„Ich finde die Aktion einfach Weltklasse“

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Drei Mannschaften – der FSV Groß-Zimmern, der SC Hassia Dieburg und die Spielvereinigung Groß-Umstadt – nahmen am Benefizturnier teil. Mittendrin: Stefano Cammarata mit seiner Familie.

Dieburg/Groß-Zimmern (jd) ‐ Stefano Cammarata hat das Lachen nicht verlernt: Schon im Krankenhaus ließ er sich – zumindest einige Wochen nach der Katastrophe – kaum etwas von seinem Leid anmerken.

Als kürzlich bei einem großen Benefiz-Fußballturnier in Groß-Zimmern Spenden für Cammarata und seine Familie gesammelt wurden, wirkte er fast schon wieder wie früher. Wenn da nicht die Krücken gewesen wären, die noch von seinem Sturz aus sieben Metern Höhe zeugen. Durch den Sturz wurden Cammaratas Lendenwirbel zertrümmert, die Lunge gequetscht, zwei Brustwirbel gebrochen, das Rückgrat in Mitleidenschaft gezogen, Nerven durchtrennt, zehn Rippen brachen (wir berichteten).

Es ist fast eine Schande, dass die Organisatoren des Turniers, die auch andere Unterstützungsaktionen wie T-Shirt-Verkäufe zugunsten des 36-Jährigen anleierten, namentlich nicht genannt werden möchten. Bekannt sind sie Cammarata, seinen Freunden und der Familie, aber zu bescheiden, um in der Zeitung Lob zu erfahren.

Unsere Hilfe ist doch selbstverständlich“, sagen sie, auch wenn dem eigentlich keineswegs so ist. Aus dem Kreis des FSV Groß-Zimmern und des SC Hassia Dieburg kommen die Personen in erster Linie, beides Ex-Vereine des Groß-Zimmerners.

Fußball blieb Nebensache

Der spielte auch länger bei der Spielvereinigung Groß-Umstadt, die als dritte Mannschaft das Feld des Benefizturniers komplettierte. Der Fußball blieb Nebensache beim Blitzturnier (Spielzeit einmal 35 Minuten), bei dem Groß-Umstadt mit 2:0 gegen Groß-Zimmern und mit 1:0 gegen Dieburg siegte und die Hassia gegen den FSV mit 4:1 die Oberhand behielt.

Wichtiger waren Eintritts- und Spendengelder, die Cammarata und seiner Familie zugute kommen. Der wird in seinem alten Beruf als Elektroinstallateur in der bisherigen Form nicht mehr arbeiten können. Gegen Berufsunfähigkeit ist er zwar abgesichert, wird weiter sein Häuschen abbezahlen; doch eine enorme finanzielle Lücke entsteht dennoch.

Ich finde die Aktion einfach Weltklasse“, meint der allseits beliebte „italienische Zimmner“, wie er sich nennt, am Rande des Turniers. Der starke Zuspruch aus der regionalen Fußballszene sei einfach toll. Neben drei Dutzend Kickern, die Mix-Teams aus Aktiven und Alten Herren stellten, waren mehrere weitere Dutzend Menschen aufs FSV-Gelände gekommen, um Cammarata mal wieder persönlich zu begegnen und ihm die besten Wünsche zur weiteren Genesung zu überbringen. Viele kamen, mit denen er etwa in Groß-Zimmern und Dieburg lange zusammenspielte: Peter Hernandez-Allmann etwa, mit dem er bei FSV wie Hassia spielte und den er schon aus Jugendfußballzeiten kennt. Auch Ex-Coach Wolfgang Kern, der mittlerweile den TSV Langstadt trainiert, ließ sich seinen Besuch nicht nehmen. Freude zeigte Cammarata auch darüber, dass FSVler wie Stefan Herbert („Ein richtig guter Kicker“) und Matthias Partsch wieder die Fußballstiefel schnürten. Partsch tat dies laut Cammarata eigens für ihn und nach mehrjähriger Abstinenz.

Keine Medikamente und Schmerzen mehr

Soweit wie möglich kehrt der Zimmerner aktuell ins normale Leben zurück, berichtet er. „Am Anfang hatte ich ja Panik, dass ich nicht mehr aus dem Rollstuhl komme“, sagt Cammarata. Nun kann er kurze Wege schon ohne Krücken gehen, für längere benutzt er die Gehhilfen. „Ich bin froh, wieder unter den Fußgängern zu sein.“ Und zu Hause zu weilen: Anfang Oktober verließ er die Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik in Frankfurt, wurde daheim mit einer Überraschungs-Party empfangen. Aktuell macht er noch eine „erweiterte ambulante Therapie“ in Darmstadt. „Ich nehme keine Medikamente mehr und habe auch keine erwähnenswerten Schmerzen“, sagt er.

Einige Stellen am Körper bleiben taub, Sport ist für den Rest seines Lebens passé, ebenso schwere körperliche Arbeit, ein paar weitere körperliche Einschränkungen bestehen aktuell noch. Angesichts dessen, was passierte und meist zum Tod führt – Sturz aus sieben Metern Höhe auf den Boden einer Sporthalle – erscheinen diese Dinge aber fast schon als Kleinigkeiten.

Vor allem kann ich wieder viel Zeit mit meiner Frau und meinen beiden Kindern verbringen“, gibt sich Stefano Cammarata den Umständen entsprechend zuversichtlich.

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