„Heimat und Fremde“ in Bildern

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Vier Nationen, acht Frauen und Kinder, viele Sichtweisen: Migrantinnen setzten das Thema „Heimat und Fremde“ kreativ um.

Groß-Zimmern (ula) ‐ „Ich habe gar keine Wurzeln. In Deutschland bin ich die Türkin, in der Türkei die Deutsche“, für die junge Frau bedeutete die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema „Heimat und Fremde“ eine neue Wahrnehmung ihrer Identität.

Vorher war ich mir dessen gar nicht bewusst“, erzählte sie am Montag vor dem Publikum im MehrGenerationenHaus (MGH) , das zur Vernissage dieser ungewöhnlichen Bilderschau gekommen war. Vier Migrantinnen aus vier Nationen hatten sich mit ihren Töchtern der kreativen Herausforderung gestellt, das Thema „Heimat und Fremde“ auf der Leinwand umzusetzen.

„Keine der Frauen hat zuvor gemalt“, so die künstlerische Leiterin des Projektes, Monika Behlke, die ebenfalls komplettes Neuland betrat. Die Idee, über die Malerei Integration und Identifikation von Frauen aus anderen Kulturen zu thematisieren, stammt aus dem MehrGenerationenHaus. „Wir wollten neue Impulse setzen“, so Angelika Seidler, die auf weitere Entwicklungen zur Thematik hofft. „Wir würden in Folgeprojekten gerne darauf aufbauen.“

Familie hat zentrale Bedeutung

Die Ausstellung im MehrGenerationenHaus ist noch bis zum 21. November zu sehen. Besuchszeiten sind Montags bis freitags jeweils 15 bis 18 Uhr. Ihren Besuch haben bereits einige Schulklassen angemeldet.

Anlässlich der interkulturellen Woche des Landkreises Darmstadt-Dieburg wurden Pinsel, Farbe und Leinwände zur Hand genommen. An vier Nachmittagen bannten die acht Teilnehmerinnen mit pakistanischen, türkischen, italienischen und kurdischen Wurzeln ihre Impressionen auf mächtige, knapp einen Quadratmeter große Leinwände.

Ich war noch nie in der Türkei“, erklärte Seyhan Demir, die kurdische Wurzeln hat, doch bereits als Baby nach Deutschland kam. Die Vorstellung des Mutterlandes wird in ihrem Bild von tristen Steinen, und monotonem Grau dominiert. Mutter Mevlüde Demir fertigte ein abstraktes Werk in Acrylfarben. Herzstück des Gemäldes sind rudimentäre menschliche Darstellungen, Vater, Mutter und die neun Kinder, blütengleiche Erscheinungen auf goldenem Untergrund. Die Familie hat auch für Naema Ahmad (39) aus Pakistan zentrale Bedeutung – ihr Bild zeigt einen fruchtbaren Lebens-Baum.

Kreative Brücke zwischen den Kulturen

Ich bin zwar gut integriert, aber nicht echt verwurzelt“, brachte die temperamentvolle Italienerin Anna Wolf ihre Sicht der Dinge auf den Punkt. In ihrer Arbeit schwang durchaus Kritik: Deutschland sei im Gegensatz zu Italien kinderfeindlich und „die Ausländerfeindlichkeit hat zugenommen“, so die Bilanz. Die Arbeit in der Gruppe fand auch Behlke „total spannend. Man konnte miterleben, wie über die Malerei Emotionen frei werden.“ Auch wurde ganz kreativ eine Brücke zwischen den Kulturen gebaut.

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