Marlene Karnes wird nun viel stricken, reisen und den Garten pflegen

38 Jahre im Schuldienst

Groß-Zimmern (bea) „Bei den Jugendlichen standen sie im Ruf, konsequent Leistung zu verlangen, nicht zuletzt in der Absicht, damit für deren gute Abschlüsse zu sorgen“, erklärte der Schulleiter der Albert-Schweitzer-Schule (ASS) Helmut Buch am Donnerstag bei der Versetzung in den Ruhestand von Lehrerin Marlene Karnes.

Einen manchmal militärischen Ton bescheinigten ihr scherzhaft ihre Kollegen in der Abschiedsbüttenrede: Setz dich hin, komm mal vor, wo kommst du gerade her, sie hawwe gespurt, sie ha’m all pariert“.

„Ich war Lehrerin und keine Ersatzmutter“, so definiert Karnes selbst ihre Haltung.

Mit 63 Jahren verlässt die engagierte Lehrerin nach 38 Jahren nun die ASS. Biologie und Mathematik für das Lehramt hat sie studiert, Erdkunde, Geschichte und hier und da mal ein anderes Fach hat sie dann an der Groß-Zimmerner Gesamtschule unterrichtet. „Nur Sport habe ich nie gegeben, da weiß ich gerade mal, dass das nicht mit S-C-H geschrieben wird“, sagt die Fast-Pensionärin humorvoll und fügt hinzu: „allerdings entdecke ich mit zunehmendem Alter die Wichtigkeit des Sports für mich selbst“.

Geboren ist Karnes in Schneppenhausen bei Weiterstadt, aufgewachsen in Köln, wo ihr Vater, ein echter Kölscher Junge, herkommt. Der Wechsel wieder zurück nach Hessen war für sie nicht leicht. „Wenn ich hier bin, sehne ich mich nach Köln, würde ich aber in Köln leben, würde ich mich nach Groß-Zimmern wünschen“, so beschreibt sie ihre Ambivalenz zwischen den hessischen und kölschen Mentalitäten.

Ihre Affinität zum rheinischen Lebensgefühl verhehlte sie nie. „Wenn der Zufall es wollte, dass wir ausgerechnet an Weiberfastnacht Gesamtkonferenz hatten, zierte mitunter ein rotes Näschen ihr Antlitz“, erinnert sich Buch in seiner Abschiedsrede.

Der Liebe der Lehrerin zum Karneval zollten die Kollegen Respekt, indem sie die zukünftige Ruheständlerin mit einer Büttenrede erfreuten.

Vermissen werden sie künftig nicht nur die Person, sondern auch die Salate, Pfannkuchen und Kuchen, die Karnes gerne einmal in die Schule mitbrachte, wenn der Schultag, bedingt durch Konferenzen wieder einiges länger zu werden drohte, als es auf dem Unterrichtsplan stand.

Karnes lebt in Klein-Zimmern lebt. Neben der Berufstätigkeit hat sie drei Kinder, zwei Söhne und eine Tochter, groß gezogen. „Entheiratet“ hat sie sich vor 25 Jahren. „Der Karnesclan blieb nicht sehr klein, es kame noch dezu, zwei Bubsche un e Mädche fein und raubten ihr die Ruh. Es Kümmern, Koche kost viel Kraft,- des hatt se all allein geschafft! Dezu kam noch der Schulbetrieb. Viel Zeit ihr niemals blieb“, würdigten die Kollegen die Lebensleistung der alleinerziehenden Mutter.

„Wegen Materialermüdung höre ich auf“, lacht die Fast-Rentnerin. Ihren vier Enkelkindern in Schneppenhausen und Höllerbach will sie sich in Zukunft etwas mehr widmen. „Ich werde da aber bestimmt nicht jeden Tag auf der Matte stehen, das würden meine Kinder nicht so toll finden“, erklärt sie selbstbewusst.

Karnes hofft, dass sie es nun endlich schaffen wird, ihren Garten in Klein-Zimmern in einen gepflegteren Zustand zu versetzen. Ansonsten will sie ein wenig mehr reisen, die deutschen Lande locken sie.

„Stricken ist mein Hobby und ich werde meine Familie in Zukunft stärker damit verwöhnen“, kündigt sie an. „Dann heißt es, wenn ich zu Besuch komme: zieh den Pullover an, den hat Oma gestrickt“.

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