Hofreite wird nicht den Hirschkopf verlieren

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Der Denkmalschutz will, dass das „Haus Hirschkopf“ erhalten bleibt.

Groß-Zimmern - Ungetrübt blickt der Hirsch von der Fassade der alten Hofreite in der Wilhelm-Leuschner-Straße 15. Er hat zwar nur noch ein Geweih, aber insgesamt scheint ihn das Hin und Her um sein Domizil wenig zu kümmern. Und seit kurzem ist sogar amtlich, dass er auch weiterhin an dieser Stelle den Verkehr in Groß-Zimmern überblicken und die ihn bewundernden Grundschüler begrüßen darf. Von Gudrun Fritsch

Nach einem Besichtigungstermin im Mai mit Liane Mannhardt von der Unteren Denkmalschutzbehörde und Hans-Jürgen Hasengier vom Landesamt für Denkmalpflege wurden die Toreinfahrt, das Haus und die Scheune als besonders schützenswert eingestuft.

Bei dem Mitte des 18. Jahrhunderts erbauten Haus sei die Barock-Architektur im Dachstuhl oder bei der Raumeinteilung noch deutlich zu erkennen. Teils sind Türen oder Fenster noch im Original erhalten, lediglich im Erdgeschoss wurden in der Vergangenheit geringfügige Umbaumaßnahmen vorgenommen. Die Bauart der länglichen Hofreite mit Zentralhaus, Nebengebäuden und Scheune sei geradezu exemplarisch, erklärt Mannhardt. Das Anwesen sei nicht nur als Einzeldenkmal, sondern als Gesamtanlage von großer Bedeutung. Folglich wurde ein Ensembleschutz verhängt.

Fazit: das zuweilen auch als „Villa“ bezeichnete Haus wird den Hirschkopf nicht verlieren. Darüber freuen sich gewiss viele Grundschlüler. Die Pferdeklasse der angrenzenden Friedensschule hatte sich nach Bekanntwerden der Abrisspläne bei Bürgermeister Achim Grimm für den Erhalt des Hauses eingesetzt (der LA berichtete).

Der wird nun wahrscheinlich eher den Kopf hängen lassen. Schließlich hat die Gemeinde das Grundstück für 190 000 Euro im Zuge eines Ausgleichs bei der Ortskernernsanierung zweckgebunden erworben. 60 bis 70 Prozent der Gesamtmaßnahme wären demnach refinanzierbar aus Mitteln des Sanierungsprogrammes. Auf dem Areal sollten 70 Parkplätze entstehen, mit Zufahrt an der Ketteler Straße. Rund 300 000 Euro stehen im Haushalt bereit, um den Gebäudekomplex abzureißen und auf dem frei werdenden, rund 1 000 Quadratmeter großen Grundstück einen Parkplatz anzulegen. „Mir liegt kein offizieller Bericht der Denkmalschutzbehörde vor“,entgegnet Grimm auf Anfrage des LAs. Solange er nicht informiert ist, könne er auch keine Erklärung abgeben. Eine schriftliche Stellungnahme soll jedoch folgen. Fest stehe aber: „Wir werden uns gegen dieses Vorgehen wehren. Wenn wir das vorher gewusst hätten, hätten wir den Kauf doch gar nicht getätigt“, berichtet der Rathauschef empört.

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