Kerb in Klein-Zimmern

Spritziger Bieranstich

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Da spritzte beim Bieranstich das Bier in alle Richtungen. Markus Geßner (links) hatte den Hahn so heftig ins Fass geschlagen, dass er aus dem Fass herauskatapultiert wurde.

Klein-Zimmern - Ins Schwitzen kam am Montagvormittag Ortsvorsteher Markus Geßner. Wie jeden Kerbmontag trat er in Lederschürze und mit dem großen Holzhammer bewaffnet zum Bieranstich an. Doch der ging erst einmal gründlich schief. Von Ulrike Bernauer

Der zweite Schlag von Geßner war so wuchtig, dass das Gummi, das den Zapfhahn im Fass hält, über den Hahn rutschte, der folglich nicht mehr gehalten wurde und durch den Druck des Bieres aus dem Fass schoss.

Das Bier sprudelte aufs Pflaster – allerdings nicht lange. Geistesgegenwärtig steckte Walter Götz, der den Bierkrug hielt, seinen nicht gerade zierlichen Zeigefinger in das Loch, so dass der sprudelnde Strom in ein Rinnsal verwandelt wurde. Mit einigen Mühen gelang es dann, den Zapfhahn wieder an die vorbestimmte Stelle zu bringen und das Bier landete in der Folge nicht mehr auf dem Asphalt, sondern in den Gläsern.

Bis auf zwei nasse Hosen gab es sonst keine Schäden zu beklagen, dafür hatten die Klein-Zimmerner etwas zu lachen. „So etwas kommt vor“, sagte hingegen ganz trocken Frank Wölfelschneider von der Darmstädter Privatbrauerei, die das Fässchen gespendet hatte.

Den Klein-Zimmernern schmeckte das Bier trotzdem und schon am Montagmorgen feierten sie zünftig ihren Frühschoppen.

Am Sonntag hatten sich die Kerbbesucher nach dem Umzug besonders über den äußerst gelungenen Kerbspruch (die Kerbrede finden Sie auf Seite 3), vorgetragen von Marcel Roßkopf (der in einer Bildunterschrift in der Montagsausgabe fälschlicherweise als Benjamin Rotter, Mundschenk des letzten Jahres, bezeichnet wurde) gefreut. Der junge Kerbvadder Roßkopf hat schon bei der Klein-Zimmerner Fastnacht Erfahrung in der Bütt gesammelt. Diese Vortragserfahrung zahlte sich nun aus.

Viel Gelächter gab es nicht nur beim Kerbspruch, sondern auch beim Kerbschätzspiel. Die Kerbborschen waren im Winter beim Skispringen in Villingen gewesen und fühlten sich von dem Erlebnis inspiriert.

Sie veranstalteten also ein Klein-Zimmerner Springen, bei dem ein Bock für den Kultur- und Kerbverein, ein Teddybär für die Kerbborschen und eine Puppe, die den Sprung auf einem rosa Baby-Born-Schlitten bewältigte, für die Kerbfrauen an den Start gingen. Ganz klar die Nase vorn hatte der Teddybär und Erika Sauter hatte gewonnen, weil sie am besten geschätzt hatte.

Bestens kam am Sonntag bei Jung und Alt auch die Kerbkapelle „Partycräääckers“ an, deren Musiker sich nicht nur über viel Applaus freuten, sondern auch mit dem einen oder anderen Dessous der begeisterten Damen beworfen wurden. Den Musikern machte die gute Stimmung am Feuerwehrhaus selbst so viel Spaß, dass sie eine Stunde über die vertraglich vereinbarte Zeit spielten.

Obwohl es am Sonntagabend spät wurde, feierten die Klein-Zimmerner auch am Montag ausdauernd. Nachdem das Fass leer getrunken war, ging es zu den Fußballern der Viktoria, wo alle beim Kerbessen kräftig zulangten. „Wir müssen eine Grundlage für das viele Bier schaffen, deshalb gibt es heute viel Deftiges“, lachte der Ortsvorsteher. Der Nachmittag gehörte besonders den Kindern, die vor der Schiffschaukel zeitweise Schlange standen. Erwachsene und Kinder schwangen aber auch voll Lust den Minigolfschläger, die Kerborganisatoren hatten sich von den Kerbborschten aus Groß-Zimmern eine Minigolfbahn ausgeliehen.

Apropos Groß-Zimmern, auch zahlreiche Zimmerner aus dem größeren Ortsteil der Gemeinde schauten bei der Klein-Zimmerner Kerb vorbei. Mit einer ganzen Abordnung waren schon zum Bieranstich die Kerbborschte des Jahrgangs 1940 erschienen, um den Hals ein Lebkuchenherz mit der Aufschrift Bieranstich. Die Klein-Zimmerner freuten sich besonders über diesen Besuch, war der Kerbjahrgang doch schon zum zehnten Mal in Folge am Kerbmontag gekommen.

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