Heim ins alte Wasserbett

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Schnurgerade fließt die Gersprenz von Reinheim nach Klein- (rechts im Bild) und Groß-Zimmern (oben links). Vor und hinter der Breitwiesenbrücke (unten im Bild) soll das Flüsschen nun naturnah ausgebaut werden.

Groß-Zimmern (guf) ‐ Die Spaten stehen bereit, Mitarbeiter des Bauhofs haben neben der Breitwiesenbrücke an der Gersprenz zwischen Groß- und Klein-Zimmern reichlich lockere Erde angehäuft.

Schließlich sollen sich die Offiziellen beim Spatenstich nicht überheben. Symbolisch buddeln dürfen am Montag Bürgermeister Achim Grimm und sein Otzberger Amtskollege Karl Ohlemüller, die stellvertretende Vorsitzende des Wasserverbands Gersprenz, Margrit Herbst, Joachim Grebe, Abteilungsdirektor Umwelt des Regierungspräsidiums Darmstadt, und Ministerialdirigent Wenzel Mayer. Auch zahlreiche Naturschützer sind zu dem Termin nach Klein-Zimmern gekommen, denn der naturnahe Ausbau und die Renaturierung der Gersprenz ist ihnen allen wichtig.

Nach einer kurzen Begrüßung durch Bürgermeister Grimm erklärt Herbst: „Bis in die 60er Jahre stand der Gewässerausbau mit Regelprofilen und schnellem Wasserablauf im Vordergrund. Heute gilt es, das natürliche Erscheinungsbild und die ökologische Funktion zu erhalten und durch naturnahen Ausbau wieder herzustellen.“

Fießgewässen und -auen sollen geschützt werden

Ziel solcher Maßnahmen ist es, Fließgewässer und -auen so zu schützen und wieder herzustellen, dass sich die typische Arten- und Biotopvielfalt wieder herstellen kann.

Dem Wasserverband (WV) Gersprenz gehören zwei Landkreise und 21 Städte und Gemeinden an. Im 500 Quadratkilometer großen Einzugsgebiet werden rund 180 Kilometer Gewässer betreut, Hochwasserschutzeinrichtungen wie die in den Gersprenzauen wurden geschaffen. Aktuell hat der WV Arbeiten für die Umsetzung der in Groß-Zimmern und Otzberg anstehenden Renaturierungsarbeiten in Höhe von 740 000 Euro in Auftrag gegeben. Vom Land kam nun eine Zuwendung von 592 000 Euro (80 Prozent) hinzu.

„Wir werden rund 30 000 Kubikmeter Erde bewegen“

Was alles für die Baumaßnahme innerhalb des Landschaftsschutzgebietes „Auenverbund Untere Gersprenz“ geplant ist, erläutert Ingenieur Andreas Bruns.

Angestrebt sei der Erhalt der typischen Elemente einer Auenlandschaft an der Gersprenz und deren Nebengewässer. Deshalb müsse entsprechend sorgfältig mit dem vorhandenen Bewuchs und den in Anspruch genommenen Flächen umgegangen werden. „Wir werden rund 30 000 Kubikmeter Erde bewegen, einen halben Hektar Wiesengelände um 20 Zentimeter auffüllen.“ Das Aushubmaterial einschließlich Oberboden wird nur zum Teil in der Aue sowie im Altgerinne verbracht. Der größte Teil ist zu entsorgen. Die Bodenverhältnisse gelten als wasserhaltend, weshalb nach starkem Regen der Untergrund über mehrere Tage hinweg nicht außerhalb der Baustraßen befahren werden könnte. Holzungs- und Rodungsarbeiten können erst ab Oktober durchgeführt werden, so dass mit den Tiefbauarbeiten außerhalb der Gehölzsäume begonnen werden muss. Anschließend können die Gehölze entnommen und als Totholz aufgearbeitet werden. Im Baugebiet befindet sich eine Versorgungsleitung, in deren Schutzzone keine erdbautechnischen Maßnahmen ohne Zustimmung der „Wingas GmbH“ durchgeführt werden dürfen.

Bis zum 15. Dezember soll alles fertig sein

In Bereichen der Böschungsmodellierung des derzeitigen Gersprenzlaufes ist mit einer Fußsicherung aus Wasserbausteinen zu rechnen. Diese Steine sollen entsorgt werden oder sind in die vorhandene Gewässersohle einzudrücken. Rund 45 Bäume sollen aus dem Bestand entnommen und einschließlich Wurzelstock zu Raubäumen oder Störelementen aufgearbeitet werden. Diese Äste mit einer Mindeststärke von 15 Zentimetern und einer Mindestlänge von drei Metern dienen dann zur Sicherung der Totholzelemente. Die Befestigung im einst begradigten Fließwasser erfolgt zum Einen durch Pflocken (schräg eingerammte Holzpfähle, aus dem Astwerk gewonnen) und zum Anderen durch teilweises Eingraben. Am unteren Ende der Maßnahme wird ein naturnaher Totholzfänger eingebaut, der das Treibholz ähnlich der Funktionsweise eines Schwimmbalkens in Richtung linkes Ufer fördert. Von dort kann es dann turnusgemäß entnommen werden. Um in diesem Bereich das Treibgut entfernen zu können, ist eine Zufahrt in Schotterbauweise anzulegen. Im Bereich der Böschung erfolgt die Befestigung mittels einer Schotterpacklage.

Es ist vorgesehen, die Maßnahme einschließlich aller Nebenarbeiten bis zum 15. Dezember fertig zu stellen. Begonnen wird wegen der naturschutzrechtlichen Bestimmungen mit der Herstellung der Baustellenwege.

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