„Wir planen jedes Jahr ein neues Stück und wollen eine Institution werden“

Humor- und anspruchsvoll

Rocklegende und schrille Kostüme. Das erste eigene Stück von „Lampenfieber“ kam gut an.

Groß-Zimmern - Jürgen Federlin ist ortsbekannt. Er fährt den Bürgerbus, darüber hinaus engagiert er sich im Kindergarten. Nun hat der 71-Jährige eine weitere Leidenschaft entdeckt: Das Theaterspielen. Von Michael Just

Am Samstag abend sitzt er auch an der Kasse im Jugendzentrum und man muss schon dreimal hinschauen, um ihn zu erkennen.

„Gestatten, Jim Morrison“, sagt er mit schwarzer Perrücke, Sonnenbrille und einer vom Neffen ausgeliehenen Motorradhose aus Leder, die mit reichlich Schnüren an der Seite versehen ist.

Die Rocklegende kommt ebenfalls im Stück „Verhör unter der Trockenhaube“ vor, das die Laienschauspieler der Groß-Zimmner Gruppe „Lampenfieber“ am Wochenende gleich zweimal zur Aufführung brachten.

Und das jeweils vor rund 100 Besuchern und damit ausverkauftem Haus.

„Das ist unser erstes eigenes Stück, aber nicht unser erster Auftritt. Zum ersten Mal zeigten wir das Verhör im April dieses Jahres bei einer Testaufführung in der Albert-Schweitzer-Schule“, erzählt Diana Schmitt, Regisseurin und Kopf der Truppe. Nach dem Probelauf wurde noch verbessert was Bühnenbild und Spannungsbogen angeht. In dem Krimi geht es um die Friseurin Peggy. In ihrem Laden erfährt sie von einem Mord. Peggy - jung, blond, ehrgeizig und umwerfend sexy- will in der Folge beweisen, dass sie mehr als Haare schneiden kann und macht sich erfolgreich an dessen Aufklärung.

Seit 2009 gibt es „Lampenfieber“ und zwar kurz nachdem Diana Schmitt in die Gemeinde zog. Als die 30-jährige Vertriebsmitarbeiterin dem Bürgermeister ihre Idee für eine Theatergruppe unterbreitete, sicherte der ihr sofort Unterstützung zu. Mehrere Presseartikel sorgten zudem dafür, dass man heute über ein Dutzend Mimen von zehn bis 70 Jahren verfügt. In den ersten Monaten versuchten sich die Akteure allerdings nur am Improvisationstheater, denn bis auf ein wenig Schultheater lag bei den meisten kaum Erfahrung vor. Autodidaktisch wurden die Grundlagen der Schauspielerei erarbeitet.

Parallel schrieb man ein Jahr lang an einem eigenen Stück und kreierte darüber hinaus Kostüme und Bühnenbild. Beim Kerbumzug liefen die Hobby-Schauspieler mit und machten mächtig Werbung in eigener Sache.

Am Wochenende lieferte „Lampenfieber“ eine solide und ansprechende Leistung ab. Zwar fielen hier und da im Stück ein paar kleinere Längen auf und bei manchen Charakteren war durchaus noch Luft nach oben, was Theatralik und Ausdruckskraft angeht. Respektabel zeigte sich der Auftritt aber schon deshalb, weil Hobby-Schauspielern sonst eher ein Schwank oder eine Komödie nahe gelegt wird. Das rührt daher, weil hier der Funke schneller zum Publikum überspringt, das in der Regel einen unterhaltsamen Abend will. Im JUZ galt es vor allem aufmerksam zu lauschen, um der spannenden Handlung folgen zu können. Recht schnell wurde den Zuschauern klar, dass man sich inhaltlich auf einem anspruchsvollen Terrain bewegt, auch wenn Peggys Wandlung vom Barbiepüppchen zur investigativen Journalistin nicht immer ganz glaubhaft schien. Gut tat dem Stück die Würzung mit Humor an vielen Ecken sowie das amerikanische Klischee mit schrillen Kostümen und Bühnenbild, das dafür sorgte, dass die Premiere von Lampenfieber in guter Erinnerung bleibt.

Für die Zukunft haben die Schauspieler ehrgeizige Ziele und hohe Ansprüche. „Wir planen jedes Jahr ein neues Stück und wir wollen eine Institution in Zimmern werden“, sagt Schmitt.

Das dürfte gelingen, auch weil die Mimen davon profitieren, eine Lücke in der Gemeinde zu füllen. Denn in Groß-Zimmern gibt es zwar vieles, eine eigene Theatergruppe ist aktuell aber nicht dabei.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare