Kerb „ohne oa gekniggt Hoar“

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„Wunderschej“ und zudem sehr selbstsicher. Kerbmädsche Eileen Mößinger verlässt das Elternhaus über die Leiter.

Groß-Zimmern ‐ „Ich war noch nie so aufgeregt, obwohl ich immer schon davon geträumt habe“, sagt Eileen Mößinger. Seit Ende Mai weiß sie, dass sie zum Kerbmädchen des grün-weißen Jahrgangs 1990/91 auserkoren ist. Von Gudrun Fritsch

Aber kurz vor ihrem großen Auftritt, der Abholung über die Leiter aus dem ersten Stock in ihrem Elternhaus in der Chemnitzer Straße, ist ihr einfach nur mulmig. Das liegt weniger an der hohen Leiter. Eileen ist sportlich und war lange als Rollkunstläuferin aktiv. Thomas Beutel, Vorsitzender des Kerbvereins und zudem Vertrauter sowie Coach aller jungen Kerbvölker, beruhigt sie: „Das muss so sein!“

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Kerb in Groß-Zimmern

Vor zwei Monaten hat die Neunzehnjährige ihre Ausbildung als Kauffrau für Bürokommunikation abgeschlossen, aber: „So nervös war ich noch nie“, gesteht sie. Ein ganzes Zimmer wurde im Haus für den Fenster-Akt ausgeräumt und außerdem gilt es, so viel zu beachten: „Sind die Sektgläser gefüllt? Sitzen die Blumen richtig im Haar? und „bitte gib' mir ein Zeichen, wenn ich zu schnell sprech'“, redet Eileen hektisch auf Kerbvadder Alexander Rühl ein, der nun bei ihr ist. Ruhig und würdig legt er den Arm um sie und wirkt dabei recht entspannt. „So langsam werd' ich auch nervös, aber mein großer Auftritt kommt ja erst noch am Rathaus“, sagt er aufrichtig.

Lampenfieber vorm großen Auftritt

Immer wieder wirft Eileen versteckt einen Blick nach draußen, wo auch ihre Zwillingsschwester und viele Freundinnen sowie ihre Vorgängerinnen stehen. „Es werden ja immer mehr Menschen. Warum fangen die denn nicht endlich an?“, meint das überaus hübsche Kerbmädchen.

Und endlich ist die passende Musik zu hören, die Kerbborschte vor dem Haus feuern ihren Mundschenk, Dejan Schwinn, beim Leiteraufstieg an. „Unser Kerbmädsche, do dut se im Fenster stehj, ich finne se goldisch und wunderschej“, ruft der junge Mann und die Menge applaudiert. Überzeugend selbstsicher und mit fester Stimme begrüßt Eileen jetzt die Menschen: „Uff mich kennt ehr zähjle, uff mich is Verlass!“

Alles lief wie am Schnürchen

Am Samstagabend ist die Zimmerner Kerb eröffnet. Unbeschadet haben die 25 Kerbborschte ihre Bobbe Shakira in die Mehrzweckhalle gebracht.

Und tatsächlich läuft nun alles wie am Schnürchen. Die Sektgläser klingen, das Volk ist begeistert vom Dreiergestirn 2010 und jubelt. Wie ein tanzender Engel schwebt Eileen dann durchs Fenster und schreitet leichten Fußes die Leiter hinab. Noch ein Blick nach oben und schon ist sie - ähnlich wie am Tag zuvor die Kerbbobb „ohne oa gekniggt Hoar“ (Bericht hierzu auf Seite 2) im Kreise ihrer Freunde, die sie fast alle schon seit der Grundschulzeit kennt. Das Kerbmädchen wird umarmt und darf sich jetzt auch auf dem Jahrgangsschild eintragen. Dann geht es gleich zur Kutsche, damit der Umzug starten kann.

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