Hühner sind gar nicht so dumm

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Bei Hitze bleiben Hühner lieber im kühleren Stall.  

Klein-Zimmern - So mancher, der auf der Strecke von Klein-Zimmern nach Dieburg unterwegs ist, hat sich schon an den Anblick der Hühner im Freigehege des Birkenhofs gewöhnt. Seit einigen Tagen jedoch ist das Gehege leer. Dem Federvieh ist es einfach zu heiß. Von Ulrike Bernauer

Es bleibt lieber in der Halle, statt draußen in der sengenden Sonne nach einem Gräschen oder Korn zu scharen. „Sie sollten mal sehen, was hier los ist, wenn auf dem Gelände abends Schatten liegt. Dann stürzen alle Hühner ins Freie“, sagt Thomas Schaffer, Biobauer und Betreiber des Birkenhofs.

Schaffer und sein Kompagnon Norman Jaensch sind zufrieden mit der Entwicklung der Hühner und der Bio-Eier, die sie legen. Rund 10.000 Eier sind es am Tag, 12.000 Hinkel haben die beiden vor einem guten halben Jahr in den Stall eingesetzt.

Jedes Huhn legt pro Tag ein Ei

Das bedeutet, es legt fast jedes Huhn pro Tag ein Ei. Den Verlust einiger Tiere mussten die Bauern schon verzeichnen, Greifvögel holen sich mitunter ein Federvieh. Zum Schutz vor der Gefahr aus der Luft sind kleine Unterstände auf dem Gelände aufgebaut, Schatten finden die Hühner hier außerdem. .

„Viele der Hühner sind Angsthasen“, sagt Schaffer und erläutert, dass sich direkt am Stall meist viele der Tiere aufhalten. Weiter weg, wo sich auch selbst bei dieser Hitze noch Gras finden ließe, seien nur wenige Hühner.

Im Herbst will der Biobauer für mehr Abwechslung im Außengehege sorgen. Dann wird er einheimische Sträucher anpflanzen und auch Holunder. „Der wächst schnell und die Hühner finden hier Schutz vor den Greifvögeln und der Sonne.“

Zwar könnte sich in einer Hecke auch der Fuchs verstecken, aber der Zaun wird regelmäßig kontrolliert, ob es dort nicht irgendwo Lücken gibt.

Kot der Hühner als Dünger

Die Eier gehen hauptsächlich an Wiederverkäufer oder Großkunden. „Aber auch der Verkauf im Hofladen läuft besser als gedacht“, so Schaffer. Seine Rechnung ging bis jetzt gut auf. Er hat die typische Kreislaufwirtschaft für einen Biobetrieb geschaffen.

Das Federvieh wird mit Getreide, Ackerbohnen und Mais aus eigenem Anbau gefüttert. Der Kot der Hühner landet als Dünger für die Feldfrüchte auf dem Acker.

Wobei die oben erwähnten Bohnen, der Mais und das Getreide in einer Mühle zusammengemischt und noch mit Zusatzstoffen versehen wird. „Da ist auch Oregano dabei. Das soll die Hühner beruhigen und man schmeckt es wohl auch im Aroma der Eier“, sagt Schaffer etwas skeptisch.

Weg führt in die Schlachterei

Einen Minijob hat der Biobauer geschaffen. Die Eier müssen morgens verpackt und verschickt werden. Das geschieht zwar voll maschinell, dennoch muss zur Kontrolle immer ein Mensch anwesend sein. Morgens lässt der Landwirt die Hinkel noch nicht raus, schließlich sollen sie ihr Ei im Nest ablegen und nicht im Freiland.

Voraussichtlich noch bis zum nächsten Frühjahr dürfen sich die Hühner ihres Lebens freuen, dann nimmt die Legeleistung langsam ab und ihr Weg führt unausweichlich in die Schlachterei.

Der Stall wird dann mit Hochdruckreinigern abgespritzt und so für die neue Generation an Legehennen gründlich gereinigt. Die werden dann wieder 18 Wochen alt sein und sich rund anderthalb Jahre eines relativ freien Lebens mit einem großen Außengehege erfreuen - sofern sie die Hitze nicht wie jetzt daran hindert, sich ins Freie zu begeben.

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