Klein-Zimmern feiert Kirchweih

Kerb mit besonderen Ritualen

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Munterer Abgesang am Gaaseplatz: Kerbborschen und -frauen waren singend und tanzend im Element. Links im Bild: Kerbvadder Damian Dölz. J Fotos:

Klein-Zimmern - „Wem is die Kerb?“ rufen allerorts die Kerbburschen, die Repräsentanten des Kerbbrauchtums, das derzeit in vielen Kommunen des Landkreises gefeiert wird. „Wo ist die Kerb?“ fragt man sich hingegen in Klein-Zimmern alle Jahre zum Start in das Dorffest.

Mit der Wiederbelebung des Kirchweihfests in den 90er Jahren wurden in Klein-Zimmern neue Rituale eingeführt, die mit viel Spaß und Esprit gepflegt werden – und durchaus ironisch die deutsche Bürokratie auf die Schippe nehmen. Am Samstag wurde die „Kloa-Zimmner Kerb“ ausgegraben. Kerbburschen und -frauen stocherten und gruben auf einem in 100 Quadranten untergliederten Feld neben dem katholischen Gotteshaus nach dem wichtigen Dokument: der Kerburkunde, die das Feiern quasi legitimiert. Die zynische Idee zu so viel Bürokratismus stammt von Walter Götz, dem Vorsitzenden des Kerb- und Kulturvereins (KuK), der die neue Kerbperiode in Klein-Zimmern begründete und durch die Unterstützung von Kerbburschen und -frauen sowie befreundeter Verein wieder ein schönes Fest für die Dorfgemeinschaft stemmte.

Ausgräber: Fabian Köbel (links) förderte auf Feld 93 die „Kerbscheibe“ zu Tage.

Nach dem Kirchweihgottesdienst am Samstag wurde die Kerb zur schweißtreibenden Sache. Durch die Trockenheit war die Wiese neben der Kirche so hart, dass ans Vergraben der Kerburkunde nicht zu denken war – „obwohl die Klein-Zimmner Feuerwehr tagelang gewässert hat“, wie Ortsvorsteher Markus Geßner schmunzelnd berichtete. Statt der Eisenschatulle mit Urkunde vergrub man – symbolisch – eine Blechscheibe, nach der nun eifrig gestochert wurde. Der KKM würzte die Spannung mit einem kleinen Platzkonzert. Auf Feld 93 förderte Fabian Köbel schließlich die Scheibe zutage. Richtig getippt aufs „Fund-Feld“ hatte Sponsorin Renate Knaus.

Am Gaaseplatz, dem „Nabel“ des Kerbfests, wurde die Urkunde unter großem Hallo verlesen. Mit Kinderkarussell, zwei Buden und Zelten wurde der Kloa-Zimmner Festplatz hergerichtet, die Hauptstraße gesperrt, doch ob des einsetzenden Regens drängte es die Feiergemeinde unter die Plane der KuK-Kerbklause, wo es gemütlich wurde. Die Kloa-Zimmner Kerb, in den 70er Jahren eingeschlafen, wurde erneut gesellig gefeiert. Wenngleich anders. „Früher gab es hier noch drei Wirtschaften“, berichtete Dieter Breit aus seiner Jugend. Dort wurde feste getanzt und gefeiert, und weil man im Umland um die gute Bewirtung durch die heimischen Metzger wusste, seien die Säle stets voll gewesen. „Eine Kerbpuppe gab es auch“, so der Klein-Zimmner, und als die einmal fehlte, haben wir die Freundin vom Erbsen-Willi (Getrud) zur Puppe erklärt.“.

Musikalisches Geleit für den Zug der Feiergemeinde gaben auch diesmal die Musiker des KKM.

Dem KuK und seinen Mitstreitern sei dank, wurde das Brauchtumsfest in die Moderne herübergerettet. Gaaselied und Kerbzylinder, Vereinswettkampf und weitere Zutaten würzen die Kerb 2.0. Am heutigen Montag wird noch mal kräftig gefeiert. Der SV Viktoria lädt ab 11 Uhr zum Frühschoppen ins Festzelt und der Gesangverein serviert ab 15 Uhr Kaffee und Kuchen im Feuerwehrhaus. Ab 17 Uhr beginnt die finale Feier der Kerbfrauen und -borschen im Kerbzelt (bis 24 Uhr). Um 20 Uhr wird der Kerbzylinder zum Zeichen des Kerbausklangs wieder abgesenkt. (zah)

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