Nach dem Brand widmet sich Schreinermeister Karsten Gütte dem Wiederaufbau

Jeder Auftrag ist jetzt wichtig

Schreinermeister Karsten Gütte vor spezialangefertigtem Schrank und Schreibtisch. Foto: Bernauer

Groß-Zimmern (bea) - „Nur Standardmöbel machen, das war nicht mein Ding“, sagt Schreinermeister Karsten Gütte. Er baute sich seine eigene Werkstatt auf, um neben üblichen Schreinerarbeiten wie Türeneinbau oder Parkettlegen auch hochwertige Möbel fertigen zu können.

Das Geschäft lief gut, bis zur Nacht vom zweiten auf den dritten September, in der ein Unbekannter seine Schreinerei angezündet hat.

Der Betrieb mit dem gesamten Maschinenpark wurde ein Raub der Flammen. Besonders bitter für den Handwerker: er hatte zusammen mit seinem Partner Matthias Fleischer das Gebäude eigenhändig aufgebaut. „Wir haben einen Kran gekauft und einen Bagger gemietet, die Fundamente selbst gemauert und das Gebäude in Ständerbauweise selbst errichtet.“ Sogar die Pläne kamen von der Familie. Der Architekt ist Güttes Onkel, Volkhardt Gütte. Fast fünf Jahre hat der Bau gedauert, schließlich musste „nebenbei“ an einem anderen Standort für den Broterwerb gearbeitet werden.

Nun bleibt, wie die Gutachter festgestellt haben, nur noch der Abriss. „Ich schaue nach vorne. Wir wollen so schnell wie möglich wieder aufbauen“, sagt Gütte entschlossen. Diesmal soll der Betrieb aber nicht von den Partnern selbst gebaut werden, die Gewerke sollen vergeben werden. Lediglich die Schreinerarbeiten wollen die Handwerker wieder selbst erledigen. Gütte ist zurzeit viel unterwegs. Neben den Gesprächen mit der Versicherung bemüht sich der Schreiner um neue Aufträge. „Wir können zwar aktuell keine hochwertigen Möbel bauen, aber wir können fertige Produkte verkaufen und wir können sehr gut Parkett verlegen, Türen einpassen oder einen kompletten Innenausbau machen - eben alles, was sich vor Ort erledigen lässt, ohne einen großen Maschinenpark. Zwar hat er in der Nähe schon Räume gefunden, in denen er in der Zwischenzeit arbeiten kann, aber im eigenen Betrieb lässt es sich doch besser werken. Der hochwertige Möbelbau, ein Standbein des Schreiners, wird wohl noch ein bisschen ruhen müssen.

Spezielle Kundenwünsche hat Gütte erfüllt, unter anderem hat er eine komplette Büroeinrichtung gebaut. Vor einem übermannshohen Schrank steht der Holzfachmann und zeigt sein Werk. Der Kunde hatte schon einen alten Apothekenschrank und wollte die anderen Möbel nach diesem Vorbild fertigen lassen. „Statt Teakholz haben wir Pappelholz verwendet, dieses gebeizt und künstlich gealtert“, erklärt Gütte und das Ergebnis ist erstaunlich. Der Farbton des alten Stückes wurde exakt getroffen und alle schönen Zier-Details des antiken Schrankes zeigen sich auch in den neuen Möbeln. Zu den Schränken kam noch ein Schreibtisch im Stil des alten Möbels. Besonderer Trick: der Flachbildschirm, der heute in keinem Büromöbel mehr fehlen darf, lässt sich im Tisch versenken und bei Bedarf mit ein paar Handgriffen wieder hervorholen.

Solche Arbeiten, die Gütte mit viel Liebe zum Detail und in genauer Absprache mit dem Kunden ausführt, werden nun ein bisschen warten müssen. „Für andere Aufträge sind wir allerdings sehr dankbar“, sagt der Schreiner. Schließlich müssen die beiden Partner neben dem Wiederaufbau auch ihren Lebensunterhalt verdienen.

Gütte ist optimistisch, auch wenn er absolut nicht verstehen kann, „warum jemand so was macht.“ Besonders fassungslos macht ihn, dass wohl auch billigend in Kauf genommen wurde, dass das Haus seiner Eltern, das unmittelbar neben dem Betrieb steht, ebenfalls in Flammen hätte aufgehen können, wozu es glücklicherweise nicht kam. „Das hätte auch noch abbrennen können, wenn die Feuerwehr nicht so schnell gewesen wäre.“

‹ Anfragen und Aufträge nimmt Schreinermeister Karsten Gütte gerne entgegen unter s  0178/5469941.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare