„Ich mach mit, weil hier meine Freunde sind“

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Wie Emine, Rewchen und Delan (von rechts) arbeiteten viele Kinder mit.

Groß-Zimmern - Helfen ist für viele selbstverständlich. „Ich mache mit, weil hier meine Freunde sind“, sagt Silvester Barat. Ebenso wie der gebürtige Ungar, Josef Barat, lebt er seit Jahrzehnten in Groß-Zimmern. Von Gudrun Fritsch

Auch wenn er nicht direkt im Quartier Angelgarten-/Dresdener Straße wohnt, packt er beim ersten Arbeitseinsatz der Projektwerkstatt doch tatkräftig mit an. Gemeinsam mit Marek Paschek aus Polen und Faton Mamaj, dem Vater dreier Kinder zwischen vier und 14 Jahren, mauert er das Rund für eine spätere Sitzbank. Diejenigen, die am Freitag und Samstag bei den Arbeiten im Rahmen der Sozialen Stadt mitmachen, um den Treffpunkt zwischen den Wohnhäusern einladend zu gestalten, sind überzeugt von der guten Sache.

Auf dem Areal sind ringsum Kinder und Frauen im Einsatz. Mit ihren Schubkarren stehen die Kleinen in einer Warteschlange vor dem Container, aus dem Erde geschaufelt wird. Die zehnjährige Melissa Braun wohnt zwar eigentlich in Mosbach und ist nur übers Wochenende bei ihrem Vater in Zimmern, aber: „Einen Spielplatz bauen, das macht doch Spaß! Und zu Hause ist es bei dem schönen Wetter doch nur langweilig“, findet sie. Gemeinsam mit ihrer Freundin Saskia Molthaup harkt sie eifrig Erde auf einem Sandhügel. „Wenn wir müde sind, gibt es hier auch Essen und Trinken“, berichtet die elfjährige Saskia und blickt sich begeistert um. Am Rand unter einem Zeltdach bereiten Meral Akkoyun (36) und Anna Skarpato-Wolf (46) die Speisen vor. Große Schüsseln voller Salat werden platziert und Würstchen erhitzt.

Fachmänner am Werk. Während zunächst nur wenige Männer halfen, kamen am Samstagnachmittag noch einige hinzu.

Ich bin hier aufgewachsen“, erzählt Akkoyun. Sie ärgert sich darüber, dass die Gegend einen so schlechten Ruf hat. „Das Miteinander vieler Kulturen ist doch eigentlich eine Bereicherung und es gibt hier ein intensives Gemeinschaftsgefühl“, erzählt sie. Als ihre inzwischen 15- und 13-jährigen Kinder klein waren, trafen sich die Mütter täglich am Spielplatz, „da gab es noch Bänke“. Inzwischen ist die Anlage in die Jahre gekommen und vieles kaputt. „Es ist schön, wenn Eltern sich mit ihren Kindern hier aufhalten können und nicht immer aus dem Fenster schauen müssen“, meint sie auch hinsichtlich ihres Kleinsten, der gerade drei Jahre alt ist. „Aber am Grillplatz drüben, da sind nur Türken, Araber und Kurden“, sagt Labinot Saljuka. Der 15-jährige Albaner arbeitet hart aber gern. „Wo sind denn die Väter von all den Kindern? Warum kann man die nicht verpflichten mitzuarbeiten?“, meint er kritisch. „Das hier ist freiwillig und uns macht es doch Spaß“, mischt sich Burkhard Wolf ein. Der Handwerker ist zufrieden mit dem Verlauf, schließlich zählt er zu den Ideengebern. „Das ist unser Hausmeister“, meint Labinot lachend und geht essen.

Arbeiten mit Anwohnern

Das erste Bauprojekt im Rahmen der Sozialen Stadt Groß-Zimmern hat begonnen. Nachdem der Bauhof im Wohnquartier Angelgarten- und Dresdener Straße mit schwerem Gerät Gräben ausgehoben hatte, wurde am Freitag und Samstag mit rund 50 Anwohnern gearbeitet. Sträucher, Hecken und Bäume wurden gepflanzt, das Rund für eine Sitzbank gemauert sowie Lampen und Abfallkörbe angebracht. Die Arbeiten gehen weiter. Bis zum Frühjahr will man fertig sein.

Wir werden wahrscheinlich früher fertig als gedacht“, berichtet Tobias Lauer von der Projektwerkstatt. Wesentlich mehr Menschen als erwartet machen mit, allerdings überwiegend Kinder und Frauen. „Stadtteilentwicklung ist eben Frauensache“, sagt sein Kollege Thomas Heinrich. Jugendpfleger Tom Hicking ist begeistert von der Stimmung auf dem Platz. „Diejenigen, die hier sind, die arbeiten richtig gut und haben zudem noch Spaß dabei“, meint er. Ein wesentlicher Unterschied zum Spielplatzbau vor einigen Jahren am Roten Morgen sei allerdings, dass diesmal keine Vereine oder Helfer aus anderen Gegenden im Ort mitmachten und dass damals viel mehr Erwachsene dabei waren, während in diesem Quartier die Kinder deutlich in der Überzahl sind.

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