Noch können die Kartoffeln wachsen / Kälte und Regen führen zu Ernteeinbußen

Hoffen auf den Sommer

Groß-Zimmern - Hitzewelle im April, Nachtfrost im Mai, nasskaltes Regenwetter im Juli - die Wetterkapriolen dieses Jahres sind gewaltig. Feinfühlige Menschen klagen über Kreislaufbeschwerden, Kinder über verregnete Sommerferien. Von Ursula Friedrich

Für die Landwirte haben die Turbulenzen ungewohnte, jedoch nicht durchweg negative Auswirkungen.

So freuten sich Spargelbauern über elf Prozent höheres Ernteaufkommen und frühe Erträge - erstmals seit langem konnte schon zum Osterfest deutscher Spargel genossen werden.

Das viel zu trockene Frühjahr brachte hingegen Landwirte zur Verzweiflung, die den ersten Heuschnitt in Angriff nehmen wollten. Wegen der anhaltenden Trockenheit war kaum Wachstum auf den Wiesen zu verbuchen.

Doch wer angesichts eines solchen Frühjahres einen heißen Sommer erwartete, wurde eines anderen belehrt. Der Juli ließ sich vom hochsommerlichen Frühjahr nicht inspirieren. Die Auswirkungen auf die Landwirtschaft sind vielfältig. „Für Mais ist die Witterung ideal“, sagt Landwirt Jörg Dressel. Trübe Aussichten herrschen jedoch beim Weizen.

Dressel, der den landwirtschaftlichen Betrieb seiner Vorfahren in 15. Generation fortführt, erläutert bei einem Besuch seiner Ländereien: „Der Weizen ist reif, kann wegen der Feuchtigkeit jedoch nicht geerntet werden.“ Ein Umstand, der den gefährlichen Pilzen Tür und Tor öffnet, ganze Felder dunkel färbt. Hält diese Lage an, kann das Getreide allenfalls als Viehfutter angeboten werden. Der Landwirt setzt zum Glück nicht auf Monokulturen. Lediglich 15 der 150 Hektar Ackerfläche hält er dem Weizen vor. Um den Mais steht es gut. Und: „Wir bekommen eine gute Rübenernte“, so die Prognose des Landwirts. Die Zuckerrüben bildeten wegen der zunächst herrschenden Trockenheit lange Pfahlwurzeln, um an feuchte Erdschichten zu gelangen. Nun wachsen die Rüben zu „dicken“ Exemplaren heran. Etwa die Hälfte des Ertrags der Dresselschen Felder wird an die Südzucker AG zur Zuckerherstellung geliefert.

1 200 bis 1 500 Tonnen Rüben gehen zur Energiegewinnung an die Biogasanlage in Georgenhausen, an der Dressel zu einem Drittel beteiligt ist.

Das Wechselspiel von Hitze, Trockenheit und Dauerregen hat sich auf den Kartoffeläckern wiederum ganz anders ausgewirkt. Die extreme Witterung könnte zu 20 bis 30 Prozent Ernteausfällen führen, so der Fachmann. „Aber noch ist alles Spekulation.“ Sechs Sorten Speisekartoffeln baut er an, von der festkochenden Belana bis zur mehligen Agria.

Rund 2000 Tonnen jährlich. Doch ob die Erträge in diesem Jahr so üppig sind?

„Viel Grün , wenig Knolle“

Wegen der frühen intensiven Sonne trieben Kartoffelpflanzen viele Blätter aus – sparten jedoch am „Ansatz“, den Kartoffeln. Die wenigen Knollen wurden dafür um so dicker. Das sei beim Verbraucher ebenso unbeliebt wie die Ernte vieler kleiner Knollen, sagt Dressel, der die „Erdäpfel“ sowohl im eigenen Hofladen als auch über Einkaufsmärkte und andere Landwirte vermarktet. Durch anhaltende Niederschläge erhöht sich nun der Krankheitsdruck auf die Pflanzen. Pilzkrankheiten und schädigende Insekten werden zum Problem. Nichts desto Trotz bleibt Dressel optimistisch: „Es ist ja noch nicht einmal August, der Sommer kann immer noch kommen.“

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