Zu Gründungszeiten war Zimmern „sehr links gerichtet, mit kommunistischem Bürgermeister“

Katholische Bücherei schließt

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Organisieren die Schließung: Bibliotheks-Leiter Johann Manetsberger (v.l.) , Engelbert Ott (Verwaltungsrat), Georg Blank (Moderator der Auflösung) und Heiko Richter (Pfarrgemeinderat).

Groß-Zimmern - Nach rund 60 Jahren geht ein Stück der katholischen Pfarrgeschichte Groß-Zimmerns zu Ende: Am 23. November wird die Borromäus-Bücherei neben der Kirche geschlossen. Von Julia Glaser 

Gegründet wurde sie mit etwa 60 Mitgliedern im Dezember 1953 unter der Leitung von Robert Wörtche.

Grund für die Schließung ist die stetig zurückgegangene Leserzahl. Gerade für jüngere Leser gibt es durch Lese-Ecken und Schulbüchereien ein Überangebot an Leihmöglichkeiten, ältere Leser bleiben ebenfalls zunehmend aus. Zuletzt geleitet wurde die Bibliothek von Johann Manetsberger, der von Annemarie Blank und Blanka Hupfer unterstützt wurde.

Kaplan Leonard Veith war es, der 1953 die Gründung eines Borromäus-Vereins in Groß-Zimmern anregte. Er wandte sich in einem Brief an die Zentralstelle des Vereins in Bonn und nannte als einen der Gründe für sein Anliegen, dass die Gemeinde „sehr kommunistisch“ durchsetzt sei – nur die Hälfte sei katholisch. Als notwendiges Gegengewicht zur kommunistisch geprägten Leihbücherei sei die Gründung einer Borromäus-Bücherei nötig. Die neugegründete Bücherei wurde in der Reinheimer Straße 14, dem „Schwesternhaus“, untergebracht, um 1978 zog sie dann in die Wilhelm-Leuschner-Straße um. Einen Borromäus-Verein hatte es bereits vor dem Zweiten Weltkrieg in Zimmern gegeben, wie alle anderen Borromäus-Vereine wurde er jedoch während des Krieges aufgelöst. Zum Gründungszeitpunkt war Groß-Zimmern eine Mutterpfarrei mit sieben Filialen. In zweien davon wurden Filialkirchen gebaut, weshalb die Gemeinde finanziell stark belastet war. Aus diesem Grund waren die Bibliotheksgründer auf die Unterstützung des Borromäus-Vereins angewiesen, zumal man sich auch von der politischen Gemeinde keine Hilfe versprach, was Veith entrüstet in seinem Jahresbericht 1953 mit der politischen Ausrichtung Groß-Zimmerns begründet: „Politisch gesehen ist Groß-Zimmern sehr links gerichtet – wir haben einen kommunistischen Bürgermeister!“

Bücher nicht über die Borromäus-Zentrale bezogen

Im darauffolgenden Jahr ergänzt der Kaplan seinen Jahresbericht um einen Kommentar, der erklärt, weshalb die zuletzt neu angeschafften Bücher nicht über die Borromäus-Zentrale in Bonn bezogen wurden: Um den Küster und seine fünfköpfige Familie zu unterstützen, hat man die Bücher über dessen Devotionalienladen mit angeschlossenem Buchhandel gekauft. „Wir werden es wohl auch weiter so tun müssen“, schreibt Kaplan Veith, verspricht für das kommende Jahr jedoch wieder eine Bestellung über die Zentrale.

Ein Teil der Bücher wird zur Schließung aussortiert, der übrige Bestand auf verschiedenen Wegen verteil.

Am 23. November Bücher gegen Spende mitnehmen

Die Gemeinde bietet nach dem Gottesdienst am Sonntag, 23. November, die Möglichkeit, sich gegen eine kleine Spende Bücher aus der Bibliothek mitzunehmen. Für die JVA in Dieburg ist eine Bücherspende vorgesehen. Ein Teil der Kinderbücher und der religiösen Literatur finden in der Kirche und im Pfarrheim ein Zuhause.

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