Kita-Neubau will finanziert sein

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Auf dem Festplatz soll eine neue Betreuungseinrichtung für Kinder entstehen.

Groß-Zimmern - Ähnlich einer Tour de France legen sich die Kommunalpolitiker ins Zeug im Ringen um eine zufriedenstellende Betreuung für die Kinder der Gemeinde. Noch liegt das Ziel in weiter Ferne. Von Ursula Friedrich

Doch in der jüngsten Sondersitzung des Sozial-, Sport- und Kulturausschusses (SSK) gelang ein Etappensieg. Einstimmig beschlossen die Vertreter der vier Fraktionen, in eigener Bauträgerschaft eine sechszügige Betreuungseinrichtung auf dem Festplatz zu bauen. Ferner soll die Einrichtung mit vier Guppen für unter Dreijährige (U3) und zwei Gruppen für über-Dreijährige (Ü3) an einen freien Träger vergeben werden.

In einer ersten Kostenkalkulation scheint dies die wirtschaftlichere Lösung. Am Beispiel des Arbeitersamariterbundes (ASB), der sein Angebot für die Trägerschaft vorlegte, betragen die jährlichen Aufwendungen für den Kindergartenbetrieb mit 216 .400 Euro rund 70 .000 Euro weniger, als in den Kostenkalkulationen der Gemeinde.

Zweiter Bewerber mit im Rennen

Um die Trägerschaft für die beiden Kindergartengruppen der Drei- bis Sechsjährigen (Ü3) ist ein zweiter Bewerber mit im Rennen. Der Kinderladen Freiträume stellte in der SSK-Sondersitzung seine Ideen und Kalkulationen vor. Die private Initiative betreibt seit rund zwanzig Jahren eine integrative Einrichtung mit einer Kindergruppe in der Röntgenstraße. Diese würde geschlossen, wenn die Entscheidung für eine Trägerschaft des Kindertagesstättenbereichs an den Kinderladen fallen würde. Allerdings müsste bei diesem Modell ein zweiter Träger für die angekoppelte Kinderkrippe mit 40 Plätzen in vier U3-Gruppen gefunden werden.

Bürgermeister Achim Grimm erklärte, seitens des Gemeindevorstands würde eine Splittung der Trägerschaft abgelehnt.

Marianne Streicher-Eickhoff (Bündnis 90/Die Grünen) plädierte dafür, die Trägerschaft für die neue Einrichtung öffentlich auszuschreiben, um eine breitere Bandbreite von vergleichbaren Angeboten zu haben.

Haushalt ist mit drei Millionen Euro untergedeckt

Die nötigen Vorarbeiten für den Neubau der Betreuungseinrichtung, die spätestens am 1.8.2013 ihre Pforten öffnen soll, wenn der Rechtsanspruch der U-3-Bürger auf einen Kindergartenplatz in Kraft tritt, soll nun der Gemeindevorstand leisten. Dieses Etappenstück dürfte einer ordentlichen Bergroute entsprechen, bliebe man im Bild einer Tour de France. Denn: Der Haushalt ist mit drei Millionen Euro untergedeckt, die Kosten für die neue Einrichtung könnten aber durchaus 2,2 Millionen Euro betragen, so Bürgermeister Grimm. Vom Land Hessen sind zwar Zuschüsse zwischen 500- und 600.000 Euro zu erwarten. Dennoch muss die Gemeinde eine ordentliche Summe selbst stemmen. Achim Grimm: „Um eine Kreditaufnahme kommen wir nicht herum.“ Nun bleibt den Vertretern der Fraktionen, mit den Parteikollegen ihre „Hausaufgaben“ zu machen. Der Gemeindevorstand schlägt die Veräußerung diverser Grundstücke vor, die Geld in die Kassen spülen. Die potenziell größte Summe erbrächte ein Teil der Erweiterungsfläche des Friedhofs (etwa 700.000 Euro), ein Grundstück in der Bahnstraße zirka 280.000 Euro. Auch der Spielplatz in der Beethovenstraße – da am wenigsten genutzt – ist kein Tabu und könnte als Bauland für etwa 200.000 Euro veräußert werden.

Jährlich 1,9 Millionen für Kinderbetreuung

Um die Kosten für den Kindergarten- und Kindertagesstättenbetrieb zu finanzieren, wird auch an der Gebührenschraube gedreht. Noch vermied der Ausschuss das unpopuläre Thema – einig waren sich jedoch alle: nach fast zehn Jahren ist eine Debatte um eine Gebührenanpassung unumgänglich – selbst ohne Neubau. Zur Zeit kostet die Kinderbetreuung jährlich 1,9 Millionen Euro, Tendenz steigend. In der kommenden Sitzung des SSK am 1. November soll ein Vorschlag des Gemeindevorstands zur Gebührenanhebung auf dem Tisch liegen.

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