Gütesiegel Berufsorientierung für Albert-Schweitzer-Schule

Keine langen Warteschleifen mehr

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„Wir wollen nicht nur am Schreibtisch hocken!“, sang der Chor bei der Zertifizierungsfeier.

Groß-Zimmern/Darmstadt-Dieburg - Welcher Beruf passt zu mir? Viele künftigen Schulabgänger irren orientierungslos durch den Dschungel von Studien- und Ausbildungsmöglichkeiten. Von Ursula Friedrich

Um Schüler zu motivieren, ihnen auf dem Weg ins Berufsleben Perspektiven aufzuzeichnen, wurde 2010 das „Gütesiegel Berufsorientierung Hessen“ eingeführt. Das Zertifikat des Landes Hessen wurde in einer Feierstunde an drei Schulen des Landeskreises Darmstadt-Dieburg verliehen, darunter die Albert-Schweitzer-Schule.

„Wir wollen nicht nur am Schreibtisch hocken!“, intonierte der Jahrgangs-Chor der Albert-Schweitzer-Schule (ASS) zum Auftakt der Feierstunde. Dieses Credo ist Programm: Statt verkopfte Menschen mit einer mannigfaltigen Menge abstrakten Schulwissens zu entlassen, ist Schule aufgefordert, möglichst frühzeitig Orientierung zu bieten. Die Kooperative Gesamtschule in Groß-Zimmern, das Max-Planck-Gymnasium in Groß-Umstadt und die Weiterstädter Anna-Freud-Schule für Lernhilfe erfüllten diese Aufgaben in vorbildlicher Weise. Damit ging der in Südhessen ausgelobte Preis drei Mal in den Landkreis Darmstadt-Dieburg.

„Viele Jugendliche, die die Schule verlassen, sind orientierungslos“, brachte Thomas Geisel, Leitender Schulamtsdirektor, die Problematik auf den Punkt. „Meist folgt ein Orientierungsjahr, in dem die Schüler quasi in der Warteschleife stecken.“ Der verkürzten Abiturszeit G8 zum Trotz, liege das Einstiegsalter ins duale Ausbildungssystem im Durchschnitt bei 20 Jahren. Daneben klagen hessische Unternehmen über offene Ausbildungsstellen und Fachkräftemangel. Geisels Urteil: „Betriebswirtschaftlich Unsinn.“

„Im dualen Bildungssystem haben wir eine Abbrecherquote von 19 Prozent“, ergänzte Reinhold Stämmler, Vertreter der Hessischen Unternehmerverbände und regionaler Geschäftsführer des Arbeitskreises Schule und Wirtschaft. Auch an Universitäten und Fachhochschulen bestätige sich dieses Bild: „In den naturwissenschaftlichen Studiengängen verbuchen wir 50 Prozent Abbrecher.“ Mit ihrem Konzept „Fit für´s Leben, fit für den Beruf“ will die ASS in Groß-Zimmern diesem Trend entgegenwirken.

860 Kinder und Jugendliche besuchen die kooperative Gesamtschule, 55 Prozent davon sind Haupt- und Realschüler. „Die Berufsorientierung hat bei uns viel Gewicht“, sagte Helmut Buch, der seit rund zehn Jahren Schulleiter ist. Ein Praktikum, Praxistage, eine jüngst eingeweihte Zukunftswerkstatt, kostenlose Nachhilfeangebote für schwache Schüler oder ehrenamtliche Berufslotsen ebnen den Weg zum konkreten Berufswunsch. „Auf der einen Seite gibt es orientierungslose Schüler, auf der anderen Fachkräftemangel“, sagte Pädagogin Ingeborg Klages. Deshalb setzt die ASS bereits früh auf Orientierungshilfen. Klages: „Wer weiß, was er will, ist besser motiviert!“ Mit 1 100 Schülern verzeichne die Max-Planck-Schule (MPS), das einzige Gymnasium im Landkreis, einen leichten Schülerrückgang. Starke Jahrgänge würden jedoch dafür sorgen, dass diese Zahl in den kommenden Jahren stagniere, sagte die Praktikumsbeauftragte der MPS, Evelyn Schrader. Bereits die Fünftklässler könnten beim girls day erste Einblicke nehmen. Mit der Rückkehr des Gymnasiums zu G9 im aktuellen Schuljahr werde es wieder zwei Betriebspraktika geben.

Weitere Angebote, die zur Auszeichnung führten: Die Schule bietet Praxistage, Kompetenz-Feststellungstraining in der Oberstufe, Bewerbungstraining, Workshops, Seminare, die Teilnahme an regionalen Ausbildungsmessen und mehr.

Das Gütesiegel, das einen Baustein der landesweiten Strategie OloV (Optimierung des lokalen Vermittlungsarbeit im Übergang Schule-Beruf) darstellt, hat nun drei Jahre Gültigkeit. Bislang haben 28 Schulen in Südhessen die Zertifizierung erhalten.

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