Klein-Zimmerner Heimatforscher hat sich auf die Zeit der Weltkriege spezialisiert

Immer weniger Zeitzeugen

Erzählungen seines Großvaters weckten das Interesse von Tobias Götz an der Zeit des ersten und zweiten Weltkriegs. Foto: Bernauer

Klein-Zimmern - Profunde Kenntnisse über den ersten und zweiten Weltkrieg hat sich der Klein-Zimmerner Tobias Götz inzwischen angeeignet. Sein Interesse für diese Zeit wurde geweckt, als nach seinem Großvater auch noch seine Großmutter starb. Von Ulrike Bernauer

„Der Opa hat immer mal vom Krieg erzählt, die Oma hat das aber immer schnell unterbunden, so dass ich zum Schluss gar nicht wusste, ob der Großvater überhaupt Soldat war“, sagt Götz. 2002 begann er mit seinen Nachforschungen, die sich erst auf die Familie beschränkten, aber nach und nach immer weitere Kreise zog.

Neben den großen Kenntnissen über die Zeit, hauptsächlich des zweiten Weltkrieges, hat sich Götz inzwischen auch eine große Sammlung von Militaria zugelegt. Einen Teil davon hat er zusammen mit dem Kerb- und Kulturverein kürzlich bei einem Sonntagscafé der Feuerwehr ausgestellt.

„Das war wohl das am besten besuchte Sonntagscafé nach langer Zeit“, freut sich der Klein-Zimmerner über das Interesse.

Geldscheine und Münzen, aber auch Tornister, eine Gasmaske, ein Feldspaten oder eine Hausapotheke waren in den Räumen der Feuerwehr zu sehen. Das meiste Interesse fanden aber die zahlreichen Fotografien und die vielen Texte, die Götz ausgestellt hatte.

Seine Nachforschungen führten ihn von seinem Großvater, der 1943 eingezogen worden war und in der 17. Panzerdivision, dem Götz von Berlichingen Regiment diente, bis zu ganz anderen Themen. „Man glaubt, dass es hier in der Gegend kaum militärische Stätten gab, aber das stimmt so nicht“, sagt Götz und berichtet gleich von fünf Feldflugplätzen in der Nähe, unter anderem in Zellhausen oder Harreshausen. Bekannt sei aber in der Regel nur die Muna in Münster.

Dagegen gab es in Ringheim eine Luftforschungsanstalt und in Harreshausen startete der erste Strahlenjäger, eine Messerschmitt 262.

Immer weitere Kreise zogen die Forschungen des Klein-Zimmerners. Längst beschränkt er sich nicht mehr auf die Aussagen seiner Mitbürger. Er studiert Akten im Staatsarchiv in Darmstadt, aber auch in den Archiven von Groß-Zimmern oder Babenhausen. Da war der Großvater nach dem Ende des Krieges in amerikanischer Kriegsgefangenschaft, bevor er in Dieburg in die Freiheit entlassen wurde.

„Man jagt bei den Nachforschungen nach einzelnen Brotkrumen und versucht die wieder zu einem Ganzen zusammen zu setzen“, sagt Götz. Genau das macht es für ihn offensichtlich noch mal so interessant. Er versucht mit Zeitzeugen zu reden, aber das wird zusehends schwieriger. Der Hobbyforscher berichtet auch von manch einem Misserfolg.

Da hat er beispielsweise einen Zeitzeugen in Groß-Bieberau aufgespürt und auch ein Treffen mit dem Mann vereinbart. Bis er aber den Termin wahrnehmen konnte, war der Zeitzeuge ins Krankenhaus gekommen und kurz darauf verstorben.

„Schade ist auch, dass so viele Erben dann die Hinterlassenschaften ihrer verstorbenen Angehörigen gleich entsorgen“, bedauert Götz. „Dadurch geht viel an Informationen verloren.“

Seine Informationen holt er sich beispielsweise aus Feldpässen, daraus kann er schließen, wo der Soldat kämpfte und in welchem Regiment. Sütterlinschrift hat er inzwischen lesen gelernt. „Wenn die gut geschrieben ist, komme ich damit klar, sonst gehe ich zu meinem Vater.“ Eine Faszination üben nicht nur die Menschen, die im zweiten Weltkrieg kämpften, auf den Zimmerner aus, sondern auch die Technik oder die Waffensysteme. Einen gewissen Nationalstolz kann Götz nicht verleugnen. „Wir waren die ersten, die einen Strahlenjäger hatten und ohne Wernher von Braun wären die Amerikaner in der Raketenforschung auch nicht so weit gekommen.“ Götz nennt den Krieg allerdings auch „eine Bestie“ und ist froh, dass ihm selbst kriegerische Handlungen erspart blieben.

Er ist zwar frustriert, wenn er mit seinen Nachforschungen nicht weiterkommt, beispielsweise beim St. Josephs-Haus, das in der Zeit des zweiten Weltkriegs als Gefangenenlager diente. „Die Unterlagen über diese Zeit sind entweder vernichtet oder im Moment nicht auffindbar“. Allerdings spornen ihn solche Schwierigkeiten eher an.

Mit seiner Ausstellung hofft er auch, weitere Kontakte zu Zeitzeugen knüpfen zu können, oder zu Familienangehörigen, die ihm mit Informationen weiter helfen können. „Ich bin immer dankbar, wenn mir jemand weiterhelfen kann“, sagt Götz. Er freut sich auch über neue Informationen entweder unter s  497877, oder per Mail: tober76@web.de.

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