„Pferdchen des Prinzen“

Groß-Zimmerner Michael von Anhalt verkauft sechs seiner Sportwagen

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Die Sportflitzer des Prinzen haben ausgedient: Sechs Autos im Millionenwert wurden nun von Groß-Zimmern nach Kitzbühel verfrachtet.

Mehr als 15 Meter lang ist der silberne, komplett verschlossene Tieflader mit zwei Ebenen. Und trotzdem wird es laut Speditions-Fahrer eng: „Der Lamborghini und die Ferraris sind breiter als normale Autos.

Groß-Zimmern – Und der Pontiac verfügt über eine Länge, dass auch hier nicht mehr viel Platz bleibt“, sagt er. Am Donnerstagnachmittag liegt vor dem Fitness-Center Killer Sports Spannung in der Luft: Die „Pferdchen des Prinzen“ werden verladen. Für sechs edle und damit besonders hochpreisige Sportwagen von Prinz Michael von Anhalt, die mehrere Hundert PS vereinen, heißt das Ziel Österreich.

„In den letzten Jahre standen sie nur in der Garage. Die Entscheidung ist sinnvoll, sie abzugeben“, erläutert Eileen Kosasih, persönliche Assistentin des Prinzen. Seit seinem Schlaganfall 2014 ist der erfolgreiche Fitnessstudiobesitzer, der 19 Einrichtungen sein Eigen nennt oder über Beteiligungen daran verfügt, stark eingeschränkt. Das Hineinkommen in die tiefen Schlitten ist kaum noch möglich. Die Spaß-Karossen kommen deshalb jetzt weg. Das sind ein Porsche Speedster, zwei Ferrari der Modelle Testarossa und F599, ein Lamborghini Murcielago, der BMW Z8 und zu guter Letzt noch ein Pontiac. In einem Auto-Salon in Kitzbühel werden sie für Interessenten ausgestellt. Stimmen die nach Groß-Zimmern übermittelten Angebote, steht einem Verkauf nichts im Wege. Der Gesamtwert der Fahrzeuge liegt im siebenstelligen Bereich. „Der Speedster ist noch luftgekühlt. Im Porsche Classic Center kommen die preisgünstigsten Varianten von 350 000 bis 400 000 Euro“, sagt der Lkw-Fahrer.

Das Verladen wird von zwei Fernsehteams begleitet. Auch Zeitungen, darunter jene mit den vier großen Buchstaben, haben ihre Reporter geschickt. Kurz vor dem Verschwinden der Flotte im Bauch des Lkw kommt der früher als Michael Killer bekannte Prinz aus seiner Penthouse-Wohnung, um sich von seinen Schmuckstücken zu verabschieden. „Was für schöne Autos“, sagt er mit sentimentaler Stimme und streicht, während die TV-Kameras laufen, die Regentropfen vom glänzenden Lack. Der graue Himmel und das Nass passen zum Geschehen. Trotzdem bringt die Frage, wie sich der Noch-Besitzer in diesem Moment fühlt, eine überraschende Antwort. „Völlig emotionslos“, entgegnet der Mann, der sich vor ein paar Jahren unter großem Medienecho von Prinz Frederic von Anhalt und dessen Frau Zsa Zsa Gabor adoptieren ließ.

Prinz Michael von Anhalt: Fünf Jahre nach dem Schlaganfall geht es ihm besser als angenommen. Fotos:

Die nüchterne Haltung kann der Geschäftsmann erklären. So seien Autos keine Briefmarken, die besser werden, wenn man sie ewig aufhebt. Zudem lasse sich das Geld sinnvoller einsetzen. Unter anderem schwebt ihm vor, mit den Erlösen Solaranlagen auf die Dächer seiner Immobilien zu setzen und damit saubere Energie zu erzeugen. Der Auftritt vor den TV-Kameras offenbart, dass es Prinz Michael, der sein Alter geheim hält, den Umständen entsprechend gut geht und er sich zurück ins Leben gekämpft hat. Geistig ist er voll da, kleine Schritte sind ohne fremde Hilfe möglich. Das will was heißen: „Ich hatte keine Schläge, sondern ein richtiges Erdbeben“, beschreibt er rückblickend. In einer langwierigen Reha gelang es ihm, eine Gehirnhälfte so zu stärken, dass sie die Funktion der anderen, die beim Schlaganfall geschädigt wurde, weitestgehend übernehmen kann. „Dass ich überhaupt laufen kann, grenzt an ein Wunder. Die Ärzte haben mir etwas anderes vorhergesagt“, sagt Killer. Kürzlich war für den Selfmade-Millionär sogar der vorsichtige Walk über einen roten Teppich drin. „Ich habe kein normales, aber doch ein relativ selbstbestimmtes Leben“, bilanziert er.

Zwar sei er mit Blick auf jene Körperlähmungen, die irreparabel sind, auf Hilfe angewiesen. Die ganze Zeit im Rollstuhl sitzen müsse er aber nicht. Sogar Autofahren wäre theoretisch möglich. Aus moralischen Gründen mache ich es aber nicht. Stattdessen konzentriert sich der Prinz lieber auf seine Arbeit, darunter im Immobiliensektor. Hier demonstriert er regelmäßig, dass sein Wille zum Erfolg ungebrochen ist. Sogar eine Professur an der FH und Sportakademie in Belgrad erlangte er im Fach „Wirtschaft und Fitness“. Dabei unterstützt ihn sein Freund Ernes Erko Kalac als Übersetzer.

Das Wappen der Anhalts ist auf allen Fahrzeugen Prinz Michaels zu sehen.

Vor dem Schlaganfall war Michael Killer als leidenschaftlicher Jetsetter bekannt. Mit dem Abtransport der Nobelkarossen wird nun ein deutlicher Schlussstrich unter die Dolce-Vita-Zeit gezogen. Ganz aufgelöst ist der Fuhrpark damit aber nicht: In ihm befinden sich unter anderem noch ein ziemlich stattlicher Rolls Royce und ein Mercedes-Maybach. „Das sind meine Krankentransporter“, sagt der Zimmerner.

In seinem neuen Lebensrahmen hat er sich besser zurechtgefunden als viele dachten. „Das Leben ist für mich nach dem Schlaganfall nicht vorbei“, erklärt er. Immer noch könne er auf Partys und Events gehen. Dazu blieben Erinnerungen an die schönen Jahre, die er ausgiebig genossen hat. Seine einst gestresste Existenz hat sich nun in ruhige Tagesablauf verwandelt. Das Handicap zwingt ihn, sich zurückzunehmen.

Wer Prinz Michael trifft, begegnet einem Menschen, der trotz der gesundheitlichen Einschränkungen ausgeglichen erscheint, vom Leben lernt und gelernt hat und das Beste aus seiner Situation mit neuen Zielen macht. So weinte beim Abschied von Ferrari, Lamborghini und Co. nur der Himmel. „Die Sportwagen hatten ihre Zeit in meinem Leben. Jetzt ist eine andere Epoche angebrochen“, ist sich der Prinz sicher und ergänzt: „Das neue Leben ist auch schön, auch wenn ich das vorher nicht geglaubt habe.“

VON MICHAEL JUST

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