Handwerkszeug für Vorlesepaten

Groß-Zimmern - (bea) „Ich habe schon ordentlich profitiert“, freut sich Christiane Huke. Sie nimmt am Volkshochschulkurs „Vorlesepatin werden“ teil, zusammen mit rund 25 anderen Frauen. Männer, die Vorlesepaten werden wollen, gibt es in Zimmern und Umgebung anscheinend nicht.

Referentin Christine Kranz steht am Samstag im Glöckelchen vor der Bühne und gibt Tipps. Ratschläge, die sich teilweise ganz simpel anhören, die aber die angehenden Vorlesepatinnen, von denen etliche schon Erfahrung haben, ganz offensichtlich faszinieren. „Was ist am wichtigsten beim Vorlesen?“, fragt Kranz in die Runde. die Antwort ist ebenfalls etwas ganz einfaches: die Ruhe. Deshalb empfiehlt die Referentin ein Schild „Bitte nicht stören“ von außen aufzuhängen.

Kranz berichtet über verschiedene Vorlesesituationen, beispielsweise bei Älteren oder bei Kindern. Beliebt sind Vorlesenachmittage in Senioren- und Pflegeheimen. „Lassen Sie Kaffee und Kuchen erst nach dem Lesen bringen“, empfiehlt die Referentin, „sonst ist die Aufmerksamkeit der Zuhörer bei dem leckeren Stück und nicht beim Text“.

Auch zur Zahl der Zuhörer gibt Kranz Ratschläge: „bei Kindern acht bis höchstens zehn Teilnehmer. Schließlich sollen alle die Vorlesende gut sehen können und wenn Sie beispielsweise aus einem Bilderbuch vortragen, sollten die Illustrationen zwischendurch angeschaut werden können“. Für die älteren Zuhörer hat Kranz keine Zahlen bereit. Hier komme darauf an, wie fit die Zuhörer sind.

Die Fachfrau setzt sich auf die Bühne und holt eine bunte, kleine Kiste hervor. Sie zeigt eine Fingerpuppe, eine Maus. „So eine Schatzkiste ist ganz wunderbar, um die Aufmerksamkeit auf Sie und ihre Geschichte zu lenken“, empfiehlt sie. Einen Schlüssel zieht sie als nächstes aus der Kiste. Viele Geschichten fingen mit einem Schlüssel an und die seien meist unheimlich.

„Sagen Sie, diese Geschichte ist zu unheimlich, die Kinder werden ihnen von Anfang an, an den Lippen hängen“. Auch Renate Pfeiffer, die im Mehrgenerationenhaus mitarbeitet, ist von den Empfehlungen der Referentin begeistert. „Ich habe heute ganz viele Tipps bekommen, die ich auch für meine Arbeit mit Dementen anwenden kann“. Edith Hornung von der Groß-Zimmerner Gemeindebibliothek überlegt, wie sie Vorlesenachmittage einsetzten kann. Tabea Tschiche, die den Groß-Zimmerner Buchladen „Lesezeichen“ betreibt, erklärt, dass sie eventuell eine regelmäßige Vorlesestunde in ihrer Buchhandlung einführen will: „Heute haben wir alle schon mal gutes Handwerkszeug bekommen“.

Christine Kranz gibt den Vorlesepatinnen hilfreiche Tipps.Foto: Bernauer

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