Gott neu entdecken – Reformation seit 1517

Luther aus heutiger Sicht

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Brigitte Tesch, Vorsitzende des Kirchenvorstandes, dankte Kirchenpräsident Dr. Volker Jung mit einem Weinpräsent für seinen engagierten Vortrag.

Groß-Zimmern - 500 Jahre Reformation werden im Jahr 2017 bundesweit gefeiert, natürlich auch in Groß-Zimmern. Am Freitagabend gab es den Startschuss ins Jubiläumsjahr. Zum Empfang mit einem prominenten Gast hatte die evangelische Kirchengemeinde eingeladen.

Der Kirchenpräsident der evangelischen Kirche Hessen und Nassau (EKHN), Dr. Volker Jung, hielt einen Vortrag zum Thema: Gott neu entdecken – Reformation seit 1517. Jung widmete sich in seiner halbstündigen Rede besonders der Person Martin Luther, dem Mann, der die Reformation in Gang gebracht hat. Kritisch beleuchtete der Kirchenpräsident auch die Frage, was die Jubiläumsfeiern deutschlandweit bewirken und auslösen können.

1617, also 100 Jahre nach dem Beginn der Reformation, hätten die Feiern die Spaltung zwischen den evangelischen und katholischen Gläubigen eher vertieft. Später, im Jahr 1717, wurde Luther eher als Aufklärer dargestellt. 1817, vier Jahre nach der Völkerschlacht bei Leipzig, wurde der Reformator für die damaligen Zeitgenossen zum Nationalheld. 1917 fanden die Feiern dann mitten im Ersten Weltkrieg und in höchster Verzweiflung und Not statt.

Brigitte Tesch, Vorsitzende des Kirchenvorstandes, dankte Kirchenpräsident Dr. Volker Jung mit einem Weinpräsent für seinen engagierten Vortrag.

Jung rief dazu auf, sich LLuther im aktuellen Jubiläumsjahr nicht so zurecht zu legen, wie man ihn gerne hätte. Man müsse auch die düsteren Seiten von Martin Luther zur Kenntnis nehmen, seine schlimmen Ansichten über Juden und Muslime. Andererseits sollte man Luther auch in seine Zeit stellen. Er habe Höllenängste gelitten, dem Glauben und Gott nicht gerecht zu werden. Trost fand Luther laut Jung in dem Gedanken, dass Gott die Menschen nicht klein, sondern stark machen wolle. Das war für den Reformator ein Argument gegen den Ablasshandel. Luther hatte damals die Idee, dass der Gottesdienst nicht nur in der Kirche stattfinde, sondern dass der Dienst an Gott in jeder alltäglichen Handlung liegen könne. Die Reformation sei schon damals ein Medienereignis gewesen, ohne den Buchdruck hätte sie sich nicht so schnell verbreitet.

Auch heute genössen die Menschen eine neue Freiheit durch die neuen Medien wie das i-Phone, das könne aber auch Abhängigkeit bringen. Jung forderte einen neuen Blick nicht nur auf Luther, sondern auch auf das Evangelium. „Wir sollten lernen, über Luther hinaus zu gehen und auch die anzunehmen, die uns schaden wollen“, predigte Jung und verwies auch auf die Ökumene, denn die Spaltung der Kirche sollte in den Hintergrund treten.

Brigitte Tesch, Vorsitzende des Kirchenvorstands der evangelischen Gemeinde Groß-Zimmern, führte durch die Veranstaltung. Sie stellte auch das Programm vor, für das sich die Vorstandsmitglieder nach vielen Diskussionen im Reformationsjahr entschieden hatten. So wird am Samstag, 18. Februar, der Kirchenraum in ein Kino verwandelt und der Film „Luther“ aus dem Jahr 2003 wird ab 19 Uhr gezeigt. Die nächste Veranstaltung ist eine Ausstellung. Von Montag, 8. Mai, bis Sonntag, 14. Mai, wird ein von der Raibacher Glaskünstlerin Heike Jäger gestaltetes Reformationstriptychon in der Kirche gezeigt.

Die Veranstaltungsbesucher konnten sich am Kirchenausgang einen Flyer mit allen Terminen der Reformationsfeierlichkeiten mitnehmen. Für Interessierte liegt das Programm im evangelischen Pfarrbüro aus. Musikalisch wurde die Veranstaltung vom evangelischen Posaunenchor umrahmt. Ein besonderer Leckerbissen war auch ein Orgelduett. Ulrich Kuhn spielte die Sonata F-Dur von Gaetano Piazza auf der großen Orgel auf der Empore, Elfriede Ohly korrespondierte mit der kleinen Orgel im Altarraum. Einen weiteren, anders gearteten Leckerbissen konnten die Besucher dann noch in Augenschein nehmen. Die Familie Nennhuber hatte eine Bibel aus dem 17. Jahrhundert mitgebracht. Bäcker Klaus Nennhuber hatte auch für das leibliche Wohl gesorgt und Brot gebacken, das nach dem Vortrag zusammen mit Wurst von Bauer Klaus Mann angeboten wurde. Die Kirche leerte sich nicht gleich nach Ende des Vortrages und der Musikbeiträge. Viele Besucher blieben, um sich mit Kirchenpräsident Jung oder untereinander zu unterhalten. (bea)

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