Weiberfastnacht in Groß-Zimmern

„Hinkel“-Yoga und Pantomime

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Eine Polonaise zur Weiberfastnacht macht immer Laune.

Groß-Zimmern - Elke Thill kann wortgewaltig sein, am Donnerstagabend bei der Zimmerner Weiberfastnacht erlebten die Närrinnen eine stumme und dennoch sehr beredte Thill. Zusammen mit Milli Stumpf kam sie auf die Bühne, beide schweigend.

Aber auch so erzählten sie eine Geschichte: als Dame von der Stadt (Thill) und Landfrau (Stumpf) gemeinsam in einem Zugabteil sitzend, waren sie sich von Anfang an nicht grün. Packte die Dame ihre Puderdose aus, so bestreute sich ihre Kontrahentin mit Mehl, statt zum Lippenstift griff Stumpf zum Ketchup und als Kamm verwendete sie eine Klo-Bürste. Mit der entsprechenden Mimik war dieser Auftritt als enormer Angriff auf die Lachmuskeln zu werten. Derer gab es noch eine ganze Menge bei der Weiberfastnacht im katholischen Pfarrzentrum, das fest in Närrinnenhand war.

Auch die Kantorinnen hatten sich ins Zeug gelegt und brachten eine neue Sportart mit, das Hinkel-Yoga. Die Orgelpfeifen waren eine ganz einfache Übung. Alle Damen stellten sich in eine Reihe, die vorderste stand aufrecht, die folgenden gingen immer mehr in die Knie. Ob das Schule machen wird?

Einen Badezimmer-Rap belachten die Zuschauerinnen, bei dem vor allem die unterschiedlichen Bademäntel und die Gestik der Sängerinnen für Heiterkeit sorgten. Für mehr Gemütlichkeit warben die Kantorinnen ebenfalls, nachdem Pfarrer Christian Rauch nun auch Schäfchen in Bieberau und Reinheim zu betreuen hat. „Der Gottesdienst läuft wirklich ganz geschwind, erinnert in der Schnelligkeit an 100 Meter Sprint. Wenn es sein muss, wird halt auch einmal ein Psalm gestrichen. Wir Brüder und Schwestern wär"n gern noch geblieben. Doch er muss fort, rasch im Akkord, nur keine Zeit verlieren.“

Newcomerin Elsbeth Geier kam bestens an, als sie die Vorteile des Alterns pries. Keine Stöckelschuhe, kein Mini mehr „und die Zähne können kein Karies kriegen, weil sie im Wasserglas liegen.“ Katharina Fischer ließ sich als flotte Oma über ihren Gatten aus, der so enkelverrückt ist, dass er einen dreistündigen Film über deren Schlaf aufgenommen hat.

Elfriede Burger kam als Mann von der „Fraa vun de Besch“. Der kämpfte mit allen Mitteln gegen Haarausfall, um letztendlich festzustellen, dass man mit einem Glatzkopf auch ganz gut leben kann.

Gaby Geier hingegen suchte einen Ehemann. Per Anzeige in der Zeitung meldeten sich etliche Kandidaten. „Der zweit" hat en Brief, der reißt mich glatt mit, er wär ein Fass voll Dynamit. Treff mich, ich will mit dir exsplodiern, sou ebbes muss mer doch oufach mol ausprobiern.“ Das Fass voll Dynamit entpuppte sich dann mit einer viel zu kurzen Zündschnur ausgestattet. „Los die oannern doch heijern, ich brauch koan Monn“, stellte die Rednerin zum Schluss fest.

Bilder: Frauenfastnacht in Groß-Zimmern

Tanja und Sandra Ihring betätigten sich als Bänkelsängerinnen. „De Parre macht moanchmol Vergleiche, Metapher, sou wern die gennet! Die Oijel stäit fer die Kersch unn de Motor iss Gott unsern Herrn. De Parre soacht dass er die Luft wär, die trägt er zu uns hin. Sou iss die Schlussfolgerung, dass mer soi Pfeife sinn.“ Elisabeth Schaffer war als Mama die Allerbeste, auch wenn sie sich mit dem Tattoo-Wahn ihres Sohnes, der mit den Namen seiner Verflossenen vollgepflastert war, nicht anfreunden konnte. Brigitte Jung sprach mit Martin Luther über seine 95 Thesen, die heute via Instagram oder Facebook noch viel schneller verbreitet worden wären.

Natürlich gab es auch viel Tanz zu sehen. Den Anfang machten die kleine und die große Garde des Turnvereins, die viel Bein sehen ließen. Die „Elfchen“ durften im bunten Reigen nicht fehlen und erhöhten mit ihrem Auftritt die Männerquote an diesem Abend enorm. Abschied nehmen hieß es von den „Huppdohlen“, die zu ihrem letzten Auftritt – die Damen wollen sich tatsächlich aus dem Showgeschäft zurückziehen – den Närrinnen indisch kamen.

Das war aber nicht der einzige Abschied. Auch Rosemarie Busch-Maiwald und Roswitha Rudolph wollen Schluss machen. „Seit 25 Jahr, so lang hält"s oft keine Ehe mehr aus, werkelt die Roswitha vorn und hinter de Kulisse – ohne sie, wern mer richtig aufgeschmisse“, lobte Busch-Maiwald. „Seit 15 Jahr die Rosemarie aus de Bütt raus durch unsre Frauenfastnacht führt – ich sag"s euch jetzt ganz ungeniert: So langsam geht die Luft uns aus – auch wenn die Stimmung wieder tolle war in unserem frommen Haus“, ergänzte Rudolph. Ohne viel Dank kamen die beiden nicht davon: die Elfchen und Pfarrer Rauch hatten sich viel einfallen lassen. Noch ein weiterer Abschied wurde verkündet. Gerhard Kuhr will an Fastnacht ebenfalls nicht mehr in die Tasten greifen. (bea)

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