Keine Angst vorm Nikolaus

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Schwerer Durchblick: Regen und Gewusel mit Riesenandrang machten es dem Nikolaus nicht leicht.

Groß-Zimmern (mj) - Es hat eine lange Tradition beim Odenwaldklub (OWK): am Sonntagnachmittag vor dem Nikolaustag kommt der Mann mit dem roten Mantel und dem weißen Bart an die Birkenruhe.

Auch diesmal näherte er sich durch das Unterholz mit stacheligen Brombeerhecken, knackenden Ästen und raschelndem Laub den erstaunten Kindern.

Ganz klar: Würde er aus einem der Häuschen hinter dem Unterstand oder von den Autos herkommen, wäre die Sache nur halb so spannend.

Hundewetter, wie man auf Deutsch sagen würde, fürchtet der Knecht Ruprecht des OWK ebenfalls nicht. Auch bei Regen und Wind stapft Bernd Ebert – so heißt der Mann unter der Kutte mit bürgerlichem Namen – seines Weges, um mit dem Nachwuchs ein Lied zu singen und den Kleinen ein Päckchen zu bringen. „Die Kinder sind angemeldet, da können wir die Sache ohnehin nicht so einfach absagen oder verschieben“, sagt OWK-Vorsitzender Norbert Kaiser, der wie fast alle seiner Wanderkollegen kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung fürchtet.

Dazu kommen die Kinder mit besonderer Spannung, wohl wissend, dass es bei den Groß-Zimmerner Wanderfreunden nicht „irgendetwas kleines Süßes“ in die Hand gibt. In den mit Namensschildchen versehenen und damit individuell abgestimmten Päckchen befindet sich Sinnvolles wie Bücher, Spiele oder kleinere Spielsachen. Darauf können sich die OWK-Kinder freuen, aber auch anderer Nachwuchs darf vor dem Mann aus dem Walde ein Gedicht aufsagen.

„Das sind meist Freunde und Bekannte von unseren Mitgliedern. Die geben uns ein Päckchen und wir schieben es dem Nikolaus dann unter“, lacht Kaiser.

Kinder haben die Angst verloren

So warteten rund 30 Kinder auf den Mann mit dem großen braunen Sack. Was jedes Jahr auffällt, ist die Tatsache, dass im Gegensatz zu den Nikoläusen an anderen Orten fast nie ein Kind Angst vor dem Unbekannten mit dem Rauschebart hat und dabei von den Eltern in dessen Richtung geschoben werden muss. Selbst die, die eben erst laufen können, stehen neugierig und aufgeschlossen da und blicken mutig in das scheinbar nicht vorhandene Nikolaus-Gesicht, das sich am Sonntag bei Bernd Ebert vor lauter Bart kaum erkennen lässt.

Vor dem Nikolaus-Besuch hat der OWK noch eine kleine Wanderung angesetzt, die der Vorstand aufgrund der kleinen Runde lieber als Spaziergang bezeichnen wollte. Danach wartete bis zum Eintreffen der Hauptperson an der Birkenruhe ein gemütliches Stelldichein bei Glühwein, Kinderpunch und Gebäck. Erinnert die Veranstaltung sonst fast an eine kleine Waldweihnacht, hielt man es diesmal nicht so lange aus: Einige Kinder waren schon beim Spaziergang dabei und nach vielen Schauer und Windböen zogen es besonders die Eltern vor, den Ort im Freien gegen das warme Wohnzimmer zu tauschen.

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