Azubi im St. Josephshaus

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Bei den Malern des St. Josephshauses kann man auch eine Ausbildung beginnen. Von Links: die Azubis Felix Ditterich, Lars Gänsler, Geselle Ömer Gören und Malermeister Berthold Söder.

Klein-Zimmern - Das St. Josephshaus gehört mittlerweile zum Ortsbild dazu. Neben der Schule gibt es auch die Chance auf einen Ausbildungsplatz. Von Ulrike Bernauer 

Kaum noch aus Klein-Zimmern weg zu denken ist das St. Josephshaus. Gegründet wurde es im Jahr 1864 als sogenannte „St. Josephs-Knabenanstalt“. Die Einrichtung wird somit in diesem Jahr 150 Jahre alt, Anlass genug, dieses Jubiläum im Oktober zu feiern.

Gestaltete sich das Verhältnis von „Anstalt“ zum benachbarten Dorf Klein-Zimmern in manchen Jahren schwierig, so kann davon heute keine Rede mehr sein. Das St. Josephshaus ist ein selbstverständlicher Bestandteil des Ortes. „Die Kinder des Neubaugebiets spielen auf unserem Spielplatz und unsere Halle wird ganz selbstverständlich von den Vereinen für Veranstaltungen oder Sport genutzt“, sagt Einrichtungsleiter Markus Pelz.

Von der Knabenanstalt hat sich das Haus weit entfernt. Zahlreiche Leistungen im Jugendhilfebereich bietet das St. Jospehshaus an, es nimmt nach wie vor Kinder in seinem Heim auf, heute allerdings Jungen und Mädchen, es ist Anlaufstelle für Familiengruppen, die nicht auf dem Gelände leben, es gibt Tagesgruppen, Werkstätten, die ausbilden und ganz wichtig, die Bischof-Ketteler-Schule.

Gehörig schief gelaufen

70 Kinder von der Klasse eins bis zur Klasse zehn besuchen zurzeit die Schule, wobei die Jüngeren in Klein-Zimmern, die Älteren seit diesem Schuljahr in Dieburg unterrichtet werden. Bei allen Kindern ist in der Schulsozialisation etwas gehörig schief gelaufen, sodass die Kinder, die hier Aufnahme gefunden haben, einer ganz besonderen Aufmerksamkeit bedürfen, die sie in einer Regelschule nicht erhalten. Das habe oft gar nichts mit mangelnder Intelligenz zu tun, sondern die Kinder seien einfach „anders“ wie die meisten anderen Kinder.

Im Regelschulbetrieb fallen sie durch das Raster, weshalb sie dann, in irgendeiner Form auffällig geworden, von der Jugendhilfe an die Bischof-Ketteler-Schule zugewiesen werden. Pelz konstatiert einen wachsenden Bedarf an dieser besonderen schulischen Zuwendung: Waren es vor zehn Jahren noch 36 Kinder, die die Schule besuchten, so ist es heute die doppelte Anzahl. Dabei ist der Förderbedarf ganz unterschiedlich, es gibt Klassen mit neun Schülern, aber mitunter wird ein Kind auch einzeln unterrichtet, weil es nicht ertragen kann, dass der Lehrer seine Aufmerksamkeit auch anderen Schülern widmet.

Das erklärte Ziel der Bischof-Ketteler-Schule ist es, die Kinder dazu zu befähigen, in die Regelschule zurück zu kehren. Das gelingt nach Aussage von Pelz aber nur in zehn bis 15 Prozent aller Fälle. Die Kinder, die an der Schule im St. Josephshaus bleiben, haben die Möglichkeit, den Qualifizierten Haupt- oder den Realschulabschluss zu machen. Die schulischen Maßnahmen werden, wenn nötig, von ambulanten Hilfen wie Tagesgruppen noch unterstützt. „Wenn die Regelschule anders ausgerichtet wäre, dann hätten wir hier kaum Schüler“, kritisiert Pelz die „normalen“ Schulen.

Ein wichtiger Arbeitgeber

Hat ein Schüler dann den Abschluss in der Tasche, kann er sich eine Lehrstelle suchen. Für einen gewissen Teil der Absolventen gibt es aber auch Lehrstellen im St. Josephshaus. In der Schlosserei werden Jugendliche ausgebildet, ebenso wie in der Gärtnerei, dem Malerbetrieb oder der Hauswirtschaft. Diese Lehrstellen sind allerdings Absolventen der Bischof-Ketteler-Schule vorbehalten. Höchstens fünf davon gibt es in jedem Bereich, die aktuell aber nicht alle besetzt sind.

Das Haus ist auch ein wichtiger Arbeitgeber, mit seinen Dependancen in der Lebrechtstraße in Groß-Zimmern und in Dieburg beschäftigt das St. Josephshaus 200 Mitarbeiter. Diese kommen nicht nur aus dem pädagogischen Bereich, sondern arbeiten auch als Hauswirtschafterinnen oder als Schlosser oder Gärtner in den Werkstätten. „Wir geben nicht nur den von uns betreuten Kindern und Jugendlichen Anerkennung, sondern auch unseren Mitarbeitern“, sagt Pelz.

So bestreitet die Einrichtung ihre Arbeit auch mit Menschen die das Bundesfreiwilligenjahr (Bufti) oder das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) absolvieren. Sind darunter ältere Menschen, die schlechte Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben, so übernimmt Pelz auch gerne Mitarbeiter, die sich als fähig und passend erwiesen haben. So hat die Einrichtung eine Absolventin des Buftis dauerhaft und mit angemessenem Gehalt als Hauswirtschafterin eingestellt. „Sie ist eine hervorragende Kraft und wir wollten sie auf keinen Fall verlieren.“

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