Berthold Schreiber: „Wenn sich die Kinder freuen, macht mich das glücklich.“

Haustier Schaf

Schafe der Rasse Suffolk hält Schreiber im Außenbereich von Groß-Zimmern. Fotos (2): Bernauer

Groß-Zimmern - „Bääääh!“ blökt es laut und zufrieden. Die Schafe von Berthold Schreiber landen nicht im Kochtopf und die Wolle kann er auch kaum verkaufen. Von Ulrike Bernauer

„Die Tiere sind mein Hobby. Ihre Pflege macht mir einfach Spaß“, sagt der Ur-Zimmerner. Er liebt es, den Schafen im Auslauf zuzuschauen. Wenn Eltern mit kleinen Kindern vorbeikommen und fragen: „Dürfen wir mal nach den Schafen schauen?“, dann öffnet er das Tor. „Ich zeige meine kleine Herde gerne und erkläre den Besuchern, wie man sie pflegt, und wenn die Kinder sich freuen, dann macht mich das glücklich.“

Schreibers Großvater hatte noch Landwirtschaft, allerdings keine Schafe. „Als ich ein kleiner Junge war, gab es noch einige Schäfer. Wenn mal ein Lamm nicht von der Mutter angenommen wurde, dann habe ich das mit der Flasche großgezogen. Das hat mich geprägt und seitdem haben mich diese Tiere nicht los gelassen“, sagt er heiter.

Wann er sich die ersten Schafe der Rasse Suffolk angeschafft hat, kann er gar nicht genau sagen. „Das ist mindestes 25 Jahre her.“ Ein rundes Dutzend Schafe hat er zurzeit, die er in der Nähe des Anglerheims auf einem eingefriedeten Grundstück hält. Derzeit ist es zwar noch kalt, aber sobald die Sonne ein wenig scheint sind die Schafe draußen und suchen nach den ersten spärlichen Gräsern oder sind einfach nur zufrieden und genießen den Auslauf. Vor allem die Lämmer, sieben sind es an der Zahl, hatten in diesem kalten Winter noch nicht so viel Bewegung.

Wenn es kalt und nass ist, bleiben die Schafe größtenteils im Stall. Schreiber sie früh lammen. Deshalb kann von Osterlämmchen, die auf staksigen Beinen noch unsicher herumlaufen, bei seinen Tieren keine Rede sein. Die Kleinen wurden zwischen Mitte Dezember und Mitte Januar geboren, sind also schon relativ groß und springen ausgelassen auf der Wiese herum. Den Hammel lässt der Hobby-Hirte schon im Sommer zu den Schafen, so erklärten sich die frühen Geburten. „Das passt mir am besten in meinen Zeitplan“, sagt Schreiber. „Im Winter habe ich meist Urlaub und kann viel nach den Schafen schauen“, sagt der Industriemeister bei Merck.

Das hat auch den Vorteil, dass er ab dem Frühjahr oder Frühsommer mit seinen Schafen das Gelände verlassen und auf Wanderschaft gehen kann. Dann sind die Lämmer schon fort oder kräftig genug, um mit zu wandern.

Allerdings zieht Schreiber nicht mit Schäferhut und Hund durch die Lande. Er geht meistens Richtung Dieburg von einem Privatgrundstück zum anderen. „Viele Leute sind froh, wenn wir kommen. Die können teilweise ihre Obstbaumwiese nicht mehr pflegen, den Grasschnitt erledigen dann die Tiere.“

Wenn sich Schreiber auf Wanderschaft begibt, dann ist auch seine Frau Liane immer mit dabei. Er läuft vorneweg und die Schafe folgen ihm, Ehefrau Liane geht hinterher. Die Schreibers haben zwar einen Hund „der ist ein australischer Hütehund, aber das hat ihm wohl keiner gesagt“, sagt Liane Schreiber lachend. Das Ehepaar kann trotz Schafen im Sommer auch mal in den Urlaub fahren. Ein Bekannter hilft dann gerne aus. Er muss auf der Weide dann für Wasser sorgen und für den Leckstein, den die Tiere für ihren Mineralstoffbedarf benötigen. Schreibers Schafe haben folglich auch eine Marke im Ohr, sie sind alle angemeldet.

Für das Halten von Schafen gibt es nämlich Auflagen des Veterinäramtes. „Ein Schaf zu halten bedeutet schließlich nicht das gleiche wie ein Meerschweinchen im Käfig zu haben“, sagt Veterinäramtsleiter Dr. Andreas Schweigmann auf telefonische Anfrage. Bestimmte Anforderungen müssen erfüllt werden. So brauchen die Tiere im Winter einen schützenden Unterstand, ihre Klauen müssen regelmäßig gesäubert werden und vor allem im Winter brauchen sie natürlich regelmäßig Futter. Oft muss auch beim Gebären geholfen werden, schließlich klappt nicht jede Geburt wie von selbst.

„Bei mir gab es auch schon Kontrollen vom Veterinäramt“, sagt Schreiber, der bei seinen Tieren zum Glück selten den Tierarzt benötigt. Ein bis zwei Stunden ist er im Winter täglich bei seinen Schafen. Das wirkt besser wie jede Therapie.

Die Lämmer wird er im Laufe des Frühlings und Sommers an Freunde und Bekannte abgeben, was die dann mit den Tieren machen, will er gar nicht wissen. „Ich kann schließlich nicht alle behalten“, sagt er lakonisch. Dafür dürfen die Schafe, die er behält, bei ihm alt werden bis sie irgendwann an Altersschwäche sterben. Momentan hat er allerdings eine recht junge, fitte Herde. Das zeigt sich auch daran, dass er von vier Schafen in diesem Winter sieben Lämmer erhalten hat. So kann er sich wahrscheinlich noch lange an seinen Schafen freuen. „Ich will so lange Schafe halten, wie ich es gesundheitlich kann.“

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