ASS setzt gute Tradition fort

Happy End für alle

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Nach Lisas Verhaftung findet sie sich vor Gericht wieder. Wichtiges Zubehör sind die Headsets. Wenn die jedoch in der Kabine nicht ausgeschaltet werden, hat das einen heiteren Nebeneffekt.

Groß-Zimmern - Als der Vorhang fiel, das Publikum in euphorischen Applaus ausbrach und den jungen Künstlern Standing Ovations zukommen ließ, stand den Schülern die Erleichterung und die Freude ins Gesicht geschrieben. Zwei Stunden zuvor war in der Garderobe die Anspannung groß, nervöses Lachen tönte durch den Raum, zittrige Stimmen und kalte Hände waren bei fast allen Darstellern zu verzeichnen. Von Verena Scholze

Nach ein paar Minuten Theaterluft auf der Bühne ließ die Anspannung jedoch nach, die Schüler fanden zu ihrem Rhythmus und identifizierten sich teilweise sehr gut mit den zu verkörpernden Rollen. Die Theater AG der Albert Schweitzer Schule (ASS) führte am Dienstag und Mittwoch ihr Musical „Sydney-Blue“ auf, das die seit Oktober Schüler aktiv mitgestaltet hatten. Das Stück wurde selbst geschrieben, Bühnenbild, Kostüme und Requisiten wurden vom Ensemble entworfen. Die Leitung der Theater-AG hatte dieses Jahr ein Gastregisseur aus Darmstadt. Schauspieler Andreas Konrad stammt vom Theater „Lakritz“ und übernahm neben der Regie selber einige Rollen. Hilfe erhielt die AG auch von Sabine Vogel, Inhaberin des Studio Aesthetic, die sich um Make-p und Frisuren kümmerte.

„Die Gruppe wollte erst High School Musical auf die Bühne bringen. Wir haben dann jedoch entschieden, dass etwas eigenes besser geeignet ist und machten uns ans Werk“, erzählt Konrad. Es war eine Produktion mit vielen Hindernissen, die die Schüler jedoch mit Bravour meisterten. Der ursprünglich angesetzte Termin im März wurde verschoben, weil die Theater AG mit dem damaligen Stand noch nicht zufrieden war. Einige Rollen wurden neu besetzt weil vorgesehene Schüler absprangen und ein Woche vor der Premiere erlitt eine Besetzung noch einen Unfall und fiel aus, sodass die Rolle von ihrem Ersatz komplett neu einstudiert werden musste. „Die Darsteller wurden vom Unterricht für die Proben freigestellt“, erzählt Schulleiter Helmut Buch und freute sich: „Das Theater an der ASS hat bereits Tradition. Wir können uns nicht mit den professionellen Theatern vergleichen, aber unsere AG ist mit Engagement und Hingabe bei der Sache“.

Zuletzt gibt es für Lisa (Marlene Wenz) und Craig (Mergim Markalli) ein Happy End.

Ein paar kleinen Pannen während der Aufführung machten das Stück und ihre Darsteller besonders liebenswert. So vergaßen die Darsteller ab und zu ihre Headsets auszuschalten und ließen das Publikum ungewollt an den Aktivitäten rund um und hinter der Bühne teilhaben, was die Anwesenden sehr amüsierte. So vernahm man unter anderem Sprüche wie „wo ist denn jetzt das blöde Geschenk?“, oder „Mist, da klemmt was!“. In dem Stück geht es um das 16jährige Mädchen Lisa (Marlene Wenz), das mit seiner Mutter in einem ärmeren Stadtteil Kölns lebt. Lisa ist seit einigen Wochen mit ihrem neuen Freund Craig (Mergim Markalli) zusammen, doch ihre Mutter (Aileen Henrich) ist strikt gegen die Beziehung. Craigs Eltern stehen finanziell sehr gut da, im Gegensatz zu der alleinerziehenden Mutter, die eben darin ein Problem sieht. Sie ist der Meinung, ein Jugendlicher wie er würde es mit einem Mädchen wie Lisa nicht ernst meinen. Als Lisa Craig gratulieren will, weil er bei einem Casting für das in Australien spielende Musical „Sydney Blue“ gewonnen hat, lässt ihre Mutter sie nicht gehen und sperrt sie ein. Lisa flüchtet durch das Fenster. Mit einem gestohlenen Geschenk für Craig wird sie von der Polizei erwischt und verhaftet. Da sie kein unbeschriebenes Blatt war, kommt Lisa in ein Heim für straffällig gewordene Jugendliche.

Dort angekommen trifft sie auf eine vollkommen verdrehte Heimleitung (Sophia Franz) und zwei Mädchengangs, die einen gut, die anderen böse. Beide Gruppen versuchen das schüchterne Mädchen auf ihre Seite zu bringen. Es beginnt ein Kampf zwischen den Gangs, der in einem Heimausbruch Lisas und einem großen Streit des Liebespaares endet. Aber Ende gut, alles gut. Die Schwierigkeiten zwischen Mutter, Lisa und Craig werden ausgeräumt, Lisa hat Einsicht bezüglich ihrer Taten und der künftige Musicalstar Craig bekommt sein Traummädchen.

In dem Stück gab es mit Augenzwinkern einige Seitenblicke auf die momentan so beliebten Casting-Shows sowie die Vorliebe der Jugendlichen für singende Schüler. Höhepunkt der Aufführung waren sicherlich die life gesungenen Titel der Hauptdarsteller sowie die einstudierten Tanzszenen der Gruppe. So durften die Schüler am Ende der Aufführung zu Recht den Applaus in Empfang nehmen und bekamen zusätzlich jeder eine Rose überreicht. „Wir hatten ein gutes Team vor und hinter den Kulissen“, so Konrad. Einen Teil des Eintrittsgeldes spendet die Schule dem Projekt „ASS helps: New Saint Mark Village“. Dieses Projekt entstammt der Idee der Klasse G9a, eine Partnerschaft für ein Kind in Afrika zu übernehmen. Die Klasse entschied sich schließlich für ein Projekt für Aidskranke Mütter und Kinder, da mit dem Leiter des Projekts ein persönlicher Kontakt entstanden war. Jürgen Wentzel, der Gründer des Projekts baut mit Aidskranken Müttern und deren Kindern Häuser zum leben. Da allerdings noch rund 60 000 Euro für weitere Baumaterialien und Tiere benötigt werden, wird auch das Geld, das die ASS spendet, lange nicht genug sein.

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