Erlebenswertes vor der Haustür

Herbstliche Wanderung am Waldrand entlang

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Die Wanderung auf geschlungenen Wegen von Waldrand zu Waldrand bietet wunderschöne Herbstimpressionen.

Groß-Zimmern - Bei Traumpfaden denkt man spontan an südliche Gestade, an exotische Vegetation oder an abenteuerliche Wege durch Vulkankrater wie man es durch das beliebt gewordene Inselwandern kennt. Von Hans-Jürgen Badior

Aber es braucht nicht viel und schon gar keine lange Flugreise, um wirklich traumhafte Landschaften in unmittelbarer Nähe zu erleben. Der Lokalanzeiger stellt hier in Zusammenarbeit mit dem Odenwaldklub in lockerer Folge einige erlebenswerte Wanderungen vor unserer Haustür vor. Wer kennt nicht die Faszination, den Blick weit über eine offene Landschaft schweifen zu lassen? Schon wenige Höhenmeter Anstieg genügen oft, um die Alltagssorgen von einer höheren Warte aus zu sehen.

Die hier beschriebene Wanderung macht sich die Tatsache zu Nutze, dass im vorderen Odenwald meist nur die Bergrücken von dichtem Wald bestanden sind wo hingegen die Täler für die landwirtschaftliche Nutzung gerodet wurden. So führt sie fast entlang des gesamten Weges parallel zum südlichen Waldrand, wo sich die herbstlichen Strahlen der tief stehenden Sonne optimal genießen lassen. Wenn der Dunst in den Tälern liegt, lichte Nebelfelder über die Hügel wehen und rot und goldbraun der Wald leuchtet, ist die beste Zeit, um den Weg von der Kuralpe nach Niedernhausen anzugehen. Zwischen Felsberg und Vogelherd windet sich der Passübergang über die Kuralpe, dem Startort der Wanderung.

Unterhalb des Kreuzhofes kann man das Auto parken. Direkt gegenüber des Gasthauses steigt man sanft über die Hutzelstraße hinauf, die ihren Namen von den Hutzeln, den getrockneten Waldfrüchten, haben soll, die über sie nach Darmstadt transportiert wurden. Ebenfalls über die Hutzelstraße verläuft der Europäische Fernwanderweg vom Bodensee zur Nordsee. Am Waldrand hält man sich halbrechts hinab zur L 3098 und überquert sie am „Col de Oberbeerbach“, wie lustige Radfahrer die 383 Meter hohe Passhöhe getauft haben. Nach etwa 150 Metern, am hölzernen Wegweiser, biegt man rechts ab, dem Schild Allertshofen folgend, und überquert nach weiteren 500 Metern die Wegkreuzung hinter einem Gehöft. Sofort öffnet sich der Blick über Allertshofen im Tal und den gegenüber liegenden mächtigen Felsberg. Hinter dem Hochsitz biegt man links ab und hält sich immer am Waldrand. Schon bald erreicht man die Schutzhütte des OWK Beedenkirchen, die Turmblick genannt wird.

Von hier aus kann man tatsächlich neun Türme sehen, wovon nur sieben auf der hölzernen Infotafel verzeichnet sind. Die Beschriftung beginnt im Westen mit dem Olyturm auf dem Felsberg. Allerdings sind dort die Bäume mittlerweile so hoch gewachsen, dass man seine Zinnen kaum noch erkennt. Dafür ist aber der neue Fernmeldeturm, der direkt daneben steht, sehr gut zu sehen. Weiter im Süden erscheint der schlanke Gittermast des Krehberges, von dem unter anderem Hit Radio FFH abgestrahlt wird.

Auf dem Gipfel der Neunkirchner Höhe - mit 605 Metern die höchste Erhebung im hessischen Odenwald - kann man die Spitze des Kaiserturms ausmachen, der gleichzeitig das höchste Odenwälder Wirtshaus beherbergt. Weiter schweift der Blick zum Radarturm der Deutschen Flugsicherung, die von hier aus nahezu den gesamten süddeutschen Luftraum überwacht. Schräg unterhalb davon steht der Neunkirchner Kirchturm. Anders als der Name vermuten lässt, handelt es sich dabei um ein einzelnes Gebäude, das in Notzeiten aber der religiöse Mittelpunkt von neun Gemeinden war.

Weiter im Osten sieht man das Lichtenberger Bollwerk und den Mobilfunkmast und schließlich am Horizont die „weiße Rübe“ der Veste Otzberg. Im weiteren Verlauf des Weges erscheinen auch die beiden Türme des Melibokus, wenn man nicht versäumt sich ab und zu umzudrehen.

Gleich hinter der Turmblick-Hütte taucht der Weg kurzzeitig in den Wald ein um nach rund 800 Metern wieder zum Waldrand vorzustoßen. Hier biegt man kurz rechts und sofort darauf wieder links ab, um auf dem asphaltierten Weg durch die Felder nach Hoxhohl abzusteigen. Hoxhohl, an der engsten Stelle des Modautals gelegen, glänzt durch seine Fachwerkhäuser. An der Kreuzung mit der Landstraße L3099 geht man zunächst einige Meter nach links, überquert die Landstraße und begibt sich in die „Alte Darmstädter Straße“, die mit einer Haarnadelkurve auf die Höhe führt. Nach etwa einem Kilometer trifft man auf den Asphaltweg zwischen Brandau und Herschenrode, auf dem man sich links hält, dem Wegweiser „Ernsthofen/Ober-Ramstadt“ folgend. Nach nur rund 160 m verlässt man diesen Weg wieder nach rechts, weiter hinauf auf die Höhe und zum linken Waldrand hin. Dort quert man die Wiese und wendet sich zum gegenüber liegenden Waldrand. Man bleibt zunächst auf der Höhe und sollte nicht versäumen, den Blick auf Neunkirchen und das darunter liegende Tal des Johannisbaches zu genießen. Man quert den Wirtschaftweg zwischen Herschenrode und Klein-Bieberau bis zum nächsten Waldrand und folgt diesem konsequent über alle Ecken und Kanten, wobei man stets die Veste Otzberg vor sich hat.

Auch kann man von hier aus Groß-Umstadt an seinem Krankenhaus erkennen. Oberhalb der Kreisstraße K135 trifft man auf einen Hochsitz den man umrunden muss, auch wenn das daran angebrachte Wegzeichen etwas anderes suggeriert, weil man sonst wieder in den Wald hinein geleitet würde. Statt dessen steigt man vollends zur K135 ab, überquert sie und geht auf der anderen Seite der Straße „In der Grünn“ zunächst geradeaus. Nach ca. 300 m muss man links in Richtung „Hottenbacher Hof“ abbiegen. Dessen Vesperstube bietet sich an Wochenenden für eine Zwischenrast an. Von dort folgt man den Wegweisern „Niedernhausen“ bis zur Dieter-Held-Hütte, biegt nach Billings ab und folgt dem Radweg durch das schöne Wiesental nach Niedernhausen, stets das Lichtenberger Schloss vor Augen.

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