„Ich war immer für die Enkel da“

Groß-Zimmern - (bea) Einen großen Zusammenhalt gibt es bei der Familie Neumann. Deshalb schaut auch nicht nur Sohn Rudi nach Emma Neumann, die am Dienstag 90 Jahre alt geworden ist, sondern auch die Enkel und Urenkel. Schließlich war die Jubilarin auch immer für den Nachwuchs da.

Für ihre Kinder hatte sie allerdings nicht so viel Zeit. „Meine Mutter musste eben arbeiten“, sagt der Sohn.

1919 wurde die Jubilarin im schlesischen Prietzen geboren. Dort heiratete sie 1942 Ernst Neumann. Tochter Renate kam noch im gleichen Jahr in Prietzen zur Welt. 1945 musste die Familie fliehen, Sohn Rudi wurde auf der Flucht geboren. „Das war eine böse Zeit“, sagt Emma Neumann. Der einzige Trost war, dass ihr Vater immer dabei war und für seine Tochter und ihre Familie da sein konnte.

In Reinheim landete die Familie nach der Flucht. Emma Neumann half beim Bauern, Ehemann Ernst war Fahrer im Steinbruch, bevor er Arbeit bei Schenk in Darmstadt fand. 1965 kaufte das Ehepaar ein Haus in Groß-Zimmern, noch heute wohnen sie dort. Drei Generationen leben in dem oft um- und angebauten Haus unter einem Dach: die Jubilarin zusammen mit ihrem Sohn und einer Enkeltochter.

Vier Enkel und vier Urenkel freuten sich am Dienstag zusammen mit dem Geburtstagskind über das hohe Jubiläum. Die Jüngeren haben eine sehr innige Beziehung zu ihrer Oma und Uroma.

Die Zeit, die Emma Neumann für ihre Kinder nur schwer fand, die konnte sie, nachdem sie nicht mehr arbeiten musste, den Jüngsten der Familie schenken.

„Die Enkel und Urenkel habe ich in den Kindergarten gebracht und ihnen Mittagessen gekocht“, sagt sie glücklich.

Heute ist Emma Neumann selbst auf Hilfe angewiesen. Ihr Mann ist vor zehn Jahren gestorben, auch ihre einzige Tochter und die Schwiegertochter hat sie überlebt.

Sohn Rudi, der inzwischen selber Rentner ist, kümmert sich um die Seniorin. „Ich brauche keine Uhr“, lacht er, „meine Mutter steht pünktlich um sieben Uhr auf, um 12 Uhr will sie ihr Mittagessen und den Mittagsschlaf beendet sie um Schlag drei“. Und bereits um sieben Uhr geht Emma Neumann dann schlafen. „Na, bis ich ausgeschlafen hab'“, sagt sie verschmitzt.

Neben den schweren Zeiten erinnert sich das Geburtstagskind auch gerne an die vielen Familienfeste. Da wurden Kaninchen geschlachtet und es wurde zusammen gefeiert.

Auch über das runde Geburtstagsfest freut sie sich. „Da sind vorher zwei Frauen gekommen und haben alles aufgebaut“, sagt sie staunend. „Und ich habe alles geputzt und bin extra nicht zum Fußball gegangen“, ergänzt Sohn Rudi. Die beiden sehen sich an und lachen.

Enkelin Heike schmunzelt dabei ebenfalls. Ein starker Familienzusammenhalt eben.

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