Kerb nach 50 Jahren

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Am morgigen Sonntag feiert die Zimmernerin Margarete Grohe ihren neunzigsten Geburtstag.

Groß-Zimmern (bea) „Ich wollte Kindergärtnerin lernen“, erinnert sich Margarete Grohe, aber in der Zeit, in der sie aufwuchs, war es nicht üblich, dass Mädchen selbstverständlich einen Beruf erlernen. Am 23. Mai 1920 ist die Jubilarin geboren und feiert somit am Sonntag mit ihren Verwandten, zwei Töchtern, drei Enkeln und einem Urenkel, Freunden, Nachbarn und Bekannten ihren 90. Geburtstag.

Zwar konnte sie ihren Traumberuf ausüben, aber Kindern war sie immer zugetan. „Ich bin für viele Kinder und inzwischen auch Erwachsene immer noch die Tante Gretchen“, erzählt sie. Mit ihren vier Schwestern und dem Bruder ist die Zimmernerin in der Dieburger Straße aufgewachsen. Von der hat sie sich auch nie so richtig entfernt. Wenige Häuser weiter bezog sie mit ihrem Gatten Johann-Heinrich ein Haus, in dem auch die Fahrschule des Mannes war.

Auch wenn sie keinen Beruf lernen durfte, als sie 14 Jahre alt war, begann sie in Münster in einer Lederwarenfabrik zu arbeiten. Bis zum Ausbruch des zweiten Weltkrieges war sie dort tätig, dann blieb sie einige Zeit zu Hause. Der Kriegsbeginn war auch in anderer Hinsicht ein Einschnitt in ihr Leben. Zum Kerbmädchen war Grohe auserkoren, ihren großen Auftritt musste sie allerdings um Jahre verschieben. Am Kerbsamstag war Generalmobilmachung der Armee, folglich fiel die Kerb in Zimmern aus. Erst 1989, also 50 Jahre nach ihrem eigentlichen Kerbauftritt, feierte sie zusammen mit Kerbvadder und den Borschte das Fest.

„Nur fürs Mundwerk geschafft“

Ihre erste Liebe konnte die Jubilarin nicht heiraten, der Auserwählte ist im Krieg gefallen. Ihren Mann, Johann-Heinrich, lernte sie nach dem Krieg im Café Weber kennen. Während des Zweiten Weltkrieges war die junge Frau ebenfalls eingezogen, in einer Munitionsfabrik in Hessisch Lichtenau arbeitete sie. Auch nach dem Ende der kämpferischen Auseinandersetzungen ging sie arbeiten, diesmal bei Wiedekind. „Im Krieg haben wir nur fürs Mundwerk geschafft“, erinnert sich das Geburtstagskind. „Wir hatten viele Tiere und Land, gehungert haben wir also nie“.

Mittlerweile ist der Ehemann seit 27 Jahren verstorben und Margarete Grohe wohnt seit dieser Zeit alleine in ihrem Haus in der Dieburger Straße. Die Fahrschulräume hat sie seit einigen Jahren an den VdK vermietet, wo sie auch schon lange Mitglied ist.

Wenn Sprechzeit ist, können sich die VdK-Mitarbeiter immer auf eine Tasse Kaffee und ein Stückchen Kuchen oder Gebäck verlassen. Den Hefekuchen von Grohe isst Kreisleiter Hermann Dittes gar zu gerne.

Von ihrem Sturz hat sie sich noch nicht erholt

Den bekommt er im Moment leider nicht. Im letzten Jahr stürzte die Jubilarin schwer, bedingt durch eine Baustelle vor ihrem Haus. Davon hat sie sich bis heute noch nicht erholt.

Stolz ist sie darauf, dass sie ihren Haushalt - bis auf das Fensterputzen, das erledigt die Nichte - noch selber erledigt. Seit dem Sturz benötigt sie allerdings einen Stock, die Gartenarbeit fällt also flach und „Fahrradfahren kann ich auch nicht mehr“.

Viel Hilfe hatte Grohe während ihrer Krankheits-Auszeit. Nachbarn und VdK-Mitglieder schauten nach ihr. „Die Katja Hengl habe ich sozusagen adoptiert“, lacht Grohe. Und natürlich half auch die Familie, vor allem Tochter Rita samt Ehemann.

Das sie nicht mehr so kann, wie vor dem Unfall, bedauert das Geburtstagskind sehr, denn eines sagt sie mehrmals im Verlaufe des Gesprächs: „Ich schaffe gern“.

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