Schwieriges Thema verständlich und für alle Bürger gut verdaulich dargereicht

Haushalt appetitlich als Kuchen

Die Zusammenfasstung nach Kostenarten 2012 in Kuchenform.. Foto: Gemeinde

Groß-Zimmern (guf/sr) - Die komplizierten Zahlenwerke der kommunalen Haushalte sind nicht sehr beliebt. Obwohl es dabei - wie beim privaten Wirtschaften - um das eigene Vermögen geht, schalten die Bürger oft ab, wenn die horrenden Rechnungen präsentiert werden.

Die Kommunalpolitiker haben sich auch bei der Verteilung, Verwaltung und Streichung der Finanzmittel erhöhte Bürgerbeteiligung zum Ziel gesetzt. Schließlich sind sie beauftragt, möglichst im Sinne der Wähler zu entscheiden. Die sollten also in der Lage sein, sich auch zu solch unbeliebten Themen eine Meinung zu bilden.

Deshalb hat Gemeindevertretervorsteherin Katharina Geibel (CDU) am Donnerstag alle Zimmerner zur Bürgerversammlung in den Chorraum der Mehrzweckhalle eingeladen. Rund 50 Teilnehmer sind gekommen, größtenteils waren es jedoch wieder politisch Aktive. Auch wenn die „einfachen Bürger“ lediglich ein knappes Dutzend ausmachten, kann sich die Gemeinde dennoch über einen gelungenen Abend und erste Schritte hin zu mehr Beteiligung freuen.

„Die Auswirkungen der Finanzkrise sind spürbar. Alleine mit sparsamer und wirtschaftlicher Haushaltsführung ist eine Konsolidierung nicht zu erreichen“, begann Bürgermeister Achim Grimm seinen Vortrag und benannte die aktuell wichtigsten Ziele: Den Neubau der Kita in der Angelgartenstraße, den Ausbau der Kinder- und Jugendförderung, Umwelt- und Naturschutz sowie den Erhalt von freiwilligen Leistungen.

Der in Zusammenarbei mit Kämmerer Gernot Geiß und Gemeindemitarbeiter Alexander Pfau gut vorbereitete Rathauschef jonglierte bei der Power-Point-Präsentation geradezu mit den Zahlen.

Einige waren besonders auffällig: Der Fehlbedarf im Ergebnishaushalt, die rechnerische Differenz aus Einnahmen und Ausgaben für den laufenden Betrieb, liegt für das aktuelle Jahr bei rund 1,5 Millionen Euro.

Die zweite Zahl stammt aus einem Kuchendiagramm. Das zeigt, dass die Abschreibungen elf Prozent des Finanzbedarfs ausmachen. In absoluten Zahlen sind das fast 2,2 Millionen Euro.

Zwar sind auch in kameralistischen Zeiten schon Abschreibungen in den Haushalt eingeflossen, aber erst in der Doppik, der an kaufmännische Prinzipien angelehnten kommunalen Finanzwirtschaft, haben die Abschreibungen solche Dimensionen angenommen.

Grimm erläuterte auch die Auswirkungen der Auflösung des Eigenbetriebs Abwasserbeseitigung und dessen Eingliederung in den Gemeindehaushalt 2012. In dem seien alle Maßnahmen auf ihre Notwendigkeit hin überprüft worden, „aus den ursprünglichen Anmeldungen wurden Projekte mit einer Gesamtsumme von rund 150 600 Euro gestrichen“, so Grimm.

Mit entsetzen wurden die Zahlen zum Hallenbad registriert. Das wies 2011 einen Fehlbetrag von 425 000 Euro auf. Niemand wolle es schließen, aber eine Kommission prüfe derzeit Einsparmöglichkeiten im Energiebereich oder durch Schließung in den Sommermonaten.

Auch Förderer würden gesucht, denn 65 Prozent der Bad-Besucher kommen einer Untersuchung zufolge nicht aus Zimmern.

Nach anderthalb Stunden engagierten Analysierens folgten wenige Fragen. Einig schienen sich die Besucher zu sein, dass diese Form der Bürgerbeteiligung der richtige Weg ist. „Die Leute schimpfen schnell. Aber es ist doch eigentlich auch an uns, hier mitzumischen“, brachte es Carmen Dietrich auf den Punkt.

Ein Internetportal zum Haushalt soll auf der Homepage der Gemeinde eingerichtet werden. Für 2012 etwas spät, aber beim Haushalt 2013 sollen die Bürger so mitbestimmen können.

‹ Die Präsentation kann im Rathaus angefordert werden.

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