Hilfe nicht nur für„Oigeplackte“

+
Standartwerk zum Studium der lokalen „Fremdsprache“: Manfred Göbel präsentierte am Freitag den ersten „Zimmerner Sprachführer“.

Groß-Zimmern - Vorbei ist die Zeit, da Zugezogene und Ortsfremde mit unverständlicher Miene dem Jargon der Einheimischen lauschen müssen. Von Ursula Friedrich

Endlich ist ein Standardwerk auf dem Markt, das die Fremdsprache „Zimm"nerisch“ als Wörterbuch aus dem Nebel idiomatischen Nirwanas ins Hochdeutsche übersetzt. Und: Nach genauem Studium selbst „Oigeplackten“ die Chance einräumt, in der Heimatsprache Zimmerns mitzuhalten.

Dr. Manfred Göbel, passionierter Lokalhistoriker, Vorsitzender des Glöckelchenvereins sowie des katholischen Orgelfördervereins, brachte das längst überfällige Werk heraus. Der Preis von acht Euro fließt komplett auf das Sparkonto für „die Oijel“ in der katholischen Kirche St. Bartholomäus. „Gude ihr Leit´, schee, dass ihr do seid“, begrüßte de Guggugg alias Liedermacher Jürgen Poth anlässlich der Buchpräsentation am Freitag das Publikum im voll besetzten Pfarrzentrum. Im Wechsel wurden die Gäste mit Passagen aus dem neuen Sprachführer und via mundartlichen Gesangs in die Feinheiten des Heimatdialekts eingewiesen.

Göbel, hauptberuflich Leiter der Edith-Stein-Schule in Darmstadt, entführte zu einem Streifzug durch vermeintlich grammatikalische Wirrungen - die sich den Regeln des hochdeutschen entziehen – erläuterte feststehenden Begriffe, unbestimmte Artikel, Präpositionen und half mit erheiternden Merksätzen aus. Die Scheu manches Teilnehmers, sich an kniffligen Basislauten wie dem „Ou“ zu versuchen, legte sich in der zwanglosen Atmosphäre. Und während einzelne Begriffe auf eine Leinwand projiziert wurden, lernten Greenhörner bereits verstohlen Vokabeln, wie „des Ouer“ (das Ohr) oder „die Quellde“ (Pellkartoffel).

500 Begriffe starker Sprachführer

Dass ein solcher Sprachführer - 100 Seiten dick, 500 Begriffe stark und mit Karikaturen von Klaus Geiß versehen - überhaupt erschien, sei seinem jüngsten Sohn zu verdanken, so der Autor.

Andreas Göbel, zwölf Jahre jung und Dank der „Mischehe“ der Eltern (Mutter Christa Göbel stammt aus Hergershausen) bislang überwiegend hochdeutsch erzogen, hatte die Idee für das Übersetzungswerk.

Der erste „Zimmerner Sprachführer“ ist in einer Auflage von 500 Exemplaren erschienen und in den beiden örtlichen Buchhandlungen, dem katholischen Pfarrbüro sowie bei Friseur Schlepper und in der Metzgerei Bach zu erhalten.

Manfred Göbel, Jahrgang 1953/54, hatte als dialektsprechender Pennäler den Lehrer anno 1960 gefordert: „Dessen vordringlichste Aufgabe war es, uns erst einmal Hochdeutsch beizubringen.“ Die Substanz des Buches schöpft aus der Biographie des Verfassers sowie dessen Leidenschaft für mundartliche Beiträge und Reden, etwa zur Zimmerner Fastnacht. Auch, wenn die Schreibweise mancher Begriffe angesichts des „filigranen Dialekts“ keinen Absolutheitsanspruch erhebe und regelmäßig beim Verfassen der Kerbredd´ unter den Fachleuten neue Kontroversen aufträten, sei nun doch ein solider Grundstein für die abenteuerliche „Sprachreise ins Zimmernerisch“ gelegt. Vielleicht wird das Werk gar in den Schulunterricht einfließen, wenn es darum geht, ein Stück Sprachkultur zu bewahren. Oder aber, um so den neuen Jahrgang im Glöckelchen für die Kerb 2012 sprachlich „fit“ zu machen?

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare