Kein „Baum im Baum“

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„Abgeschnitten ist abgeschnitten“ - Beim Obstbaumschnitt sollte mit Bedacht vorgegangen werden.

Klein-Zimmern ‐ Mit flinker Schere und scharfer Baumsäge ging es mit einer Woche Verspätung endlich los. Bedingt durch Regen und eisige Temperaturen wurde dieses Jahr ein späterer Ausweichtermin für den Baumschnittkurs wahrgenommen.

Zwar war es noch recht kalt, aber trotzdem kamen rund 30 interessierte Obstbaumliebhaber zum Baumschnittkurs, den der ehemalige Baumschulenbesitzer Manfred Amann mit professionellem Wissen leitete. Auf der Streuobstwiese der Familie Oesswein gab es mit etwa 30 Obstbäumen genug Beispiele, um Hand anzulegen und den unterschiedlichen Schnitt für Apfel, Birne, Quitte, Zwetschge und Kirsche zu demonstrieren. „Lieber einen Ast weniger abschneiden, denn ab ist ab“, empfahl Amann. „Man muss den Baum im nächsten Jahr neu anschauen, um vielleicht dann diesen Ast abzuschneiden“, so sein Rat. Jeder konnte dabei nach Herzenslust selber mitschneiden und Äste absägen.

Interessante Fachgespräche entwickelten sich immer dann, wenn es mehrere Möglichkeiten gab, einen Ast abzusägen oder Zweige zu entfernen.

Naturschutz im Blickfeld

So wurde über Saftwaage, Leitäste, einjähriges und zweijähriges Holz gefachsimpelt und darüber, wie man einen „Baum im Baum“ verhindert, eine neue Krone heranzieht oder altes Holz verjüngt. Je nachdem, wie lange die Entscheidungsfindung in Anspruch nahm, kam die Säge mal schneller und mal langsamer zum Zuge. „Jeder hat natürlich einen eigenen Blick, aber grundsätzliche Techniken gilt es unbedingt zu beachten, damit der Baum nicht leidet“, erläuterte Amann den Einsatz seiner Teleskop-Astschere.

Im Unterschied zum Erwerbsobstbau mit dem Ziel, möglichst große, als Tafelobst geeignete Früchte zu erzeugen, steht beim Hochstamm-Obstbaum auf Streuobstwiesen auch der Naturschutz im Blickfeld.

Allerdings soll der Baum Früchte tragen und muss entsprechend gepflegt werden. Man akzeptiert aber kleinere Früchte, die oft weiter zu Saft oder Apfelwein verarbeitet werden. Traditionell waren die am Rand der Ortschaften gelegenen Streuobstwiesen früher, als es noch keinen weltweiten Handel mit Früchten unabhängig von der Jahreszeit gab, wichtig für die Versorgung der Bevölkerung mit Trockenobst, Saft, Wein, Kompott und Gelee im Winter. Die alten, knorrigen Obstbäume dienten daneben auch zahlreichen anderen Lebewesen als Quartier. Viele Insekten und Spinnen aber auch Säugetiere wie Marder, Hasen, Igel, Füchse und Rehe finden auf Streuobstwiesen Unterschlupf und Nahrung, denn entweder die dort lebenden Insekten oder die nicht geerntete Früchte dienen als Futterquelle.

„Abgeschnitten ist abgeschnitten“

Baumhöhlen bieten oft das letzte Rückzugsgebiet für stark gefährdete Vogelarten wie beispielsweise den Steinkauz, der glücklicherweise im letzten Jahr mit 34 Brutpaaren im Kreis ein erfolgreiches Jahr zu verzeichnen hatte. Außerdem bringen Streuobstwiesen mehr Abwechslung in die Landschaft und bieten gerade zur Blütezeit spektakuläre Anblicke.

Nach gut zweieinhalb Stunden gab es zum Abschluss Kaffee, Tee und frisch gebackenen Streuselkuchen, den Familie Oesswein spendierte. Egal ob Neueinsteiger oder bereits erfahrener Obstbaumgärtner, jeder kam auf seine Kosten. Mit dem Resümee „Abgeschnitten ist abgeschnitten“ verabschiedete Amann die Teilnehmer. Einige wollten noch am gleichen Wochenende das Gelernte anwenden in der Hoffnung, möglichst nichts vergessen zu haben.

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