. „Jeder sollte sich darstellen, egal mit welchem Material“, beschreibt Burgdorf den ausnahmsweise für die Geburtstagsausstellung gestellten Arbeitsauftrag. Ansonsten wird in der Kreativwerkstatt nämlich nach Lust und Laune produziert und die sollte auch bei der Ausstellung im Vordergrund stehen.

Das Leben an und für sich ist bereits ernst genug, da sollte man zur Entspannung doch mehr Humor walten lassen, scheint die Devise.

Drei Grundzüge sind bei der Ausstellung zu sehen. Der erste Teil setzt sich aus Lieblingsstücken der Teilnehmer aus zehn Jahren Kreativwerkstatt zusammen.

Der zweite besteht aus besagten Werken der Kategorie „Ist das Kunst oder kann das weg?“ - hierzu zählen unter anderem nette, schräg bemalte Gartenzwerge.

Den dritte Teil bilden die „Werkstattköpfe“, mit denen sich die Teilnehmern den Ausstellungsbesuchern vorstellen.

Bei so viel Köpfchen waren manche Gäste zwar leicht irritiert, erkannten jedoch bald das Humoristische in den Blicken ihrer Betrachter und konnten nachvollziehen, dass kreativ sein in erster Linie Spaß macht. Doch das nicht alleine. So setzte Michel zuletzt in seiner Rede mit einem Zitat von Karl Valentin doch noch einen Schulterschluss zur Kunst: „Die ist schön, macht aber viel Arbeit.“

‹ Die Ausstellung im Glöckelchen ist heute von 14 bis 18 Uhr und am morgigen Sonntag (21.) von 11 bis 18 Uhr geöffnet.

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