Kein Freibrief, aber grünes Licht

Groß-Zimmern (guf) ‐ „Da steh ich nun ich armer Thor..“ und die Ziegelei steht noch immer davor, könnte man das von Peter Urban vorgetragene Goethezitat ergänzen. Einen Rückblick zwischen Euphorie und Panik bezüglich der Industriebrache in der Darmstädter Straße zeichnete der Freie Wähler bei der Gemeindevertretersitzung am Dienstag.

Die Euphorie bezog sich hauptsächlich auf frühere Zeiten, als das noble Großprojekt der Frankfurter Firmengruppe eine Aufwertung der gesamten Region erhoffen ließ. „Panikmache“ kritisierten alle Redner, wobei man sich uneins war, wer nun eigentlich versucht habe, mit Horrormeldungen von Einsturzgefahr und Umweltgiften Druck auf wen auszuüben. Während der CDU-Fraktionsvorsitzende Manfred Pentz diesen Vorwurf an die Grünen richtete, sahen die anderen Fraktionen die Befürworter des Bauvorhabens, also CDU und die „ARGE Alte-Ziegelei“ als Verbreiter von Hiobsbotschaften.

Die euphorische Vision von Pentz, der von einem „herausragenden Projekt für die Zukunft der Gemeinde“ sprach, wollte Grünen-Fraktionsvorsitzende Marianne Streicher-Eickhoff nicht stehen lassen. „Es ist ein Auswuchern in der Landschaft und alles andere als eine geordnete Gemeindeentwicklung“, kritisierte die Fachfrau die „verfehlte Siedlungspolitik mit Entwicklung von außen nach innen“. Die Zuzugszahlen seien illusorisch, Infrastrukturprobleme nicht gelöst und die Frage der Müllablagerung sei auch durch die Änderung des Bebauungsplans nicht gelöst. „Bis sich dort etwas tut, kann noch viel Zeit vergehen.“ Wichtig sei es folglich zu klären, was tatsächlich auf oder unter dem Gelände liegt und ob für die Bevölkerung hiervon Gefahren ausgehen. „Deshalb haben wir eine Umweltverträglichkeitsprüfung beantragt“, so Streicher-Eickhoff. Dieser Antrag wurde jedoch abgelehnt.

SPD zeigt Kooperationsbereitschaft zum Änderungsantrag

Viel wurde in der letzten Zeit über die Pläne der Investoren um Harald Früchtenicht diskutiert, die - sofern der Bebauungsplan steht - die Ziegelei erwerben und auf dem Gelände 50 Einfamilienhäuser, eine Altenpflegeeinrichtung mit Café und Kinderspielplatz bauen wollen (wir haben berichtet).

In einigen Punkten ist man inzwischen aufeinander zugegangen. Waren anfangs außer der CDU alle Fraktionen gegen die hierfür notwendige Änderung des Bebauungsplanes, so signalisierten die Sozialdemokraten bereits im Planungsausschuss mit einem Änderungsantrag Kooperationsbereitschaft. Im Einzelnen schlägt die SPD vor, grundsätzlich einer Wohnbebauung zuzustimmen, aber noch keine Festlegung zum rechtlichen Verfahren der Bauleitplanung zu treffen.

Fröhlich: „Wir stellen uns einer Bebauung nicht in den Weg“

Das angrenzende ,,Schlädchen“ sollte als städtebauliche Brücke zwischen Ziegelei und Ortslage in die Planung einbezogen, allerdings erst später entwickelt werden. „Wir stellen uns einer Bebauung nicht in den Weg, aber einen Freibrief werden wir nicht ausstellen“, betonte SPD-Mann Stefan Fröhlich.

Einen aufkeimenden Streit zwischen ihm und Janek Gola (CDU), inwieweit das Naturgremium oder der NABU in die Diskussion über das dazugehörige Naturschutzgebiet einbezogen wurden, wusste Parlamentsvorsteherin Katharina Geibel im Keim zu ersticken. Allerdings war sie offensichtlich irritiert durch die hitzigen Debatten und fehlenden Mehrheiten. Wie anders ließe sich das Abstimmungschaos bei der eigentlich klaren Stimmungslage erklären. Nachdem der SPD-Antrag angenommen war, ließ Geibel auch über den ursprünglichen Beschlussvorschlag abstimmen, der dann nach viel Konfusion abgelehnt wurde.

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