Roman Schlak geht „Weltwärts“

Ein Jahr in Paraguay

Roman Schalk mit seiner Chilenischen „Schwester“.   J Foto: p

Groß-ZImmern/asuncion/Chile - Roman Schalk ist in Klein-Zimmern zur Schule gegangen und besuchte anschließend die Edith-Stein-Schule in Darmstadt. Das Abitur hat der 20-Jährige eben mit der Note 1,5 geschafft. „Letzendlich war es einfacher als ich dachte“, sagt er zufrieden.

Dass er nach dem Abi erst einmal ins Ausland gehen würde, stand für ihn schon länger fest. Inspiriert von seinem zwei Jahre älteren Bruder Nico, der inzwischen in Südamerika studiert und arbeitet, verbrachte Roman bereits 2011 ein halbes Jahr in Chile. „Ich habe dort bei einer Familie gelebt und die Schule besucht. Die Latino-Kultur und die Lebensweise liegen mir sehr “, erzählt er. Außerdem interessiere es ihn „mal etwas anderes kennen zu lernen“. Mit dem Projekt Weltwärts fühle er sich zudem nicht alleine.

Eine Gruppe von rund 16 jungen Leuten zwischen 19 und 28 Jahren reist zeitgleich nach Südamerika. Bei zwei fünftägigen Vorbereitungsseminaren in Marburg konnte man sich kennen lernen. Außerdem ging es um konkrete Inhalte, wie die Bedeutung von Entwicklungshilfe und was Freiwilligenprogramm fordert. Natürlich wurde auch länderspezifisches Wissen von Panama und Paraguay vermittelt, auf Kultur und Sprache wurde eingegangen und Aufgabengebiete sowie Verhaltensregeln für die Teilnehmer beschrieben.

„Spanisch lerne ich seit vier Jahren und seit der Zeit in Chile fühle ich mich sehr sicher“, sagt Roman. Anfangs habe er dort nichts verstanden, „weil die Menschen einfach sehr schnell reden. Aber wenn man es schafft, sich da reinzudenken, macht es richtig Spaß.“ Da Paraguay auch für Weltwärts noch relatives Neuland ist, wusste man vorher nicht genau, wo der junge Mann aus Groß-Zimmern eingesetzt würde.

„Wahrscheinlich werde ich an einem Schulprojekt mitarbeiten, in dem es um die Arbeit am PC geht“, mutmaßt er. Konkretes Vorwissen werde von den Freiwilligen nicht erwartet. „In der Schule hatte ich Informatik und mit dem PC arbeite ich eigentlich schon immer.“

Eine Besonderheit bei der Sprache, die vor Ort auch in der Schule eine Rolle spielen könnte, ist das Guaraní, eine indogene Sprache, die für rund 86 Prozent der Bevölkerung Muttersprache ist. „Ich freue mich auf diese Herausforderung“, meint Roman heiter. Zufrieden ist er auch, dass er die Finanzierung über Weltwärts schafft.

Die ehrenamtliche Arbeit wird zwar nicht direkt bezahlt, dafür ist aber alles organisiert und jeder bekommt monatlich 100 Euro Taschengeld. „Ich habe selber viel Geld für die Kostendeckung gesammelt“, sagt Roman und ihm ist anzusehen, dass es nicht immer leicht und auch nicht nur angenehm war. 150 Euro monatlich hat er eingezahlt, „meine Eltern haben mir auch geholfen“. Die Mehrkosten für Flug, Versicherungen, Unterkunft und Verpflegung übernehmen das BMZ und Weltwärts.

„Angst habe ich nicht, auch wenn man auf alles gefasst sein muss“, beantwortet er die Frage nach möglichen Übergriffen. „Mein Bruder wurde mal in Äquador überfallen und beraubt. Wir haben eine Notfallkarte dabei und wurden darauf vorbereitet“, berichtet er. Sein selbstsicheres Auftreten hält er dabei für vorteilhaft. „Auch in Chile bin ich wegen meiner Hautfarbe und Größe als Ausländer aufgefallen. Meistens gehen die Leute nett mit einem um.“ Insgesamt gelte es, Anmache zu ignorieren und auch mal die Straßenseite zu wechseln. Alle notwendigen Impfungen hat der 20-Jährige gut überstanden. „Lediglich gegen Tollwut bin ich nicht geimpft. Das war überall vergriffen“, schmunzelt er.

Vor dem Alleinsein hat er keine Angst. „Es gibt ja Internet, Facebook und man kann skypen.“ Die Beziehung zu seiner Freundin sei zwar schon seit einiger Zeit etwas distanzierter, aber sie hält sich zeitgleich in Chile auf und bei einem bereits geplanten Besuch seiner früheren Gastfamilie sei ein Treffen mit ihr gut möglich.

Insgesamt stehen den Teilnehmern rund 30 Tage Urlaub zu und unter Umständen ließe sich der Rückflug auch noch etwas nach hinten verschieben. Mit Langeweile rechnet Roman gewiss nicht. „Wir dürfen dort zwar nicht selber Auto fahren, aber man kann abends in der Gruppe gut ausgehen. Taxis sind eigentlich immer günstig.“ Und Hobbys hat er auch. Früher spielte er viel Gitarre, später Schlagzeug, und zuletzt war er als Snare-Drum-Spieler mit den „Odenwald Pipes and Drums“ unterwegs.

Anfang August ging es los für Roman. Erst mit dem Flieger nach München und dann mit der gesamten Gruppe über Brasilien nach Paraguay.

„Ich wohne in Lambaré, einem Stadtteil von Asuncion, bei einer Familie mit zwei großen Brüdern die studieren, einer Schwester, die ihr letztes Schuljahr macht, und der Oma“, mailte er kürzlich.

Roman wird dem LA regelmäßig von seinen Erfahrungen und dem Leben dort berichten. Nach dem Auslandsaufenthalt strebt er ein Logistik- oder Betriebswirtschafs-Studium in Hamburg, Bremen oder München an. Danach will er den Master in Supply Chain Management (SCM) machen. „Im Wesentlichen geht es darum, die Logistikkette ganzheitlich zu betrachten und zu optimieren, also hochproduktive Logistikstrukturen in Beschaffung, Produktion und Distribution zu schaffen“, erläutert Roman fasziniert. - guf/ros

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