DNA-Spur führt zum Fastnachts-Täter / 26-Jähriger behauptet, die junge Frau habe es selber so gewollt

Intensiver Flirt oder Vergewaltigung?

Dieburg - Dem 26-jährigen M. Reinhard* wird vorgeworfen, am 21. Februar 2012 in Dieburg eine junge Frau aus Ungarn vergewaltigt zu haben. Am Dienstag wurde das Verfahren gegen den zur Tatzeit in Groß-Zimmern wohnhaften Rumänen vor dem Schöffengericht Dieburg eröffnet. Von Gudrun Fritsch

Zum Tathergang trug Richter Dr. Gerhard Oefner aus dem Protokoll vor: Der Angeklagte lernte die als Au-pair-Mädchen tätige Zeugin H. am Tattag gegen 22 Uhr vor dem Festzelt im Fechenbach-Park an Fastnacht kennen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, die 25-Jährige im Rahmen eines Spaziergangs plötzlich am rechten Handgelenk gepackt, sie gewaltsam bis zur Wand eines Elektrohäuschens gezogen und die um Hilfe schreiende Frau zur Durchführung von Oralverkehr gezwungen zu haben.

Der Angeklagte soll erst von der zu Tode verängstigten Frau abgelassen haben, nachdem er ihr in den Mund ejakuliert hatte.

Aufnahmen von Hämatomen an Armen und Handgelenk sowie einer Wunde unterhalb der Nase verdeutlichten den Zustand des Opfers.

Er sei derzeit ohne festen Wohnsitz und befinde sich wegen Alkohol- und Drogenproblemen seit drei Monaten in Therapie. Von seiner Frau und den beiden Kindern (zwei Jahre und neun Monate alt) lebe er seit der Eröffnung des Verfahrens getrennt, erklärte der berufs- und arbeitslose Hartz-IV-Empfänger. Dann schwieg er und überließ alles weitere Rechtsanwalt Sven Golüke.

Der Verteidiger teilte mit, sein Mandant habe die Frau, deren Namen er nicht kenne, an dem Abend tatsächlich getroffen. Man habe Blicke ausgetauscht, ein Gespräch geführt und sie habe ihn zuerst geküsst. Schnell sei es zu sexuellen Handlungen gekommen, allerdings in beiderseitigem Einverständnis. Es seien viele Menschen in direkter Nähe gewesen, Unmutsäußerungen hätte man also gehört. Ein Kondom habe er nicht benutzt, entgegnete Reinhard auf die Frage des Richters.

Ob er an Hepatitis erkrankt war, wollte er jedoch nicht bestätigen.

Die junge Frau sei sehr verstört gewesen. Sie habe zuvor keine sexuellen Kontakte gehabt. Anzeige erstattete sie erst am Tag nach der Tat mit Unterstützung ihrer deutschen Gastgeber. Traumatisiert sei sie in ihre Heimat zurückgekehrt, wo sie sich seitdem mit posttraumatischen Belastungsstörungen (Hilflosigkeit, Panik) in Psychiatrischer Behandlung befinde. Ihr sei ein Erscheinen vor Gericht nicht zuzumuten, ging aus dem Attest der behandelnden Ärztin hervor. Das Protokoll ihrer Anhörung vor einem Ungarischen Staatsanwalt wurde verlesen, trotz des Einwandes von Rechtsanwalt Golüke, dass bei der Anhörung kein Richter anwesend war.

Ohne Zeugen und Sachverständige - auch der geladene Arzt am Rochuskrankenhaus, der die Erstuntersuchung vorgenommen und protokolliert hatte war nicht erschienen - konnte am ersten Verhandlungstag nur die Aktenlage erörtert werden. Die belastende Aussage des Opfers und die Analyseverfahren der an den Kleidungsstücken sichergestellten, intakten Spermien wurden verlesen. Ein Abgleich der DNA-Analyse mit der Datenbank führten zum Angeklagten. „Da diese DNA auf einen von zehn Milliarden Menschen zutrifft, ist ein anderer Täter unwahrscheinlich“, so der Richter.

Die DNA des Angeklagten war gespeichert, da er seit 2012 mehrfach wegen Diebstahls verurteilt und derzeit nur auf Bewährung ist.

Für den nächsten Verhandlungstermin am Donnerstag, 12. Dezember, um 9 Uhr im Dieburger Amtsgericht sollen weitere Zeugen geladen werden. Da die Prognose des bisherigen Bewährungshelfers nicht positiv war, riet Richter Oefner dem Angeklagten unbedingt zu erscheinen. „Sollten Sie nicht kommen, wird auch in Abwesenheit gegen Sie verhandelt.“

(*Name von der Redaktion geändert)

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