Karl Kautzschmann verkauft seine Loks / Zuletzt mit „Spur 1“-Modellen befasst

Hobbywerkstatt in letzten Zügen

Karl (rechts) und Udo Kautzschmann mit einer südafrikanischen Lok, die zu den wertvollsten ihrer Modelle gehört.   J Foto: Dörr

groß-zimmern - Ein Stück Zimmerner Kult wird Geschichte: Karl Kautzschmann schließt seine „Hobbywerkstatt“ in der Lebrechtstraße. Von Jens Dörr

Mit seinem Sohn Udo (47) ging der 76-Jährige dort viele Jahre lang seiner großen Leidenschaft nach: dem Bauen von Modelllokomotiven und den zugehörigen Waggons. Rund 40 Loks und 60 Waggons stehen derzeit zum Verkauf.

Der Grund für die Schließung des 22 Quadratmeter großen Paradieses für Modellbaufreunde liegt in einer Veränderung innerhalb Kautzschmanns Familie begründet, die Karl Kautzschmann künftig stark in Anspruch nehmen wird. Deshalb wird die Hobbywerkstatt nun aufgelöst.

Kautzschmann wusste stets tausendundeine Geschichte über Modelleisenbahnen zu erzählen, drückte sich dabei immer präzise und faktenreich aus. Bevor es an die Feinarbeit einer neuen Lok ging, leistete der Zimmerner die Vorarbeit rund um Motorblock und Gehäuse, verwandte überwiegend Aluminium und Kunststoff - anderes also als die Materialien in seinem früheren Beruf als Fliesenleger und Weißbinder. Kautzschmann wohnte früher in Ostdeutschland, ehe es ihn nach Langen, Gravenbruch, Reinheim und 1972 nach Zimmern verschlug.

Erste Bahn von 1962

Die erste eigene Modelleisenbahn hielt er 1962 in den Händen, damals eine TT Rokal. 1975 ging es richtig los mit einer größeren Garteneisenbahn. Laufend erweiterte er sein Reich mit Häusern, Tunnels und Brücken, zuletzt befassten sich sein Sohn und er in erster Linie mit G-Modellen (Spur 1) im Maßstab von eins zu 22,5. Zwei Monate Dauer für den Bau einer Lok waren gar nichts, die teuerste Zugmaschine in seiner Werkstatt habe wohl einen Wert von 5 000 Euro, schätzte Kautzschmann einmal im Gespräch mit dem LA - „wobei die wesentlich mehr kosten würde, wenn Sie die kaufen.“ Die Arbeitszeit dürfe man gar nicht einrechnen.

Alles in allem steckt ein riesiges Vermögen in dem Raum, in dem nun Ausverkauf herrscht, und in den besonders Karl Kautzschmann lange Zeit großen Ehrgeiz steckte: Oft fand man ihn auch nachts zwischen drei und sechs Uhr in seiner „Hobbywerkstatt“.

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