Pfarrer Michael Fornoff

Kirchengemeinde ist Geschwisterersatz

Groß-Zimmern - Seit 25 Jahren ist Michael Fornoff Pfarrer in Groß-Zimmern. „Als ich 1979 mit dem Posaunenchor Erzhausen zum ersten Mal hier in der Kirche war, hat sie mir eigentlich nicht besonders gefallen, die Säulen störten die Sicht“, berichtet der 53-Jährige rückblickend. Von Gudrun Fritsch

Inzwischen ist das Gotteshaus für ihn ein Zuhause geworden, zahlreiche Renovierungsarbeiten, Neu- und Umbauten hat er federführend begleitet, aber die Säulen stehen noch. Morgen wird das Jubiläum hier mit einem musikalisch geprägten Festgottesdienst gefeiert.

Der Beginn war alles andere als einfach. Als er im Juni 1989 in Groß-Zimmern anfing, wurde der junge Pfarrvikar mit vielen irdischen Problemen konfrontiert: Eine große Kirchengemeinde mit zwei Pfarrstellen, in der nur in den ersten sechs Wochen ein Kollege mithalf sowie eine Gemeindesekretärin, die nach wenigen Monaten durch einen Bandscheibenvorfall ausfiel. „Bei meiner ersten Gemeinderatssitzung wurde der Baubeschluss für den Kindergarten Otzbergring gefasst“, erinnert er sich.

Drei Jahre musste er alleine die Geschicke der Kirchengemeinde lenken Doch bekanntlich wächst man an seinen Herausforderungen. Heute kann Fornoff darüber milde lächeln, denn in vielerlei Hinsicht sucht er diese Herausforderung in seinem Traumberuf. Dass er Pfarrer werden wollte, hatte er bereits mit 12 Jahren entschieden. „In meiner Heimatkirchengemeinde Erzhausen wurde eine gute Jugendarbeit gemacht. Und dann gab es da noch einen tollen Posaunenchor.“ Der Ruf sei so zwar zunächst über die Musik erfolgt, aber die abwechslungsreiche Arbeit mit Menschen, dem Glauben und der Bibel sowie Verantwortung zu übernehmen, das lag ihm schon immer. „Ich wurde im christlichen Glauben erzogen. Meine einzige, ältere Schwester ist kurz nach ihrer Geburt gestorben. Als ich klein war, habe ich mir Geschwister gewünscht. Die Kirchengemeinde ist für mich ein Geschwisterersatz.“

Logische Konsequenzen

Die logische Konsequenz war ein Studium der Theologie in Mainz von 1980 bis 1986. Während seines Spezialvikariats ging er von 1988 bis 1989 nach Darmstadt in das „Amt für missionarische Dienste“. Unterstützt wird er dabei seit 1981 von Ehefrau Heidrun, die zudem in der Kirchengemeinde eigene Projekte leitet.

In jedem der drei Söhne könne er ihm eigene Eigenschaften entdecken: „Lucas ist der Manager, er studiert Betriebswirtschaft. Ruben hat ein gutes Gespür für seine Mitmenschen, er macht Bundessozialdienst im Haus der Kinder und will dann Lehrer werden. David, der Techniker, ist in der zehnten Gymnasialklasse.“

Auf der Trompete spielt Fornoff heute nur noch selten, dazu haben ihm die vielen Herausforderungen der letzten Jahre wenig Zeit gelassen. Neben dem Kindergarten fällt unter seine Ägide die Sanierung der Außenanlagen und Fassaden, der Kirchenfenster und des Innenraums von 1994 bis 2007 sowie der Bau von zwei Pfarrhäusern 1994 und 2000 für seinen heutigen Pfarrkollegen Michael Merbitz-Zahradnik und sich selbst. Zudem hat er sich von 1999 bis 2011 für die Notfallseelsorge im Landkreis engagiert und ist über 16 Jahre im Dekanatssynodalvorstand tätig. Außerdem unterrichtet er an der Albert-Schweitzer sowie der Schule im Angelgarten.

Hilfe in guten und schlechte Situationen

Geprägt von den Jugendfreizeiten liebt er bis heute Gruppenfahrten. Seit 1994 hat er 14 größere Studienreisen geleitet. Die nächste führt im Oktober nach Tansania und Zanzibar (hier sind noch zwei Plätze frei). Für die Kirche und vor allem für seelsorgerliche Aufgaben wie Gottesdienste, Taufen und Hochzeiten schlägt sein Herz. „Es ist schön, wenn man in guten und schlechten Situationen eine Hilfe sein kann und ich begleite sehr gerne Riten.“

Für die kommenden Jahrehat Pfarrer Fornoff noch einiges vor. Er kümmert sich um die Anschaffung einer zweiten kleinen Orgel für den Chorraum, die Einführung neuer Gottesdienstformen für junge und kirchenfremde Menschen und den Aufbau eines Familienzentrums in Kooperation mit der evangelischen Kita und dem lokalen Mehrgenerationenhaus.

Wenn er dann doch mal ein wenig Freizeit hat, spielt Fornoff gerne Golf und Volleyball, singt mit Begeisterung auch im Chor, außerdem reist er gerne und liest spannende Krimis. Auf die Frage, was er sich wünschen würde, antwortet er spontan: „Größere Büroräume, denn das Gemeindebüro ist viel zu eng.“ Die Mitgliederzahlen der Gemeinde sind ähnlich wie zu seiner Anfangszeit mit 4300 recht hoch.

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