Kerbmädchen Aileen begeistert

Trutschelkapp und Pizza

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Locker und fröhlich stieg Kerbmädchen Aileen hinter Mundschenk Robin Dietrich von der steilen Leiter.

Groß-Zimmern - „Es wadde hot sich echt rentiert“, mit diesen Worten begrüßte am Sonntag Kerbmädchen Aileen Henrich das Volk, dann startete der Kerbumzug. Von Gudrun Fritsch

„Seit ich denken kann, wollte ich Kerbmädchen werden“, erzählt die 20-jährige Abiturientin. Folglich hat sie auch noch keine Kerb verpasst. Ihre Cousine Tanja Dressel (damals Henrich) war 1990 Kerbmädchen, ihr Vater, Ralf Dieter Henrich 1982 Kerbborscht, der Onkel Reinhold Kress ist Goldener und sogar mit dem Kronjuwelen-Kerbmädchen ist sie entfernt verwandt. Seit Mai wusste sie von ihrem Glück, „meinem Vater und meinem Bruder Tim haben wir das erst später erzählt. Die hätten sich bestimmt verplappert“, sagt sie. Das Kleid und die passenden Ohrringe haben fairerweise die Eltern gekauft, „weil es ja nur wenige Kerbborschte in diesem Jahr sind.“ Auch auf die neugierige Frage, was sie unter dem Kleid trägt - schließlich muss sie als Kerbmädchen vor allen Leuten die Leiter hinunter steigen - gibt es eine Antwort. Lächelnd zeigt sie eine Spezialanfertigung: ein weißer Slip mit der roten Aufschrift Kerb 2014. Obwohl Aileen wahnsinniges Lampenfieber und regelrechte Schwellenangst vor dem Fensterausstieg hat, traut sie sich das Amt und die Reden selbstbewusst zu.

Heißersehnt und viel geküsst: Kerbpuppe Sophia.  

„Ich habe viel Theater gespielt, da habe ich etwas Erfahrung.“ Ihre Freundinnen rufen aus dem Hintergrund: „Sie ist eine Rampensau!“ Ihre Rede kann sie auswendig. „Mit meinem Vater spreche ich zwar noch Zimm'nerisch, aber sicherheitshalber habe ich mit meiner Oma geübt.“ Bevor es los geht, kommen viele Besucher. Ihr Cousin Lias Mai (7) hat extra rot-weiße Glücksbändchen gedreht und ist aus Dieburg angereist, mit seinem Bruder, der vor zwei Jahren Kinderprinz war. Kerbikone Thomas Beutel ist zufrieden mit dem Verlauf der Kerb und Otto Sorrentino lässt am Elternhaus in der Dieburger Straße laute Kerbmusik ertönen. Kerbvadder Lars Pullmann stößt mit ihr an, bevor Mundschenk Robin Dietrich über die eigens von der Feuerwehr platzierte Leiter ans Fenster steigt. „Atemlos bis Dienstag Nocht, spür wos Kerb jetzt mit uns macht. Atemlos, schwindelfrei, großes Kino - für uns zwei“, kündigt er leicht zitternd, aber mit fester Stimme an.

Dem Kuss und den Reden folgt der Abstieg und nach herzlicher Begrüßung des Kebvolkes und der Borschte geht"s zum Umzug. Eine nahrhafte Kerb konnten die Zimmerner am Sonntag erleben. Die Kerbborschte 2007 wähnten sich in Italien und einige von ihnen hatten ordentlich Stress. Sie bereiteten frische Pizza auf ihrem Wagen und verteilten sie an die zahlreichen Umzugsgäste, die den Weg säumten. Die Kerbborschte 1998 und 2001 hatten sich vereint und fuhren ihre Getränke eisgekühlt durch die Straßen, hatten aber auch sonst noch einiges auf Lager. Sie schossen scharf, aus den Pistolen kamen allerdings nur Seifenblasen. Der Jahrgang 1982/83 sorgte sich hingegen um die Kehlen der Zuschauer und zapfte während der Fahrt Bier.

Kerb in Groß Zimmern

Kerb in Groß-Zimmern

Einen Augenschmaus boten die Kerbborschte 1984, oder eigentlich mehr ihre Begleitung. Ihr Motto hieß „Winni, Winni reicht nicht mehr, jetzt müssen bei uns Gogos her“ und sie führten die entsprechenden leichtbekleideten Damen natürlich mit sich. Pfarrer Marcus Konrad war kaum wieder zu erkennen, nachdem er am Vortag noch im Talar die Kerbpredigt gehalten hatte, glänzte er beim Umzug als silberner Kerbborscht im Paillettenanzug mit der Sonne um die Wette. Kerbikone Thomas Beutel fand sich gleich mehrfach im Umzug wieder. Einmal lief er als sparsamer Schotte mit beim Kerbverein mit. Der Jahrgang 1980/81 ist aber der Meinung, Beutel könnte durchaus als sportliches Vorbild herhalten und hatte seinen Kopf auf die Körper berühmter Boxer gesetzt. „Da sieht man endlich mal, was ich für einen Adoniskörper habe“, lautete Beutels Reaktion auf die Bilder. Neu war hingegen wohl allen, dass auch internationale Kämpfe mit der Trutschelkapp ausgeführt wurden.

Nicht nur die Kerbborschte 2008 feierten weltmeisterlich.

Mancher Verein präsentierte sich seinem Ziel entsprechend. Die Rad- und Rollsportlerinnen glitten natürlich durch die Straßen und der Tennisclub führte nicht nur einen überdimensionierten Tennisball sondern auch gleich ein ganzes Netz auf Rollen mit sich. Den erfolgreichen Handballerinnen sah man ihre Sportart hingegen nicht an. Sie waren im Dirndl unterwegs. Auch der Turnverein hat sich ein buntes Motto gegeben. Als Piraten besuchte man Zimmern. Sportlich mögen es hingegen die Kerbborschte 1993. sie hätten gerne eine Baywatch-Truppe an der Gersprenz, sahen allerdings in ihren rotweißen Badekostümen und dem Schwimmbecken nicht ganz so sexy aus wie Pamela Anderson. Den würdigen Abschluss des bunten Umzugs, der bis zuletzt tatsächlich vom Regen verschont blieb, bildete der Goldene Jahrgang und darauf folgte das Dreigestirn aus Kerbmädchen Aleen Henrich, Kerbvadder Lars Pullmann und Mundschenk Robin Dietrich. Die Kerbborschte hatten dem Kranz, der ihrem Wagen vorweg schwebte, eine überdimensionale rot-weiße Trutschelkapp aufgesetzt.

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