„Jeden Euro dreimal umdrehen“

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Bürgermeister Achim Grimm.

Groß-Zimmern - Vier Jahre ist Achim Grimm Bürgermeister von Groß-Zimmern. Zwei Drittel seiner Amtszeit sind vorbei. Anlass für LA-Redakteurin Gudrun Fritsch für ein Sommerinterview mit dem Rathauschef.

Entspricht die Arbeit einigermaßen dem, was sie erwartet haben?

Grimm: Im Großen und Ganzen ja, aber schwierig ist, dass sich ständig etwas ändert. Auf die neuen Situationen muss schnell reagiert werden. Das macht auch jegliche längerfristige Planung fast unmöglich. Wer hätte vor einem Jahr geahnt, dass wir im Verbund mit hunderten anderen Kommunen mit einem defizitären Haushalt starten? Dabei kommt natürlich einiges zusammen: neben der Umstellung auf die doppelte Buchführung auch die Finanzkrise. Wenn die Steuern weiter einbrechen wird das Defizit zudem noch größer werden. Wichtig ist jetzt, dass die Diskussion zur Haushaltskonsolidierung nicht parteipolitisch ausgenutzt wird. Dazu ist die Situation viel zu ernst und für Streichungen ist natürlich keine der Parteien.

Wie wollen Sie diese Einmütigkeit bei den Politikern erreichen?

Grimm: Der Gemeindevorstand erarbeitet ein Grundlagenkonzept. Um darüber und über weitere Vorschläge zu diskutieren, werde ich im Herbst alle Fraktionen an einen Runden Tisch bitten.

Wo wären Ihrer Meinung nach Einsparpotenziale?

Grimm: In der Verwaltung wird alles Denkbare getan. Jede Ausgabe, auch wenn sie bereits im Haushalt steht, wird noch einmal geprüft. Jeder Euro wird hier dreimal umgedreht, weshalb manche wohl schon von Haushaltssperre reden. Ein winziger Ansatz ist auch der neue Veranstaltungskalender. Der wird 2010 nicht mehr gedruckt, ist aber dafür online auf der Homepage der Gemeinde einsehbar. Zusätzlich wird ein monatlicher Ausdruck in den Schaukästen ausgehängt. Das sind knapp 1 500 Euro die wir hier einsparen können.

Wie wirkt sich denn die aktuelle Tariferhöhung für die Erzieher auf den Haushalt aus?

Grimm: Unser Kämmerer ist zur Zeit noch im Urlaub. Aber bei 40 Stellen dürfte einiges zusammen kommen. Auf gar keinen Fall will ich im Bereich Kinder und Jugend den Rotstift ansetzen.

Wo denn? Bei den Senioren?

Grimm: Sollen wir etwa den Altentag abschaffen? Das wäre doch traurig wenn es soweit kommen würde! Unbedingt will ich auch am Projekt Soziale Stadt festhalten. Über die Drittelfinanzierung ist es das einzige, wo noch etwas bewegt werden kann.

Was haben Sie in den vier Jahren dazu gelernt?

Grimm: Dass viele Dinge länger brauchen, als geplant und dass der Informationsfluss nicht immer wie erwartet läuft. Nach Problemen mit dem Amt für Straßen- und Verkehrswesen klappt es hier jetzt gut, aber mit dem Vorgehen der Denkmalschützer beim Haus Hirschkopf werde ich mich nicht abfinden. Mit einer Wirtschaftlichkeitsberechnung werde ich in Wiesbaden darauf drängen, dass der Abriss genehmigt wird.

Macht so viel Ärger nicht auch amtsmüde?

Grimm: Absolut nicht! Ich stelle mich gerne neuen Herausforderungen. Wenn kein Geld da ist, muss man kreativ werden. Oft sind es Kleinigkeiten, die viel Arbeit machen. Da lässt sich auf ehrenamtlicher Ebene einiges erreichen. Mit gutem Beispiel gehend derzeit drei Klein-Zimmerner Vereine beim Bau eines neuen Mehrzweckraumes voran.

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