Kein Esel, aber ein Baby

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Auch ohne Tiere sehenswert: Die lebende Krippe mit Manuela, Sebastian und Joel Hofmann.

Groß-Zimmern ‐ Die Nachricht am Ende der Familienkrippenfeier hätte sich Pfarrer Christian Rauch ein bisschen anders gewünscht: Wir haben für sie neben der Kirche noch eine lebende Krippe aufgebaut - allerdings ohne Tiere“, lautete die Botschaft. Von Michael Just

Trotz des Aufrufs im LA und im Radio, der sogar über den Äther des größten Privatsenders in Hessen lief, war die Suche nach einem zahmen Ochsen und einem Esel ohne Erfolg geblieben. Und auch in puncto Schafe, die es doch zu genüge geben müsste, war das Resultat nicht viel besser. Lediglich zwei Anrufe gingen laut Rauch ein: Der erste war ein Angebot für einen Stallhasen aus Schlüchtern, der zweite für ein Pony aus der Nähe von Linsengericht bei Gelnhausen. Den Vierbeiner hätten die Groß-Zimmerner aber selbst abholen müssen. Bei so wenig Resonanz war der Pfarrer schon ein wenig enttäuscht: „Es gab keine Bereitschaft, für die Kinder so etwas außergewöhnliches zu unterstützen. Da hätte ich mehr erwartet“, so Rauch zu seiner Idee, die heilige Geschichte mit einem Streichelzoo zu kombinieren.

Auch ein Gemeindemitglied, das Bauernhöfe und Zoogeschäfte abtelefoniert hatte, stand am Ende mit leeren Händen da. „Wir haben alles probiert“, so die nüchterne Bilanz. Tröstlich kommentiert der Pfarrer zuletzt: „Ohnehin stehen Ochs und Esel gar nicht in der Bibel. Die sind später hinzugedichtet worden.“

Die lebende Krippe gibt es an Heiligabend dann trotzdem, wenn auch ohne Tiere. Dafür sorgt ein echtes Baby für nicht minder großes Interesse: Manuela Hofmann (22) und ihr Mann Sebastian (23) sitzen mit dem sechs Wochen alten Sohn Joel als Maria, Josef im Stall.

Der Pfarrer kennt uns, weil wir jüngst bei ihm geheiratet haben“, erzählt die junge Mutter. Seine Anfrage hat das junge Paar spontan mit „ja“ beantwortet. „Die Umhänge hat uns der Pfarrer gegeben. Wir mussten uns im Prinzip nur hier in die Krippe begeben“, fährt sie fort. Von seinem großen Auftritt merkt der kleine Joel allerdings wenig: „Der ist sehr brav und schläft immer viel“, erzählt die Mutter, die von Beruf Arzthelferin ist. Aktiver ist hingegen Hund Rolly, der besonders zutraulich zuletzt doch noch für eine Krippe mit Tier sorgt.

Eine Neuauflage der lebenden Weihnachtsgeschichte soll es laut Pfarrer Rauch im nächsten Jahr nicht geben, auch wenn man dann vielleicht mehr Glück mit Ochs und Esel hätte: „Ich möchte nicht immer das gleiche Programm. Wir sollten uns etwas Neues ausdenken. Es gibt noch so viele tolle Projekte.“

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