Nur Hülle, Dach und Keller bleiben

3,1 Millionen Euro für die Rathausrenovierung

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Dies ist kein modernes Kunstwerk, sondern ein Beispiel dafür, wie mangelhaft teilweise die Elektrik im Rathaus verlegt ist.

Groß-Zimmern - Gut 40 Jahre alt ist das einst rote und inzwischen eher graue Rathaus in Groß-Zimmern. Schön findet es wohl kaum ein Betrachter, aber bisher erfüllte es zumindest seinen Zweck. Von Gudrun Fritsch 

Inzwischen sind jedoch vor allem die Energiekosten für das 1979 errichtete Gebäude einfach zu hoch, der Aufzug ist nicht behindertengerecht und vieles sonst entspricht nicht mehr dem aktuellen Standard. Um zu wissen, was auf die Gemeinde zukommt, wenn man das Gebäude fachgerecht sanieren lassen will, hatte der Gemeindevorstand Ingenieure um Einschätzungen und Kostenermittlungen gebeten.

Für die Energetische Betrachtung wurde die Firma Energie und Haus beauftragt, für die Haustechnik die Firma PGT aus Schaafheim und für die Architektur das Büro Objektgestaltung Planungs GmbH aus Groß-Zimmern. Während das Dach und der Keller inklusive Heizungsanlage noch erhalten bleiben könnten, raten alle Planer zu einer Grunderneuerung.

Auch die Option eines Abrisses mit anschließendem Neubau wurde in Betracht gezogen. Hier eröffnete Ingenieur Mischael Dascher eine einfache Rechnung. Für einen Abriss müssten 454.960 Euro berechnet werden, der Neubau wäre mit 4.897.620 Euro zu schaffen. Im Vergleich zu diesen Gesamtkosten (5.352.580 Euro) wären die Kosten für die Sanierung, die insgesamt auf 3,1 Mio Euro geschätzt werden, um 2,25 Millionen Euro günstiger. Sanitär-, Elektro- und EDV-Installationen seien ingesamt abgängig, mehrfach geflickt und ergänzt, das Kabelgewirr des LAN-Netzes kaum noch verständlich.

Bei genauerer Betrachtung der Innenwände, die im Wesentlichen aus Metallwänden mit Dämmung bestehen, habe sich gezeigt, dass durch Umbauten und Veränderungen kaum noch brauchbare Flächen vorhanden sind. Außerdem entsprächen die Wände schalltechnisch nicht den Anforderungen einer modernen Verwaltung, begann Dascher seine Ausführungen. Da die Decken, sowieso entfernt werden müssten, um die Haustechnik neu zu installieren, schlagen die Planer vor, auch alle Zwischenwände zu ersetzen und neu aufzuteilen.

Im vorhandenen Aufzugsschacht, der nicht zu einem behindertengerechten Lift umgebaut werden kann, könnten Versorgungsleitungen für die Neuinstallation von Elektro- und Sanitärtechnik verlegt werden. Der neue Aufzug soll ein Innenmaß von 1,90 mal 2,77 Meter bekommen und in der Mitte des Rathauses angeordnet sein.

Die restliche Deckenfläche im ersten Stock könnte geschlossen werden. Diese Fläche, die nicht natürlich belichtet und belüftet werden kann, sollte als Technik- oder Lagerräume genutzt werden.

Das vorhandene Treppenhaus im Zentrum desRathauses würde für den Einbau des Aufzugs komplett abgebrochen – auf der Rückseite des Gebäudes gibt es bereits eine breite Treppe, die in alle Stockwerke führt.

Alle Fußböden sollen ausgetauscht, Fensterfassaden und Zugangstüren erneuert werden. Die Dachflächen, die vor zehn Jahren nach damaligem Standard saniert wurden, könnten noch erhalten bleiben. Um eine bessere Dichtung und angenehmere Atmosphäre zu erreichen, sollten die Außenwände von innen gedämmt werden.

Da die Lärmbelastung nicht im laufenden Betrieb zumutbar ist, müssten die Rathausmitarbeiter während der Bauzeit umziehen. Die Auslagerung der Verwaltung mit insgesamt 38 Mitarbeitern könnte mittels Containern stattfinden oder durch die Anmietung entsprechend großer Büroflächen. Hier hat Bürgermeister Achim Grimm in Gesprächen angedeutet, dass er mit den Eigentümern einer Immobilie in der Max-Planck-Straße verhandelt, in der früher das Unternehmen Union-Pack beheimatet war. Die voraussichtliche Bauzeit wird auf rund ein Jahr geschätzt. Was die Finanzierung der Sanierung angeht, wies Bürgermeister Grimm darauf hin, dass der Gemeinde 1,2 Millionen Euro aus dem Kommunalinvestitionsprogramm zustehen, die – nach Parlamentsbeschluss – sofern möglich komplett in die Rathaussanierung fließen sollen.

Nach kurzer Schock-Pause hatten die Kommunalpolitiker dann noch einige Fragen. „Was ist mit der Heizungsanlage?“, wollte Marianne Streicher-Eickhoff von den Grünen wissen. Die sei erst 2001 erneuert worden und folglich noch sehr gut. Erst wenn sie abgängig wäre, würde sich die Investition éiner modernen Brennwertanlage lohnen. Auch die Heizkörper seien nicht alle defekt. Aber da sie zumeist vor den Fenstern angebracht sind, werde ein Abbau erforderlich. Da Kosten für Montage und Zwischenlagerung der alten Aggregate teuer würden, seienhier qualitativ bessere Neuanschaffungen ratsam.

Und mit Verzicht auf einige der kaum genutzten kleinen Balkone könnten durch eine Verlagerung der Fenster an den äußeren Rand zudem einige Büroräume vergrößert werden. Auf den Fluren bleibe dann genug Raum zur Einrichtung offener Teeküchen für Pausen und Gespräche der Mitarbeiter.

Christian Hader wollte wissen, ob bei den Kosten auch die Miete für mögliche Ausweichräume der Verwaltung berücksichtigt worden seien. „Wir haben die Container mitberechnet, aber da uns die Miethöhe nicht bekannt ist, konnten wir sie natürlich nich einbeziehen“, entgegnete Dascher.

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