„Ich kann noch mehr tun“

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LA-Mitarbeiterin Julia Glaser sprach mit Pfarrer Christian Rauch über seine Wahl zum Dieburger Dekan Gemeindemitglieder schenkten Christian Rauch einen Gickel: „Damit ich meine Groß-Zimmner nicht vergesse.“

Groß-Zimmern - Am 1. August übernimmt der in Zimmern tätige katholische Pfarrer Christian Rauch die Leitung des Dekanats Dieburg. Im Dekanat leben rund 36 000 Gläubige in sechs Pfarreien und acht Pfarrkuratien.

Es erstreckt sich von Babenhausen über Eppertshausen bis ins Fischbachtal. Im Interview mit dem Lokal-Anzeiger sprach Christian Rauch über die Gründe für seine Entscheidung, sich wählen zu lassen, die Herausforderung, die sein neues Amt stellt, und über Themen, die für ihn den Schwerpunkt für die Zukunft der katholischen Kirche im Dekanat Dieburg darstellen.

Als Pfarrer für Groß-Zimmern haben Sie bereits einen vollen Terminkalender. Wieso haben Sie sich dafür entschieden, zusätzlich das Amt des Dekans zu übernehmen?

Ich bin jetzt seit sechs Jahren als Pfarrer für Groß- und Klein-Zimmern verantwortlich. Diese Jahre waren schön und sie waren erfüllend – aber ich weiß, dass ich noch mehr tun kann. In der Zwischenzeit habe ich Ausbildungen in der Traumaberatung und als systemischer Berater abgeschlossen. Diese neuen Fähigkeiten möchte ich einsetzen und mit der neuen Aufgabe auch immer wieder Neues lernen. Ich freue mich auf die Tätigkeit.

Welche Aufgaben erwarten Sie als Dekan?

Zusammen mit dem Dekanatsreferenten Andreas Reifenberg und dem stellvertretenden Dekan Pfarrer Bernhard Schüpke begleite und berate ich Hauptamtliche in ihrer Tätigkeit. Wir treffen uns einmal im Monat und besprechen aktuelle Themen. Zum Beispiel steht von September bis Dezember die Visitation des Weihbischofs Neymeyr an. Eine Visitation findet alle vier Jahre statt und der Bischof besucht dabei alle Einrichtungen in den Gemeinden des Dekanats, wie die Caritas, das St. Josephs haus oder das Konvikt. Außerdem braucht das Kreiskrankenhaus in Groß-Umstadt einen neuen Seelsorger. Ein Thema ist auch die wachsende Zahl der Altenwohnheime und wie wir die Seelsorge dort gestalten können. Zusätzlich sind Andreas Reifenberg und ich Ansprechpartner für die Pfarrgemeinden: Wir geben Impulse und stehen den Pfarrgemeinderäten zur Seite.

Der Dekan repräsentiert seine Gemeinden auch im Landkreis. Ein wichtiges Thema ist hier aktuell die Aufnahme von Flüchtlingen und wie die Kirche die Politik dabei unterstützen kann.

Das klingt, als würde sehr viel Arbeit auf Sie zukommen. Dabei wird es unvermeidlich zu Abstrichen in Ihrer Tätigkeit für die Pfarrgruppe kommen.

Vom meinem Vorgänger weiß ich, dass etwa zwei Tage Arbeit pro Woche nötig sind, um das Amt des Dekans verantwortungsvoll auszufüllen. Aber ich mache das ja nicht alleine: Unsere Gemeindereferentin Jutta Moka und unser Diakon Martin Gölz haben mir bereits ihre Unterstützung zugesichert. Außerdem kann ich mich auf die Mithilfe des Dekanatsrats verlassen, der aus den Mitgliedern der verschiedenen Pfarrgemeinderäte besteht. Trotzdem werden natürlich einzelne Tätigkeiten auf dem Prüfstand stehen. Dazu zählt etwa der Religionsunterricht in der Geißbergschule in Klein-Zimmern. Zum Vergleich: In der evangelischen Kirche ist das Amt des Dekans eine hauptamtliche Stelle. Bei uns müssen diese Aufgaben quasi „nebenher“ übernommen werden.

Was für Ziele und Pläne verbinden Sie persönlich mit dem Amt? Welche Themen sind für Sie wichtig, die Sie in den kommenden Jahren ansprechen möchten?

In allen Pfarreien sinken die Mitgliederzahlen, während der Altersdurchschnitt steigt. Das stellt uns vor neue Herausforderungen. Allein in den letzten fünf Jahren hat das Dekanat Dieburg 1 300 Gläubige verloren durch Wegzug, Kirchenaustritt oder Tod. Das ist quasi zweimal eine Pfarrei in der Größe von Klein-Zimmern. Ich möchte den Mut fördern, sich trotz dieses Abwärtstrends kirchlich zu engagieren, und die Freude an einem Dienst für die Kirche stärken. und ich will Menschen zusammenführen und vernetzen.

Eine wichtige Frage ist außerdem, wie wir als Kirche unsere Angebote besser auf die Lebenssituationen der Menschen heutzutage ausrichten können. Ich denke da etwa an Frauen und Männer, die aus gescheiterten Beziehungen kommen oder an Patchworkfamilien. Das kann mit ganz einfachen Überlegungen beginnen. Ob etwa die Termine, die wir anbieten, mit deren Terminplan kompatibel sind und sie unsere Angebote wahrnehmen können. Die Menschen sollen wissen, dass die Kirche sie im Blick hat, sie nicht vergisst und dass sie willkommen sind. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Ökumene: Wie können das katholische und das evangelische Dekanat gemeinsam Antworten auf gesellschaftliche Fragen finden? Als gleichwertige Geschwisterkirchen müssen wir aufeinander zugehen. In unserer Pfarrgruppe klappt das schon sehr gut.

Haben Sie schon Ideen, wie Sie diese Aufgaben angehen möchten?

Ich würde zum einen gerne die Ehrenamtlichen entlasten, die sich bereits in der Kirche engagieren. Es ist inzwischen normal, dass diese Leute mehr als ein Ehrenamt haben – zu viel Arbeit verteilt sich damit auf zu wenigen Schulten. Die Menschen sind irgendwann ausgebrannt und verlieren die Freude an ihrer Tätigkeit. Oft geben sie dann ihr Amt ab. Deshalb müssen wir prüfen, ob man Bereiche zusammenführen kann, ob es für einige Dinge bei sinkenden Mitgliederzahlen überhaupt noch die nötige Nachfrage gibt.

Wir müssen uns auf unsere Kernaufgaben besinnen. Außerdem müssen wir Angebote finden, die die Menschen außerhalb der Kirche nicht erhalten. Ein Beispiel ist die Notfallseelsorge, das Überbringen von Todesnachrichten. Oder günstige Ferienfreizeiten, bei denen Eltern ihre Kinder in sicheren Händen wissen. Beides ist stark mit der Kirche verknüpft. Um den Zugang in das Leben der Menschen zu finden, benötigen wir weitere Angebote dieser Art.

Werden Sie trotz der neuen Aufgaben der volksnahe Pfarrer bleiben, als den man Sie in Zimmern kennt?

Ich werde mich ja jetzt nicht umkrempeln von links nach rechts. Also: ja! Man kann immer mit Vorschlägen oder Ideen auf mich zukommen.

Die Amtseinführung von Pfarrer Christian Rauch findet am Freitag, 26. September, in der Kirche Sankt Bartholomäus in Groß-Zimmern statt. Danach gibt es einen Empfang im Pfarrheim, bei dem der neue Dekan die Ernennungsurkunde überreicht bekommt.

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