Bürgermeister ist zugleich Schiedsmann der Gemeinde

„Herr Grimm, wir reden wieder miteinander“

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Schiedsmann Achim Grimm in seinem Arbeitszimmer, in dem er auch die Schlichtungsverfahren als Schiedsmann durchführt.

Groß-Zimmern - „Ziel ist, dass zerstrittene Nachbarn wieder miteinander reden“, erklärt Bürgermeister Achim Grimm. Der Verwaltungschef ist nämlich nicht nur Bürgermeister, sondern auch Schiedsmann der Gersprenzgemeinde und muss deshalb so manchen Streit schlichten. Von Ulrike Bernauer

Das gelingt zirka in einem Drittel der Fälle, zu zwei Dritteln bleiben die Parteien bei ihrer Auffassung und der Streit wird in der Regel vor Gericht ausgefochten. Grimm vermittelt meist bei Nachbarschaftsstreitigkeiten, wenn beispielsweise die Höhe der Bäume ein Streitpunkt wird oder die Äste zu weit auf das Nachbargrundstück ragen. Aber auch in Fällen von übler Nachrede, Verleumdung oder in Ausnahmen bei Sachbeschädigung versucht Grimm zu schlichten.

Das Schiedsamt

Mehr Informationen über das Schiedsamt und die Streitschlichtung gibt es auf der Homepage des Bundes Deutscher Schiedsmänner und Schiedsfrauen.

Das Schlichtungsverfahren ist ein billiges Mittel, um bürgerliche Rechtsstreitigkeiten beizulegen, so Joachim Blaschke, der Direktor des Amtsgerichts Dieburgs. Leider werde davon immer noch zu wenig Gebrauch gemacht. Im Jahr 2008 sind 14 förmliche Schlichtungsverfahren vor die Schiedsämter des Bezirks des Amtsgerichts Dieburg gebracht worden, weitere 33 Fälle konnten die Schiedspersonen sogar ohne ein förmliches Verfahren schlichten.

In Groß-Zimmern schlichtete Schiedsmann Grimm im Jahr 2007 in acht Fällen, 2008 waren es zwei Fälle und in 2009 vermittelte Grimm bereits in vier Fällen. „Oft wollen die beiden Parteien gleich vor Gericht ziehen“,erzählt Grimm, „in bestimmten Fällen verweist das Gericht dann an den Schiedsmann der Gemeinde und nimmt das Verfahren erst auf, wenn das Schlichtungsverfahren gescheitert ist.“

Die Mindestgebühr für ein Schiedsverfahren beträgt 30 Euro, es kann allerdings auch ein wenig teuerer werden, wenn Grimm sich erst mal durch einen Berg von Aktenordnern lesen muss. Beim Termin haben beide Parteien ausgiebig Gelegenheit, ihren Standpunkt darzulegen. Gibt es eine Einigung, dann wird ein Protokoll angefertigt, das beide Parteien unterschreiben. An die protokollgerechte Umsetzung der vereinbarten Maßnahmen müssen sich dann beide Seiten halten.

Dabei können beide Seiten bei einer Einigung nur gewinnen, gerade wenn sie Nachbarn sind. Grimm erinnert sich an Fälle, die er geschlichtet hat, die betrafen nicht nur die unmittelbaren Nachbarn, sondern wirkten sich auch auf die Kinder und sogar die Enkel, die nicht mehr miteinander spielen durften, aus. Grimm freute sich sehr, als er einige Wochen nach einer Schlichtung hörte: „Herr Grimm, wir reden wieder miteinander“.

Dagegen ist Schiedsmann Grimm der Meinung, dass in der Regel beide Parteien verlieren, wenn sie sich auf das Schlichtungsverfahren nicht einlassen und er die Erfolglosigkeit des Verfahrens mitteilen muss. Dann geht es meist vor Gericht und ein Urteil fördert nicht gerade das Verhältnis der streitenden Parteien.

„Was ist das für eine Lebensqualität, wenn Nachbarn so zerstritten sind, dass sie - oft schon seit Jahren - nicht mehr miteinander reden?“,fragt Grimm und erzählt, „wenn die bei mir sitzen, dann gebe ich ihnen erst einmal Gelegenheit, die Luft rauszulassen. Da kommen Sachen zur Sprache, die sind oft viele Jahre alt und noch nie ausgesprochen worden. Da geht es auch mal richtig deftig und heftig zu und es wird manchmal richtig laut. Wenn der Dampf abgelassen ist, dann kann man sachlich miteinander reden“.

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